3 Winterhandschuhe im Test

Neben kalten Füßen sind kalte Hände ein absolutes No-Go beim Training auf dem Mountainbike, Cyclocrosser oder Rennrad, insbesondere beim Rennrad fahren können die Anforderungen durch den Windchill-Faktor extrem werden, um Unterkühlungen auch auf längeren Ausfahrten zu verhindern. Ich möchte euch heute drei verschiedene Winterhandschuhe vorstellen, die ich im Trainingsalltag verwende und empfehlen kann.

Was habe ich früher häufig an den Händen gefroren. Stellenweise waren meine Hände so durchgefroren, dass es mir schwer fiel die Bremse zu betätigen, weil die Bewegung in den Fingern noch größere Schmerzen verursachte. Was hätte ich auf dem einzigen Regenabschnitt während der Craft BIKE Transalp vom Passo Rollo hinab nach San Martino um ein paar wasserabweisende Handschuhe gegeben. Mir tun meine Hände noch heute weh.

Mittlerweile ist mein Handschuhe Fundus auch für die Wintermonate gewachsen und aus den fünf paar kristallieren sich drei Paar mit einem Mehrwert bei empfindlichen Händen. Leider musste ich auch bei Handschuhen die Erfahrung machen, dass wer billig lauft zwei Mal kaufen muss. Die günstigeren Modelle von Shimano und Craft, die ebenso Windschutz und Wasserabweisung versprechen, sorgen bei mir dauerhaft für kein angenehmes Handklima.

Drei Handschuhe, drei Einsatzgebiete

Im Herbst nutzte ich an kühleren Tagen gerne den GripGrab Insulator Handschuh, der ist schon geschmeidig und wärmt mäßig. Für den Winter als äußere Schicht ungeeignet aber an extremen Wintertagen als Innenhandschuh für den GripGrab Nordic (3 Finger Variante) eine Wucht. Die Kombination nutze ich aber erst bei Temperaturen deutlich unter -5 Grad. Ab fünf Grad bis zu -5 Grad kommt bei mir der Craft Siberian (5 Finger Variante) an die Hand. Mein Liebingshandschuh.

3 Winterhandschuhe im Praxistest

Craft Siberian 5-Finger Handschuh

Der Craft Siberian ist ein warmer Radhandschuh, winddicht und wasserabweisend. Der Handschuh ist atmungsaktiv und deswegen nicht wasserdicht, damit der Schweiß auf den Händen keine unnötigen Kältebrücken aufbauen kann. Das weiche Fleece Futter sorgt für zusätzliche Wärme, der hohe Handschuhschaft mit großem Klettverschluss verhindert ein Loch zwischen Jacke und Handschuh, wie zum Beispiel bei der kürzeren Craft Storm Variante. Standardmäßig gehört weiches Frottee Material an den Daumen, ein Silikon Print auf der Handinnenfläche für den notwendigen Grip am Lenker und sog. „Smartphone“ Material zum Bedienen von Smartphones.

Materialien

Craft lässt sich hier wenig in die Karten schauen, der Handschuh besteht aus zwei verschiedenen Materialien. Material 1 besteht aus 80% Polyester und 20% Elasthan, das zweite Material aus 94% Polyester und 6% Elasthan. Mittlerweile gibt es den Craft Siberian auch in einer High-Vis Version, wozu ich euch raten würde, denn form follows function und der Aufpreis für mehr Sicherheit ist in dem Fall Null.

Tragegefühl

Der Craft Siberian fühlt sich vom ersten Blick sehr geschmeidig an. Der hohe Schaft ist sich prima über die Winterjacke ziehen und sorgt somit für einen guten Übergang von Jacke zu Handschuh.

Natürlich ist der Handschuh dick und das Griffgefühl wattiert, es ist aber auch Winter und ich möchte warme Hände. Trotzdem lässt sich der Lenker gut umgreifen und man behält die Kontrolle.

Craft Siberian Handschuh

Praxistest

Für gewöhnlich dauert es ein paar Minuten bis meine Hände sich während des Trainings in dem Handschuh wohl fühlen. Zu Beginn frieren die Finger leicht, das Gefühl stellt sich aber nach und nach ein und nach einer Viertelstunde fühlt sich der Handschuh prima an und isoliert die Kälte ordentlich.

Der Silikonprint auf der Handinnenfläche sorgt für guten Grip am Lenker. Natürlich kann man den Craft Siberian nicht mit einem leichten Sommerhandschuh vergleichen und das Gefühl am Cockpit ist mit dem dicken Handschuh ein anderes, nichtsdestotrotz habe ich bisher stets die volle Kontrolle am Lenker behalten.

Der Klettverschluss ist völlig unbedenklich und hält den Handschuh da, wo ihr ihn haben wollt. Es ist eigentlich unmöglich zwischen Handschuh und Jacke ein Angriffsfläche für Kälte zu produzieren.

Im Regen bietet das obere Material zumindest kurzzeitig Schutz vor dem Wasser, jedoch darf man hier nicht zu viel erwarten. Der Handschuh ist wasserabweisend und hält mäßigen Regen dauerhaft nicht Stand. Erst Recht auf der Handinnenfläche. Aber die Wahrscheinlichkeit eines marken Regenschauers ist bei Kälte niedrig und für Schneefall ist die wasserabweisende Schicht bei mir bisher völlig ausreichend gewesen.

Der einzige Wermutstropfen ist das „Smartphone“ Material. Ich habe es aufgegeben mit angezogenem Handschuh mein iPhone zu bedienen, klappt nicht. Aber wenn ich trainiere nutze ich das eigentlich auch nicht, insofern hält sich mein Ärger darüber in Grenzen.

GripGrab Nordic 3-Finger Handschuh

Der GripGrab Nordic ist ein sehr warmer Radhandschuh bei extremer Kälte, winddicht und wasserdicht. Die Drei-Finger-Konstruktion bietet maximale Isolation und Kälteschutz. GripGrab wirbt mit einer wasserdichten Innenhand, touchscreenkompatible Zonen an den Fingern und optimale Flexibilität. Frottee-Material am Dauen und ein Silikondruck auf der Handinnenfläche sind in dieser Preisklasse Standard.

Materialien

GripGrab macht hier keinerlei Angaben.

Tragegefühl

So für sich also das Leben eines Hummers an! Beim ersten Anziehen wird man durch das sog. Hummerscheren-Design in seiner Handlungsfreiheit ziemlich eingeengt. Zumindest ist das Gefühl sehr ungewöhnlich und man merkt erst einmal wie sehr man mit seinen fünf Fingern hantiert.

Es beginnt schon beim Starten des Garmins, der Tastendruck ist nicht so einfach mit der Doppelkammer von Zeige- und Mittelfinger. Auch am Lenker muss man sich erstmal mit drei Fingern zurecht finden, insbesondere wenn man es gewohnt ist mit einem Finger zu bremsen. Aber man gewöhnt sich an alles!

Toll ist der Gummizipper als Verschluss am Ende des Schafts am Handgelenk, das vereinfacht das an- und ausziehen. Ich bin ir auch nicht sicher, ob ich mit den Drei-Fingern überhaupt den Klettverschluss zubekommen könnte…

GripGrab Nordic

Praxistest

Den GripGrab Nordic 3-Finger Handschuh habe ich mir vor dem Craft Siberian gekauft. Die 3-Finger Variante verspricht durch die größeren Luftkammern mehr Wärme an den Fingern. Und das kann ich so unterschreiben.

Allerdings hat die Hummerscheren-Konstruktion auch ihre Nachteile. Richtig warm werde ich mit ihr am Lenker nicht und eine optimale Griffposition ist sowohl auf dem MTB als auch auf dem Renner nicht so einfach zu finden. Insbesondere das Bremsen fühl sich komisch an.

Ansonsten ist der Handschuh über jeden Zweifel erhaben, der Kälteschutz ist perfekt. Wasser drang bisher auch nicht ein und selbst bei starken Gegenwind leiden die ersten Fingerkuppen nicht. Der GripGrab Nordic spielt seine Vorzüge da aus, wo der Craft Siberian an seine Grenzen stößt.

Die touchscreenkompatible Zone mag es eben, aber mit drei Fingern bin ich motorisch nicht in der Lage mein Handy zu bedienen. Ich habe keine Ahnung, ob ich zu ungeschickt bin oder das Material einfach in der Kälte dann doch nicht funktioniert.

GripGrab Insulator Handschuh

Der GribGrab Insular ist kein Winterhandschuh, auch wenn er so beworben wird. Sein hochisolierendes Material bietet mir ausreichenden Kälteschutz bis acht Grad, danach beginnen die Finger schon zu frieren. Das liegt ach am fehlenden windschutz. Nässeschutz gibt es auch keinen, dafür aber eine sehr gute Atmungsaktivität. Der Silikondruck im Griffbereich sieht zudem schön aus, der Handschuh ist Touchscreen kompatibel und hat ebenso einen Frotteeeinsatz am Daumen.

Weshalb ich den Handschuh hier trotzdem aufführe liegt daran, dass er kompakt in der Trikottasche mitgeführt werden kann und bei Bedarf sowohl im Siberian als auch im Nordic Handschuh als Innenhandschuh verwendet kann. Außerdem ist der Insulator meine erste Wahl beim Laufen im Winter.

Materialien

GribGrab macht ihr keine Angaben.

GribGrab Insulator

Tragegefühl

Der Handschuh ist enganliegend und bietet alleine optimalen Trip am Lenker. Als Innenhandschuh getragen trägt er nur einmal auf und sorgt nur für einen geringeren Anstieg des Gesamtvolumens der Winterhandschuhe. Für mich spielte es keine Rolle, ob ich den Innenhandschuh im Siberian oder Nordic angezogen hatte, das Griffgefühl hat sich dabei kaum verändert.

Praxistest

Bei kühleren Temperaturen ist der Insulator im Herbst meine erste Wahl. Der Schaft ist höher als bei meinen normalen GribGrab XC Handschuhen und das Material ist wärmer ohne mehr aufzutragen. Beim Laufen eignet sich der Handschuh auch bei Minusgraden, allerdings muss man den fehlenden Windschutz bedenken, der je nach Laufstrecke für extrem kalte Hände sorgen kann!

Als Innenhandschuh spendet der Insulator wohlige Wärme, insbesondere wenn man ihn körpernah mit sich führt und erst nach zwei oder drei Trainingsstunden unter den Nordic oder Siberian zieht.

Der Insulator ist im Übrigen wirklich Touchscreen kompatibel :) Und besonders motivierend ist der aufgedruckte „Never lose your Print“ Print.

Fazit

Drei Handschuhe drei Einsatzzwecke. Während ich 2014 und Anfang 2015 fast ausschließlich mit dem Nordic Handschuh gefahren bin, kam in diesem Winter aufgrund der milderen Temperaturen der Siberian mehr zum Einsatz. Aus diesem Grund fällt es mir schwer eine eindeutige Kaufempfehlung auszusprechen, es werden einfach alle drei Handschuhe im Zweifel benötigt.

Haltbarkeit, technische Verabredung und Kälteschutz sind in jedem Fall in allen Modellen gegeben und i den von mir beschriebenen Anwendungsfällen könnt ihr damit nichts falsch machen.

Preis

Reduziert gibt es den GribGrab Insulator ab 20€, den GribGrab Nordic ab 40€ und den Craft Siberian ab 30€. Die UVP ist deutlich höher, es lohnt sich also auf Angebote zu warten.

Alternativen

Alle drei Modelle verfügen mittlerweile über eine High-Vis Variante zum gleichen Preis. Die Farbe mag nicht die Schönste sein, aber bei künftigen Neukäufen werde ich verstärkt auf solche Details achten. Form follows Funktion und gesehen werden ist wichtiger als gut auszusehen (und nicht gesehen zu werden).

Hinweis:
Alle Handschuhe habe ich im Internet selbst käuflich ohne Vergünstigung erworben.
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Daniel

2006 bin ich zum Radsport gekommen und seitdem von dieser Sportart fasziniert . Anfangs als Mountainbike Tourenfahrer unterwegs, kam ich schnell zum ersten Mountainbike Rennen, zum Leichtbauwahnsinn und erhöhtem Trainingsaufwand. Wegen der Befindlichkeit, nicht wegen der Ergebnisse. Seit 2012 bin ich auch auf dem Rennrad unterwegs. Und es macht Spaß.

2 Antworten

  1. trailrunnersdog sagt:

    Danke für die Empfehlungen, aktuell fahre ich mit wattierten Windstopper Handschuhen von Gore oder eben mit kurzen Sommerhandschuhen.
    Die Handschuhe sind die wärmsten Teile meiner Radbekleidung ☺
    Ich mag es aber weder beim Laufen noch auf dem Rad wenn mir die Finger frieren und ziehe recht früh schon Handschuhe an, im Gelände sowieso. Alte Soldatenangewohnheit schätze ich.

  2. Daniel sagt:

    Von Gore habe bisher auch nie was Schlechtes gehört. Kurze Sommerhandschuhe trage ich nur im Hochsommer :-)

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