Heute hatte ich meine erste lange Trainingsfahrt geplant und wollte eigentlich an der CTF Vlodrop teilnehmen, um meine Hometrails zu befahren. Leider sorgte ein sturmtief für eine kurzfristige Änderung, denn wenn in Holland Cyclocross Rennen abgesagt werden, dann sollte man sich selbst nicht draußen gefährden. Ich entschied mich also mein Training indoor zu absolvieren und suchte mir eine angemessen Herausforderung aus.

wembo 24 Stunden Mountainbike Weltmeisterschaft Finale Ligure 2017

Ich habe ein Ziel, die wembo 24h Mountainbike Weltmeisterschaft 2017 in Finale Ligure. Und wenn ich dort im Sommer am Start stehe, möchte ich mir nicht sagen, ich hätte im Vorfeld nicht alles für eine gelungene Vorbereitung gegeben. Wenn es als draußen stürmt und das MTB-Fahrtspiel ins Wasser fällt, dann muss eine Alternative her!

Zwei Kategorie 3 Berge und zum Abschluss der Col de la Pierre St. Martin hinauf zur spanischen Grenze sollten heute einen adäquaten Ersatz darstellen. Der Col de Ichere (3,8km/9% Steigung) und Col de Lie Steep (2,4km/8% Steigung) sorgten auf den ersten 25km für ordentlich Druck auf dem Pedal. Die 25km Auffahrt (1395hm/6% Steigung) waren dann die gesuchte Herausforderung!

Rollentraining ist eine mentale Herausforderung

Auf der Rolle ist ein Training jenseits der zwei Stunden immer eine extreme Herausforderung. Pyrenäen Pässe nach zu fahren hilft auf der einen Seite das Training erfolgreich zu beenden, das Ziel ist der Berg. Andererseits müssen 25km bei 6% Steigung auch erst einmal auf der Rolle weggetreten werden. Schweiß treibend war die Auffahrt auf jeden Fall aber mit knapp zwei Stunden bei 190 Watt habe ich mich sogar leistungstechnisch belohnt.

Nach zwei Wochen Aufbautraining unter zwei Stunden Länge mit vielen Sweat Spot Intervallen habe ich heute auch über 3:20h nicht die Lust verloren und den Berg mit Spaß und Freude bis zum bitteren Ende bezwungen.

Allerdings hilft mir hier der Kontakt zur #Twtter Community sehr, denn ein paar Tweets in den Abfahrten erhöhen die Motivation und sorgen für etwas Abwechslung. Daneben konnte ich im ersten Teil des Trainings von Harry Potter profitieren. Weil ich abends auf der Couch immer einschlafe darf ich die Teile immer am nächsten Tag zu Ende gucken, damit ich dann heute Abend mit meiner Frau den nächsten Teil gucken kann.

Fokus auf das Training

Trotz der kleinen Hilfen muss natürlich der Fokus auf dem Training gerichtet bleiben. Wichtig ist ausreichend Flüssigkeit zu haben, denn in Frankreich ist es ganz schön warm. Außerdem muss natürlich auch die Verpflegung stimmen, wenn man über drei Stunden auf der Rolle eine gute Leistung treten möchte.

Col de la Pierre St. Martin auf der Rolle

Ich habe die ersten 25km des Trainings etwas unterschätzt, die beiden „kleineren“ Berge waren nämlich extrem steil und ich habe etwas mehr Leistung getreten als geplant. Also kam bereits nach 90min die zweite Banane zum Einsatz, zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber auch 1.000kcal verbrannt. Nach dem ersten Drittel vom Col de la Pierre St. Martin folgte ein GU Gel und für die finalen Kilometer zum Gipfel nach 2,5h die dritte Banane. 450kcal Input für 2100kcal Output, dazu drei Flaschen Wasser (davon zwei mit High5 Elektrolyt Tab).

Zum Frühstück gab es ein kleines Experiment, denn mit 50gr Hirse und 100gr Lupinenflocken habe ich mehr Eiweiss als Kohlenhydrate gegessen. Alles war gut verträglich und durch die Kohlenhydrat Zufuhr im Training war auch alles in Ordnung.

Fokus im Training heißt für mich im Übrigen auch, dass die Hände an den Lenker gehören und ich abgesehen von wenigen Erholungsmomenten auch nicht tippen möchte. Allerdings hilft es andersrum genauso gut, dass ein kurzer Austausch im sozialen Netzwerk dazu beiträgt sich neu zu fokussieren.

Fazit

Für den einen oder anderen mag das zwar großer Unsinn sein, wenn man auf der Rolle einen Pyrenäen Pass nachfährt. Das mag sein aber wäre ich einfach ohne elektrischen Widerstand gefahren, dann hätte ich das Training nicht in den absolvierten Leistungsbereich beenden können und hätte bestimmt im Laufe der Zeit auch den Fokus aufgrund der Monotonie verloren. Der Berg war das Ziel und meine Motivation über das Ziel definiert.

Die Einheit heute mit dem guten SST-Training gestern (5×10′ SST Intervalle) haben mein Selbstvertrauen auf jeden Fall gesteigert.Mehr Selbstvertrauen bedeutet auch noch mehr Motivation. Ihr kennt das mit dem Bäume ausreißen. Deswegen schreibe ich auch gerade diesen Artikel, weil ein gutes Rollentraining so viele Endorphine ausschütten kann, die ich heute Abend mit euch teilen möchte.