Der österreichische Forstfunk meldet Stau auf dem Obergaisberg, rund 800 Muntainbiker versperren den Weg hinunter zum Lisi Osl Trail. Es ist mit Wartezeiten von bis zu 20 Minuten zu rechnen.

So ähnlich könnte ein Radiosender den Auftakt der dritten Etappe der BIKE Four Peaks angekündigt haben. Warmfahren auf der Rolle um 07.30 Uhr, damit man um 09 Uhr auch die Muskulatur auf der dritten Etappe sofort für einen vier Kilometersprint hinauf auf den Gaisberg (450hm) voll belasten kann. Soweit die Taktik, doch oben auf dem Gaisberg verstand ich die Welt nicht mehr, womit ich nicht der Einzige war. Um mich herum war die Stimmung einheitlich: Das ann doch nicht wahr sein!

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Also erst einmal die Handy-Kamera ausgepackt und das ganze fotografisch festgehalten, denn das glaubt einen ja keiner mehr! Die Taktik war dahin, der Vorsprung, den ich auf die hinteren Mittelfeldfahrer herausgefahren habe, dahin! Das ich mich schon durch das hintere Ende des Startblocks B gewurschtelt hatte, vergessen. Denn jetzt standen wir da auf 1200m Höhe und konnten nicht weiter. Nicht einmal schiebend. Wir standen da. Die Beine zum Himmel quasi.

Nach 20 Minuten Stillstand, okay vielleicht kamen wir 100m voran. Peanuts, denn der Trail hatte 1,5km. Jedenfalls kam nach 20min ein Motorrad und schrie zu uns die Wiese hinauf: „Alle hier runter auf den Forstweg, wir starten hier das Rennen in 5-10 Minuten neu.“ Wie eine wildgewordene Kuhherde stürmten die Mountainbiker den Abhang hinunter und es wurde sofort gedengelt und sich um die beste Startposition gedrängelt. Die fünf Minuten verliefen wie in einem Zeitraffer, denn nach einer weiteren Minute sagte der gute Herr nach einem Blick auf seine Uhr. Los gehts. Und 600-700 Mountainbike rasten eine Schotterabfahrt mit bis zu 70kmh hinunter. Immer wieder stürmten weitere Mountainbike aus Gebüschen, die im Trail festhingen. Nach 2km war der Spuk vorbei und der nächste fünf Kilometer lange Anstieg wartete (550hm) und beim Harlassanger-Trail wartete das gleiche Spiel in einer etwas abgeschwächteren Form. Kein Stillstand aber wir schoben unsere Räder größtenteils herunter, schade um den schönen Trail.

Danach folgte ein ewig langer Aufstieg auf den Wildkogel (2100m). Zuerst ging es über Aschau zum Stangenjoch (1700m). Danach, von einer kleinen Abfahrt zur Baumgartenalm unterbrochen, weiter zum Wildkogel auf 2100m durch Schneereste. Ein irres Gefühl waren die beiden 800hm langen Anstiege, die körperlichen und mentalen Kampf erforderten. Die Sonne brannte förmlich auf uns herab, die Haut schwitze und wurde zeitgleich von unten gekühlt. Wahnsinn. Zudem die nie enden wollenden Steigungen mit einer langen Kletterpartie vor dem Stangenjoch, wo ich zum ersten Mal ein Rad während eines Rennens geschultert habe.

Was für ein Glück, dass wir alle gemeinsam an den beiden Anstiegen so Leiden mussten, dass das Fahrerfeld für den abschließenden Wildkogel-Trail richtig entzerrt war. 1200 Abfahrtsmeter ohne Unterbrechung auf 9km Strecke versprechen Fahrspaß pur. Nach über vier Stunden Fahrzeit kann ich dem nur bedingt zustimmen, denn der Trail war gespickt mit zahlreichen Stufen, Wurzelpassagen und Steilstücken, die allesamt an die Substanz gehen. Das ewige Bremsen in den engen Kuren mit losen Geröll raubt einen den letzten Nerv. Trotzdem konnte ich den Trail in der Enduro Wertung in den vorderen 200er Rängen abschließen. Bezahlt habe ich das mit einem Plattfuß am Vorderrad mit anschließendem Sturz 1,5km vor dem Ende des Rennens und einer gebrochenen Crest Felge. Dagegen sind die fünf Minuten Zeitverlust auf der Etappe Peanuts.