Ähm Moment mal, haben wir schon nach 4 Uhr morgens? Was bitte ist in den letzten sechs Stunden passiert? Würde man Ansgar fragen, wäre seine Antwort, dass er gefühlt zehnmal das Hinterrad ein- und ausgebaut hat. Johannes scheint immer noch ein wenig traumatisiert von unserer strapaziösen Wanderung. Und Christina sorgt sich um Daniels Verpflegung, da er seit geraumer Zeit kaum noch Energie zuführt. Ansgar repariert übrigens nicht nur Daniels Rad, sondern steht auch für befreundete Fahrer wie hier für Marie bereit.

Dass die Nacht hart werden würde, war uns allen vorher klar – am meisten Daniel, der schon mehrere 24h-Rennen hinter sich hat und genau weiß, wann der Tiefpunkt üblicherweise kommt. Aber auch für die Crew erschwert die Dunkelheit die Arbeit – vor allem, wenn der Strom in regelmäßigen Abständen ausfällt und das Camp komplett im Dunkeln sitzt.

Daniel nimmt seit einiger Zeit von uns nur noch Wasser und Riegel an, keine Isogetränke und kein Proteinpulver – nichts geht gerade runter. Während die Rundenzeiten zu Beginn etwa zwischen 41 und 43 Minuten schwankten, dauert die längste Runde inzwischen 62 Minuten. Die Pausen werden mehr und länger, während gleichzeitig die Platzierung nach oben klettert – ein Mysterium, das wir noch nicht vollständig entschlüsselt haben.

Während eine der wichtigsten Regeln von Daniel bei der Teambesprechung lautete: Niemals den Fahrer berühren, kippt er genau dieses Gesetz bei der vorletzten Pause und bittet um eine Nackenmassage. Zur allgemeinen Erheiterung stellt Johannes die Frage in den Raum, ob die Singlespeed-Fahrer eigentlich ärmer dran seien als die anderen, weil sie sich nur einen Gang leisten könnten. Das bringt sogar Daniel zum Lachen. Eine gute Viertelstunde später geht‘s wieder aufs Rad, auch wenn ihm Schlafen gerade lieber wäre.

Christina und ich wollen nun endlich rausfinden, was in Toboga los ist. Das lässt sich mit Worten schwer beschreiben, schaut unbedingt das Video an, um den Hauch einer Vorstellung der Alice im Wunderland Party in Toboga zu bekommen. Auf jeden Fall können wir uns zuerst nicht zwischen staunen und filmen entscheiden und genehmigen uns dann ein Bier. Hat ja niemand gesagt, dass die Crew hier nicht auch ihren Spaß haben darf! Liebe Solo-Fahrer: You are not solo!

Zwischen 2 und halb 3 folgt für Daniel eine weitere Pause, die damit beginnt, dass ein Häufchen Elend sich vor mir zusammen krümmt und nichts lieber möchte als dass ihm jemand sämtlichen Inhalt aus den Rückentaschen rausholt. Ansonsten möchte er nur sitzen, Kaffee trinken und aufs Tageslicht warten. Dann kann auch endlich wieder der Helm gewechselt werden und der schwere Akku der Helmlampe verschwindet aus der Rückentasche. Obwohl die Stimmung im Keller ist, lassen wir Daniel nicht länger als gut 20 Minuten Pause machen. Zum Glück, denn kurz drauf gibt es neue Zwischenwertungen: Daniel ist auf Platz 3 seiner Altersklasse, mit einem hauchdünnen Vorsprung vor dem Vierten und einem komfortablen Polster von 2 Runden auf den Fünften.

Kurz darauf überrascht er uns mit seinen eigenen (getimten) Postings, ich flitze zurück zum Media Raum (wo sich mittlerweile alle auf dem Boden eingenistet haben und schlafen), lade „Noch nicht vorbei“ von Egotronic dank Spotify aufs Handy und will den Song bei seiner nächsten Durchfahrt abspielen. Es ist halb 5 und wir haben viel zu tun: Christina hat sich einen Activator genehmigt (er hat sie nicht aktiviert), wir müssen „Noch nicht vorbei“ schmettern und Daniel von Platz 3 erzählen. Bis später!