Erster und letzter großer Test der Teamarbeit beim Bike Festival Willingen, bevor wir nach Finale Ligure abreisen. Wir, das sind an diesem Wochenende Daniel mit Lebensgefährtin und Nachwuchs, Maren und ich. Und es war ein intensives Wochende mit reichlich Kilometern im Wohnmobil, Zufuß und auf dem Rad. Und wie es sich für eine Generalprobe gehört, ging auch etwas schief, damit beim Hauptevent alles glatt geht.

Anreisetag Freitag

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Wir standen am Freitagnachmittag um 16:00 Uhr zu fünft im Regen in Erkelenz fertig zur Abfahrt. Ich war der Letzte, der eintraf. Noch kurz mein Rad auf dem Heckträger befestigt, das Lux vom Daniel durfte schön im trockenen Bad mitreisen. Erstes Ziel an diesem Wochenende war das Bike Festival Willingen, bei dem Daniel den 130km Marathon fahren sollte. Die Verkehrsvorhersage verspach nichts Gutes, auf allen möglichen Strecken waren Staus. Ich entschied mich für unglücklicher Weise für die längsten!

Aber irgendwann stand unser Wohnmobil auf einem scheinbar extra für uns reservierten, schönen Plätzchen. An diesem Abend passierte nicht mehr viel, Daniel legte noch seine Klamotten für das Rennen zu Recht. Es gibt nichts Schlimmeres, als morgens noch etwas suchen zu müssen, das würde ich am nächsten Tag selber feststellen. Aber Daniel ist da sehr gewissenhaft. Wir besprachen kurz den Ablauf am Morgen, obwohl Daniel alles sehr präzise in einer Zeitablauftabelle aufgeschrieben hatte. Flaschen und Nahrung für vor, während und nach dem Rennen wurden bereit gestellt. Alles in konzentrierter Ruhe. Ruhe war dann auch irgendwann das Stichwort, nämlich Nachtruhe!

Samstag, #raceday!

Endlich! Raceday für das ganze Team, Daniel als Fahrer und Maren und ich als Betreuer. Der Tag ist von Daniel komplett zeitlich durchgeplant. Das hilft ihm in der sorgsamen Vorbereitung und uns, ihn best möglich zu unterstützen.

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Um 5 Uhr klingelt das Handy und wir drei sind sofort wach. In der Aufstellung ist nicht vermerkt, dass ich noch einen kurzen Check-Up am Bike durchführe. Während das Kaffeewasser aufkocht, nehme ich das Rad aus dem Wohnmobil an und prüfen noch mal kurz die Bremsen, den Luftdruck und schmiere die Kette. Alles perfekt. Das Wetter ist Klasse, kühl aber die Sonne klettert über die Willinger Berge.

Es wird Ernst – Prestart-Phase

Da wir gestern erst spät auf dem Gelände des Bike Festival Willingen angekommen sind, müssen wir am Samstag morgen die Startnummer abholen. Damit wir möglichst flexibel sind, gehe ich zusammen mit Daniel zur Orga. Aber alles läuft perfekt und schnell ab. Zurück am WoMo befestige ich noch die Startnummer am Rad. Auf Grund der Morgenkühle hat Daniel die Startaufstellung auf 7:00 Uhr nach hinten verlegt. Damit starten wir auch um 6:40 Uhr zum Warmup. Ich begleite Daniel und wir fahren kurz zu dem Anstieg nach dem Rundenwechsel, um festzulegen wo wir den Flachenwechsel vornehmen.

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Maren wartete schon im Startbereich auf uns mit Flasche und Riegel. Daniel wirkte sehr entspannt und so vertrieb ich mir die Zeit mit Fotografieren. Von den Armlingen und Beinlingen trennte sich Daniel schon in der Startaufstellung, die Windweste behielt er noch an. Und dann war der Start auch schon erfolgt, er startete aus dem Startblock A also sehr weit vorne. Maren und ich schauten noch kurz wie sich der Lindwurm aus Fahrern den Berg hoch zog und aus unserem Sichtfeld verschwand.

Crew-Standby

Jetzt gilt es für Maren und mich, die Zeit bis zum ersten Flaschenwechsel zu überbrücken. Da ich noch nicht gefrühstückt hatte, gingen wir erst einmal zum WoMo zurück. Glücklicher Weise fuhr gerade ein Bäcker aufs Gelände, also gönnte ich mir zwei Brötchen. Nachdem ich mein Fahrrad wieder auf dem Träger gesichert hatte, räumten wir noch ein bisschen auf und machten uns dann langsam auf den Weg zur Wechselzone.

Für Daniel und für uns war die Wechselzone optimal. Ein leichter Anstieg, an dem Daniel reduzierte Geschwindigkeit hatte und wo wir uns während der Wartezeit an der tollen Aussicht über Willingen erfreuen konnten. Außerdem kam das Feld auch nach und nach an uns vorbei und die wechselzone war gut besetzt mit Crewmitgliedern, die auf ihre Fahrer warteten.

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Als die ersten Fahrer durchfuhren mussten wir schmuntzeln, denn die hatten sich eine schöne Fango-Packung geholt. Die Strecke schien duch den Regen am Vortag schön matschig zu sein. Auf dem Anstieg war ganz schön was los, denn nicht nur die Marathonfahrer mussten da hoch, sondern auch die Fahrer der Enduro-Tour und dazu gesellten sich noch verschiedene Downhiller, die sich nicht am Lift anstellen wollten. Die wurden natürlich auch angefeuert, denn das ist schon alle ehren wert, mit einem schweren Downhill-Bike diesen Anstieg zu bewältigen.

Erster Flaschenwechsel

Die Taktik war klar besprochen: Daniel wirft kurz bevor er uns erreicht Flaschen und/oder Kleidung weg und wir überreichen ihm neue Flaschen und neue Nahrung. Dabei stellte sich Maren mit einer Flasche ca 30 Meter die Strecke hoch. Und dann kam er endlich. Es lief perfekt! Ich gab ihm die volle Flasche und steckte ihm Gels in die Trikottasche. Die Geschwindigkeit passte ganz genau. Während Maren Daniel die zweite Flasche überreichte, sprintete ich die Strecke hoch um Fotos zu machen und kurz nach dem Befinden zu fragen, „alles gut!“ hörte ich. Prima, es lief!

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Sekunden später kam auch Tim vorbei und nach dem unser Job vorerst erledigt war, machten wir uns auf zur Expo. Und die war wirklich riesig. Viele gr0ße Radhersteller waren vertreten, die meisten mit Ausstellung und Servicewerkstatt. Aber auch die Reifen- und Felgenhersteller waren vertreten und viele andere Zubehörhersteller. Es gab sehr viel zu gucken. Am Stand von BH-Bikes trafen wir Jule von Juleradelt.de. Es war schön den Insta-Star mal persönlich zu treffen und natürlich bekamen Maren und ich einen #dusollstnichtlangsamsein Aufkleber.

Zweiter Flaschenwechsel

Nachdem wir uns mit Pommes gestärkt hatten, machten wir uns wieder auf den Weg zum Verpflegungspunkt. Es war richrtig warm geworden und machten es uns erstmal auf der Wiese gemütlich.

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Wir waren fast die einzigen, die noch auf einen Fahrer warteten. Aber wir feuerten jeden an, der die Steigung erklom. Irgendwann erschien Daniel dann und endledigte sich seiner Windweste und Flasche und nahm die neuen Flaschen an und bekam wieder von mir Nahrung in die Trikottasche gesteckt. Wieder lief alles perfekt.

Daniel war bester Laune, trotz dass er sich kurz im Expobereich verfahren hatte. Diesen entspannten Zustand kannte ich von Gulbergen nicht, da wirkte er immer sehr angespannt, aber Daniel hat in den letzten Monaten eine Wendung um 180 Grad gemacht, konzentrierte Gelassenheit ist das Stichwort. Das läßt sehr für die WM in Finale Ligure hoffen! Als Daniel vorbei war, sah ich, dass Tim nicht die Abbiegung in die Steigung nahm, sondern nach links zum Ziel abbog. Er hatte sich für die 95km umentschieden.

Maren und meine Arbeit war erst einmal erledigt. Wir kehrten zurück zum WoMo um es umzuparken und abfahrbereit zu machen, da wir nach dem Rennen noch Richtung Emmelshausen zum Schinderhannes MTB Marathon fuhren wollten.

Schrecksekunde und Ungewissheit

Während wir zusammen packten, kam plötzlich eine Sprachnaricht über Threema von Daniel. Das bedeutet nichts Gutes. Da er scheinbar während der Fahrt oder bei viel Wind aufgenommen hatte, konnte ich nur Bruchteile verstehen: „…ich hatte eine Sturz….beide Laufräder im Arsch…..mir ist jemad vors Rad gefahren….“ danach nur noch Windgeräusche.

Das war erst Mal beunruhigend, vor allem weil nicht klar war ob er weiter gefahren ist oder aufgegeben hatte. Wir konnten nichts tun, außer abzuwarten und weiter zusammen zu packen. Nachdem wir das WoMo umgeparkt hatten, schnappten wir uns die Verpflegung für Minute 0, so stand es im Protkoll, und machten uns auf den Weg in den Zielbereich.

Dort wartete schon Daniels Familie und Tim stieß auch noch zu uns. So vertrieben wir uns ein bisschen die Zeit mit beklatschen der ankommenden Fahrer und quatschen. Da wir nichts gegenteiliges gehört hatten, gingen wir davon aus, dass Daniel weiter gefahren war. Und dann war er plötzlich auch da!! Man waren wir froh!

Fahrer- und Bike-Check

Im Zielbereich ließen wir Daniel erst einmal zur Ruhe kommen. Er hatte einige äußere Blessuren abbekommen, am schlimmsten sahen die Knöchel der rechten Hand aus. Viel mehr Sorgen machten uns aber die Schmerzen in Rücken und Nacken. Ich nahm das Rad unter die Lupe und musste feststellen, dass beide Räder einen guten Schlag abbekommen hatten und ordentlich eierten. Zu dem hatte der Vorbau Spiel und der Lenkanschlag war verdreht.

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Nach dem Ausfahren überließ ich Daniel der Pflege von Maren und machte mich auf den Weg auf die Expo, um zu schauen ob ich das Rad gecheckt und evtl sogar repariert bekam. Vorher befreite ich es noch vom gröbsten Dreck.

Die Community hilft

Mein erster Weg nach dem Reingen führte mich zum Canyon-Stand. Es war sofort ein Mitarbeiter für mich da und fragte wie er helfen könne. Ich schilderte kurz das Problem und war freudig überrascht, dass ich direkt einen Kaffee angeboten bekam und sich kurzfristig der Mechaniker das Rad anschauen würde. Der Kaffee kam und der Mechaniker übernahm das Rad.

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Konzentriert machte er sich direkt an die Arbeit. Er stellte den Steuersatz neu ein, setzte den Lenkanschlag wieder zentriert und zog auch noch alle Schrauben des Hinterbau incl Dämpfer nach. Perfekter Service! Der Mechaniker merkte noch an, dass das untere Lager vom Steuersatz bald ersetzt werden muss. Nach kurzer Beratung war klar dass diese Reparatur nicht mehr vor Finale Ligure durchgeführt werden muss. Das Rad war also technisch wieder einsatzbereit.

Marathonlauf für fitte Laufräder

Die Laufräder konnte Canyon nicht reparieren, da sie dazu die notwendigen Meßgeräte nicht hatten. Deshalb führte mich mein Weg zuerst zu dem Stand des Felgenherstellers, Stans NoTubes. Leider hatten der Kollege nur einen hübschen Verkaufsstand, aber auch keine Geräte. Ich solle es doch mal bei SRAM versuchen.

Also ab zu SRAM einmal quer über die Expo. Aber auch SRAM konnte mir nicht helfen, erstens war sehr viel los, da die Mechaniker die Gabeln der Downhill-Profis warteten und zweitens standen noch weitere Terminsachen an. Also ging ich weiter auf die Suche. Von den Reifenherstellern hatte ich Schwalbe und Continetal schon gesehen, Maxxis sollte ja auch vertreten sein, die waren auf den Laufrädern montiert.

Nach geraumer Suche fand ich die Kollegen von maxxis dann auch, aber leider auch kein Zentrierungsgerät am Stand. Die freundlichen Mitarbeiter verwiesen mich an Alexrims, nur zwei Gänge weiter. Also wieder ein Stück gehen und den Stand von Alexrims gesucht.

Alles arbeitet Hand in Hand

An dieser Stelle schon mal vorab ein riesen Dank an Hendrik von Alexrims! Hendrik war sofort bereit sich der Räder anzunehmen, obwohl es ja eine Fremdmarke war. Also Rad in den Montageständer, Laufräder raus und erst mal Reifen abziehen. Und Hendrik hatte es echt drauf, nach wenigen Umdrehungen an diversen Speichen lief das Vorderrad wieder sauber!

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Das Hinterrad hatte allerdings einen richtigen Schlag abbekommen. Die Felgenflanke hatte zwei ordentliche Dellen, die bearbeitete Hendrik erst mal mechanisch um dann die Zentrierung durchzuführen. Das hintere Laufrad konnte er nur zu 95% wieder richten.

Da am Alexrims-Stand keine Möglichkeit bestand die Reifen wieder Tubeless zu montieren, wanderte ich mit den zerlegten Laufrädern zurück zu Maxxis. Die freundlichen Mitarbeiter montierten dann die Reifen wieder auf die Felgen, nachdem Maren mir Geld für die Dichtmilch gebracht hatte.

Dann ging ich zurück zum Alexrims-Stand um die Laufräder montiern zu lassen und dann war das Rad vom Daniel auch wieder Einsatzbereit. Toll wie die Rad-Community zusammen arbeitet!

Ein arbeitsreicher Tag geht zu Ende

Zurück am Wohnmobil sprach ich mit Daniel durch was an seinem Rad gemacht worden ist und kurze Zeit später machten wir uns auf den Weg zum nächsten Supermarkt, um die Vorräte aufzufüllen und beim Abendessen kurz zur Ruhe zu kommen. Meine Garmin Fenix 5 zeigte am Abend über 16000 Schritte, fast das dreifach wie an normalen Tagen.

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Das Fazit über meinen Tag beim Bike Festival Willingen fällt sehr positiv aus. Die Versorgung an der Strecke funktionierte reibungslos, Daniel war sehr viel entspannter auf dem Rad als in Gulbergen. Die Zusammenarbeit mit Maren könnte perfekter nicht sein und genauso perfekt funktioniert die Bike-Community. Und ein kleines bisschen stolz bin ich selber, dass ich das mit der Bike-Reparatur so gut hinbekommen habe, schließlich war es meine erste größere Aufgabe als Teammanager.

Am nächsten Tag sollte mein Rennen in Emmelshausen beim Schinderhannes anstehen und was Mario „Muschi“ Peters am Sonntagmorgen zu mir sagte, sollte sich bewahrheiten: „Könnt Ihr nicht mal ohne Drama??“ Nein, können wir nicht!