Häufig fällt in meinen Trainingstagebuch Einträgen das Schlagwort mental. Mentale Fitness, mentale Stärke, mentales Training. Doch so richtig greifbar ist das Schlagwort nicht. Das möchte ich ändern und euch die Bedeutung von mentaler Stärke näher bringen.

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Übersetzt bedeutet mental soviel wie zum Geist gehörend. Den Geist oder das Denkend betreffend. Und was ha das nun mit Sport zutun? Mehr als wir annehmen.

Ganzheitlichkeit

Ganzheitlichkeit ist eine Betrachtungsweise, die nicht auf Zerlegung in Einzelteile aus ist sondern die Betrachtung einer Sache in der systemischen Vollständigkeit aller Teile sowie in der Gesamtheit ihrer Eigenschaften und Beziehungen untereinander umfasst. Medizin, Psychotherapie und Pädagogik verfolgen genauso ganzheitliche Ansätze wie die Bewegungswissenschaft.

Ausgangspunkt ist de Annahme, dass Körper und Geist eine untrennbare Einheit sind. Als Beispiel finde ich immer die enge Verbundenheit von Magen-Darm Problemen bei extremer Traurigkeit oder als krasser Gegensatz die empfundene Leichtigkeit des Körpers bei großer Freude sehr treffend.

Bedeutung von Ganzheitlichkeit

Die Betrachtung und Behandlung einer sportlichen Leistung in ihrer Ganzheit bedeutet eine umfassende, weitsichtige und weit vorausschauende Berücksichtigung möglichst vieler Aspekte und Zusammenhänge.*

Hä? Auf meine oder eure Leistung im Radsport bedeutet dies, dass man bei der Betrachtung eurer jetzigen Verfassung sowohl auf die Anfänge eures Trainings zurückblickt als auch die derzeitige Leistung mit euren Zielen vergleicht, eure Eigenschaften (Stärken & Schwächen) sowie Rahmenbedingungen berücksichtigt und Neben- oder Wechselwirkungen auf andere Aspekte eures Lebens beachtet.

Ganzheitlichkeit in der Bewegungswissenschaft

In der Bewegungswissenschaft meint Ganzheitlichkeit die Art von Betrachtung der Bewegung. Die Bewegungskoordination umfasst nicht allein die Zusammenordnung von Bewegungsphasen, Kraftimpulsen und neurophysiologischen Funktionsprozessen, sondern auch eine zielgerichtete Abstimmung der unterschiedlichen Kontrollebenen der im Zentralnervensystem stattfindenden Teilprozesse.*

Auf das Radtraining bezogen heißt dies, dass das Treten der Pedale nicht allein aufgrund von Muskelkraft und Beinbergung von statten geht, sondern vom zentralen Nervensystem kontrolliert und abgestimmt wird.

Und damit sind wir beim eigentlichen Thema, dem mentalen Training. Denn das zentrale Nervensystem ist für Motivation, Selbstvertrauen, Schmerzregulation und Konzentration ein wesentlicher Bestandteil. Wie hart ich trainieren kann ist echt alleine eine Frage der körperlichen Kraft, sondern auch der mentalen Willenskraft. Beide Kräfte verschmelzen zu einer Einheit und Top-Leistungen können nur von Athleten vollbracht werden, die der außerordentliche physische wie psychische Kräfte verfügen.

Einleuchtend oder? Habe ich extrem viel Stress auf der Arbeit bin ich schon vor dem Training erschöpft ohne mich ggf. muskulär überhaupt angestrengt zu haben. Zweifel ich daran einen Gipfel zu erreichen, fällt mir das Hochfahren viel schwerer. Verfolge ich kein umsetzbares Ziel, werde ich wahrscheinlich die Schmerzen der Belastung nicht so lange aushalten können…

Mentales Training MTB SchuhGanzheitiches Training bedeutet eine Kurbelumdrehung von Kopf bis Fuß.

Mentales Training

Und hier setzt das mentale Training an. Der Ansatz verfolgt eine Leistungsverbesserung auf dem Rad durch die Stärkung von verschiedenen geistigen Prozessen, wie zum Beispiel Motivations- und Konzentrationsfähigkeit.

In der Vorbereitung auf die Artikelserie habe ich viele neue Eindrücke zu dem Thema erhalten, die ich mit euch Teile möchte. Ich musste meine mentales Fähigkeiten neu hinterfragen und habe Erkenntnisse gewonnen, die mir geholfen haben meine eigene mentale Stärke neu zu bewerten. Willenskraft ist echt immer gleich Willenskraft. Man kann durchaus motiviert sein und trotzdem nicht das erstklassige aus seiner Motivation herausholen.

Ich kann mich drei Stunden auf der Rolle durch ein Training quälen, bisher interpretierte ich dies als gute Motivation. Dabei habe ich aber völlig missachtet, dass ich immer versuche die schmerzenden Bereiche zu vermeiden. Meine Motivation ist also weniger gut als angenommen, denn ich war nicht bereit alles aus meinen Trainingseinheiten herauszuholen. Dabei geht es nicht um eine körperliche Ausbelastung, sondern um eine erstklassige Umsetzung der Trainingsvorgaben. Auch Grundlagentraining kann gut oder weniger gut sein.

Neben der Motivation spielt natürlich auch das Selbstvertrauen, Konzentration und der Umgang mit Schmerzen eine große Rolle. Diese vier Aspekte werde ich i den nächsten vier Wochen vertiefen, um euch die Bedeutung des mentalen Trainings zu verdeutlichen.

Die meisten meiner Hypothesen habe ich aus dem Buch Mentales Training für Triathleten aus dem Sportwelt Verlag gewonnen. Eine Rezension zu dem Buch wird es am Ende der Artikelreihe ebenfalls geben.

*Quelle: Wikipedia

Hinweis
Das Buch wurde mir vom Sportwelt Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Es gibt seitens des Verlags keinerlei Vorgaben und oder (in)direkte Einflussnahme auf die Artikelreihe über mentales Training.