Geschafft. Mit einem Puls von 191 ging es im Wiegetritt auf dem großen Blatt die letzten Meter hinauf auf den Schlossplatz von Hechingen. Ein schönes Gefühl durch das Spalier an Zuschauer zu fahren. Als 43. (Masters 1) bzw. 123 (Overall) beende ich zufrieden meine erste kleine Rundfahrt.

Meine Ziele im Vorfeld waren eher klein, zu viel Neuland sollte mich erwarten. Die erste Etappe in einem soliden 20er Schnitt fahren, habe ich prima umgesetzt. Unter 11 Stunden Gesamtfahrzeit habe ich mit 09:40 Stunden ebenfalls unterboten. Und das Wichtigste: Es hat sogar an allen drei Tagen Spaß gemacht.

Im Vorfeld habe ich meine Trainingsblöcke umgestellt sehr häufig fünf aufeinanderfolgende Trainingstage absolviert mit Umfängen in Rennlänge. Das hat mir bestimmt sehr geholfen, denn nach der dritten Etappe war nach Luft für einen, vielleicht auch zwei weitere Tage.

Besonders zur Regeneration beigetragen hat natürlich meine liebe Freundin Jenni, die so wertvolle Dinge wie Auto fahren, einkaufen, kochen oder Wäsche waschen übernommen hat und zudem immer für gute Laune sorgte. Dadurch konnte ich mich nach jeder Etappe auf das Wichtigste konzentrieren: Essen und Schlafen. Weiter essen und weiter schlafen.

Trans Zollernalb allgemein
Insgesamt ist die Trans Zollernalb als erste Etappenrundfahrt sehr zu empfehlen. Die Etappenorte liegen räumlich nah beieinander. Mit Wohnort in Bisingen brauchten wir zu allen Etappenorten mit dem Auto weniger als eine halbe Stunde. Außerdem sind die Etappenlängen gerade für Fahrer geeignet, die bisher wenige Erfahrungen mit der Langdistanz gemacht haben. Das Drumherum ist dafür dann schon eher großes Kino. In den durchfahrenden Orten, an vielen Steigungen und im Zielbereich tobt jeden Tag der Bär inkl. Gänsehautfeeling.

Veranstalter Skyder mit Schwächen
Etwas weniger gut ist die Organisation des Rennens durch Skyder. Für 199€ sind die Erwartungen natürlich etwas größer. Da möchte man ein stimmiges Roadbook und nicht jede Etappe 300-600hm mehr auf dem Tisch serviert bekommen. Es irritiert sehr, wenn vor dem Rennen die Etappenlänge immer wieder variiert und mal 72km und dann 74km gesagt wird und am Ende nach 69km die Etappe zu Ende ist. Von angekündigten Starts mit Tempolimit 15kmh an die sich dann doch nicht gehalten werden muss ganz zu Schweigen! Man erwartet mehr als zwei gut spritzende Feuerwehrschläuche (Balingen) bzw. einen (am World Cup Kurs in Albstadt!) mickrigen Gartenschlauch am Bikewash.

Ich bin auch nicht anspruchsvoll was die Verpflegung nach dem Rennen angeht. Aber zumindest eine Portion Tomatensoße muss man erwarten dürfen. Es gibt schließlich mittlerweile viele Sportler, die sich vegan/vegetarisch ernähren. Und mir wäre auch als Fleischesser Bolognese oder Käse-Schinken viel zu fettig nach dem Rennen.

Schön war dafür, dass an allen Depots Bidons von Nutrixxion gereicht wurden. Die im Roadbook für den Start angekündigten Energy Gels konnte man dort ebenfalls abgreifen.

Fazit
Trotz der eher mauen Organisation war die Trans Zollernalb für mich das erhoffte Saisonhighlight. Die drei Marathons haben, trotz der sehr einfachen Streckenwahl, viel Spaß gemacht und mich an meine Grenzen geführt. Ich bin auf der zweiten Etappe mein bisher längstes Rennen (82km) gefahren. Mit 91,8kmh konnte ich für mich einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufstellen. Hinzukommen einzigartige und unvergessliche Momente an diesem Wochenende, deren Schilderung den Rahmen dieses Blogbeitrags völlig sprengen würden.
Am Ende stehen ca. 215km, 4500hm, 09:40h Fahrzeit und knapp 10.000 verbrannte Kalorien für meine erste Finisher Medaille einer Etappenfahrt. Es wird nicht die Einzige bleiben.