Bkool, Zwift & Co – Digital ist besser?

Digital ist besser sangen Tocotronic bereits 1995 und produzierten eins ihrer erfolgreichsten Alben, eins meiner Lieblingsstücke. Digital verbreitet sich auch bei Rollentrainern immer schneller und bietet dem Training über die Wintermonate mehr Komfort. Digital ist besser?

Ich habe heute morgen den Artikel über die Sache mit Zwift, BKOOL & Co. von Joas gelesen und war mir sofort im Klaren, dass ich hier eine Lanze für die Rollentrainer-Faktion brechen muss. Joas schreibt unter Anderem von der Kehrseite der Digitalisierung und führt Argumente ins Feld, wie um Beispiel das geringere Interesse an Leistungsvergleichen auf Straka etc, die ch in diesem Artikel mit einfließen werde. Dabei handelt es sich hierbei nicht um eine Kontroverse sondern viel mehr um eine Ergänzung, die Kehrseite der Kehrseite der Digitalisierung quasi.

Erleichterung durch Digitalisierung des Trainings?

Für jedes Gefühl im Leben gibt es auch Musik. (Iriepathie)

Für jedes Gefühl im Leben gibt es auch Musik. (Iriepathie)

Bereits im Teaser musste ich feststellen, dass man über die Digitalisierung der Rollentrainer viel zu schnell falsche Schlüsse ziehen kann. Eigentlich wolle ich über die Erleichterung des Wintertrainings schreiben, allerdings musste ich beim darüber Nachdenken feststellen, dass ein Training in Intensität, Umfang und mentaler Standhaftigkeit überhaupt gar nicht erleichtert wird. Im Gegenteil sogar, denn es gibt keine Schlechtwetterausreden oder legitimes Abkürzen von Einheiten aufgrund von Wetterkapriolen. Die Bedingungen werden erschwert anstatt erleichtert, denn die Rolle steht allzeit einsatzbereit und wartet nur darauf ein Training zu starten.

Dem kann man nun entgegenhalten, dass ein Outdoortraining im strömenden Regen natürlich viel schwerere Bedingungen bedeutet und das Training bei Minus fünf Grad noch mehr Motivation abverlangt. Jein. Dagegen steht die Monotonie der Rolle, die vielleicht bei 1-2 Stunden leicht zu ertragen ist aber danach mental extreme Überwindung kostet. Während man draußen mit den extremen Bedingungen kämpft aber immer erst noch nach Hause fahren muss, ist die erfrischende Dusche, das leckere Essen und die Couch von der Rolle nur einen Katzensprung entfernt. Für mich stellt dies keine Erleichterung da.

Freude, Hochgefühl und Zufriedenheit

Ich fahre im Winter sowohl draußen als auch auf der Rolle. Außerdem laufe ich hin und wieder gerne. Während meiner #Running Challenge im Januar war ich jeden Tag draußen und habe die Vorzüge der eisigen Morgenluft kennengelernt. Dagegen sind die morgendlichen Nüchterneinheiten auf der Rolle ziemlich unangenehm, allerdings aus der Perspektive des Zeitmangaments besser durchzuführen.

Das Hochgefühl nach richtig herausfordernden Trainingseinheiten hat sich bei mir sowohl auf der Rolle als auch draußen eingestellt. Ich kann Glücksgefühle nach 3,5 Stunden auf der Rolle ausschütten und richtig zufrieden vom Rad kippen, genauso wie ich mich über die wunderschönen drei Stunden draußen bei Minusgraden freuen kann (und dabei schnell vergesse wie Hände und Füße ist erfroren sind). Die Qualität der Zufriedenheit ist hier für mich gleich.

Vergleichbarkeit der Trainings

Ich habe noch nie Kilometer verglichen, weil es im Radsport zu viele Faktoren gibt, die die Streckenlänge (gerechnet auf die Trainingszeit) beeinflussen. Außerdem spielt es für mich auch eine untergeordnete Rolle in der Jahresstatistik. Ich habe schon seit meinem erstem Trainingsjahr die Trainingsstunden in den Vordergrund gerückt. Und damit war Training auf der Rolle oder draußen für mich seit jeher vergleichbar. Allerdings waren die Km-Werte auf meiner Tacx Satori Rolle in der Tat wertlos.

Mit der Digitalisierung der Rollentrainer werden aber auch die Kilometerwerte vergleichbar. Ich kann hier nur meine Leistungen beurteilen aber Durchschnittswatt, -km und -puls korrelieren mit Werten aus Outdoortrainings. Ob das jetzt auf den Kilometer genau hinkommt, das mag dahin gestellt sein aber das interessiert mich dann auch weniger. Die zeit bleibt letztendlich als vergleichbare Maßeinheit bestehen.

Digitales Gruppetto

Besonders motivierend erlebe ich die Option gemeinsam mit anderen Radsportlern digital zu fahren. Hier gebe ich Jobs völlig Recht, dass in der digitalen Welt viel mehr im roten Bereich gefahren wird. Persönlich lasse ich mich darauf nicht ein, aber generell erlebe ich hier auch eher Renn- als Trainingsbelastungen. Mir macht es trotzdem Spaß das Gefühl zu haben nicht alleine zu sein und irgendwie kann man damit auch direkt seine Computerspiel Lust frönen mit größerem Erfolg für die Gesundheit als vor dem PC mit der Maus in der Hand :-)

Digitales Radfahren und Strava

Strava hat den Zahn der Zeit erkannt und trennt mittlerweile auch Radeinheiten nach realen und virtuellen Fahrten, so dass hier mehr Übersicht gegeben ist. Wünschenswert wäre aber eine andere Vorschau bei BKOOL-Einheiten, da hier die nachgefahrene Strecke angezeigt wird und man auf dem ersten Blick nicht sieht, dass man real gar nicht in Italien war.

Fazit

Ob Rolle oder Outdoor – fahrt und bewegt euch. Radsport ist unsere Leidenschaft und der Spaß sollte an oberster Stelle stehen. Und Spaß bedeutet in meinem Fall sowohl auf der Bkool Pro Rolle im Münchener Olympiapark meine Runden zu trainieren als auch bei widrigsten Bedingungen draußen Grundlage zu fahren.

Digital ist für mich nicht besser und auch nicht schlechter. Digital ist mehr Komfort und eine weitere Option zum Trainieren und erschwert die Ausreden bei Trainingsausfall.

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Daniel

2006 bin ich zum Radsport gekommen und seitdem von dieser Sportart fasziniert . Anfangs als Mountainbike Tourenfahrer unterwegs, kam ich schnell zum ersten Mountainbike Rennen, zum Leichtbauwahnsinn und erhöhtem Trainingsaufwand. Wegen der Befindlichkeit, nicht wegen der Ergebnisse. Seit 2012 bin ich auch auf dem Rennrad unterwegs. Und es macht Spaß.

6 Responses

  1. Ulf Collasch sagt:

    An der Digitalisierung schätze ich die Flexibilität. Am Abend mal in Ruhe noch schwitzen zu können, reicht zur Entspannung. Und dazu noch „in tollen Videos mitzufahren“, lässt mich schmunzeln. So sehe ich die Welt auch von einer anderen Seite ;-)

  2. trailrunnersdog sagt:

    Als sowohl Anfänger auf dem Rad wie auch auf der Rolle kann ich dir da nur zustimmen. Draußen ist immer angenehmer, selbst bei Mistwetter da man besser abgelenkt wird. Die Rolle kostet mich immer Überwindung, grade ab 90 Minuten wirds extrem schwer für mich wenn ich nicht gerade Intervalle fahre wo man naturgemäß eher weniger Zeit hat zum Nachdenken.
    Eine Trainingserleichterung ist die Rolle für mich nicht, eher eine Möglichkeit auf mal im Dunklen abends vernünftig zu fahren. Natürlich gibt es mir die Möglichkeit quasi immer eine Runde mit dem Rad zu drehen, aber eben auch es sein zu lassen nach 10 Minuten wenn ich keine Lust mehr habe.

  3. Daniel sagt:

    Mir gefällt die Digitalisierung – bzw. die „Gamemification“ des Sports. Als Läufer bin ich es gewohnt auch mal Abends eine kleine Runde zu drehen. Das bietet mir auch das Konzept der o.g. Dienste. Ich kann ein festes Training absolvieren, es ist vergleichbar und es geht im Dunkeln und bei jedem Wetter. Das macht mein Radtraining deutlich Alltagstauglicher, denn normalerweise gehe ich um 8 aus dem Haus und komme um 18 Uhr wieder zurück. Damit sind große Teile des Jahres unter der Woche gar nicht wirklich erreichbar.
    Ein paar Wochen Bike2Work geht – aber mit den neuen Rollen mit Videos, Workouts, Wattmessung usw. kann ich mein Training sinnvoll ergänzen.

    Einen Nachteil hat es aber, wenn man Zuhause ist. Wenn man diese Zeit in der Familie „frei“ bekommt ist es doch etwas anderes. Man ist trotzdem ansprechbar und da. Ich erinnere mich an eine Morgentrainingsheit – ich bin spät aus dem Bett gekommen, sitzen 30 Minuten auf der Rolle und schon stand meine Familie da weil sie wach waren … wäre ich draussen gewesen, hätte das keine Rolle (haha) gespielt, so hab ich die Einheit abgebrochen.

  4. Joas Kotzsch sagt:

    Daniel, für mich ist Dein Beitrag tatsächlich eine sehr schöne Ergänzung. Und wenn ich das Radfahren rein unter dem Trainingsaspekt betrachte, bin ich auch vollkommen bei Dir. Da sind diese Rollentrainer eine willkommene und motivierende Abwechslung, die die Monotonie des Rollentrainings aufbrechen und mit denen ich auch ganz gezielt im Training Akzente setzen kann. Mit ging’s eigentlich nur darum zu sagen, dass Rollentraining (für mich) nicht gleich radfahren ist – ist mehr im ideellen Sinne gemeint :). Ansonsten sehr spannende Entwicklung, die ich auf jeden Fall weiter verfolgen werde.

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