Die letzte Wettkampfhärte vor dem zweiten Saisonhighlight Gulbergen24 wollte ich mit dem Mammutwochenende Vulkanbike Eifelmarathon und P-Weg Ultramarathon trainieren und Selbstvertrauen für das letzte 24 Stunden Projekt 2017 tanken. Desillusioniert, frustiert und verärgert kehre ich zurück, eine kalte Dusche habe ich erhalten. Aber von Anfang.

Das Wochenende hätte besser nicht beginnen können. Die Schlammschlacht von Daun war ein voller Erfolg, sportlich wie teamtechnisch. Endlich mal (fast) alle beisammen, Heldenwetter und überall Happy End. Bei meinem kürzesten Rennen des Jahres erreichte ich Gesamtplatz 25 (AK 9.) und war sehr zufrieden. Mit etwas mehr Sicherheit im Downhill und einem aggressiveren Start wäre vielleicht sogar eine Top20 Platzierung herumgesprungen. Als Ultraausdauersportler war ich im Soll. Auch warm up und cool down waren perfekt, abends im Hotel fühlte ich mich bestens gerüstet für das Highlight des Wochenende: P-Weg Ultramarathon 2017.

Auf ins Desaster

Ich könnte jetzt ganz viele Gründe vorschieben, warum es am Sonntag dann nicht lief. Natürlich kam ich mit 34/46 in der verhältnismäßig flachen Vulkaneifel zu Recht, warum ich aber den P-Weg mit seinen durchweg über 10% steilen Rampen ebenfalls mit dem dicken Kettenblatt in Angriff nehmen musste, ist mir heute absolut unerklärlich.

Das der Maxxis Ikon im Schlamm nicht die beste Wahl ist, habe ich bereits bei der Night on Bike feststellen dürfen, aber die neuen Testreifen kamen nicht rechtzeitig an. So what?

Schwere Beine? Zu hohe Vorbelastung? Zu viel Training? Klar kann ich jetzt alles in allem jeden Punkt für das Scheitern anführen und niemand würd dem wirklich widersprechen können. Aber sowohl meine Leistungsdaten (ATL unter 100), als auch meine cool down und warm up Daten zeigen deutlich etwas anderes. In der Woche stand das Training auch nicht im Fokus, es waren lockere Einheiten, nicht einmal lang. Und die Sprintdistanz am Samstag war zwar hart aber gerade im roten Bereich habe ich mich doch ordentlich zurückgehalten. Im neuromuskulären Bereich war ich mit 10 Sekunden über 580 Watt, 20″ bei 540 Watt, 60″ bei 400 Watt nie an der Schmerzgrenze und auch bei den längeren Intervallen über 5 Minuten (308 Watt) und 10 Minuten (281 Watt) habe ich nicht überpaced.

Notbremse gezogen und kalte Dusche erhalten

Trotzdem lief das Rennen vom Start weg nicht richtig. Die selektive Strecke hat es zu Beginn in sich, denn nach dem Start folgen direkt 2 deftige Anstiege (1,2km und 2,7km lang) über 14% Durchschnittssteigung. Danach ein Flachstück in der Hochebene, Downhill, ein weiteres Flachstück und dann der längste Anstieg (7km, 5%) des Tages. Ab km30 wandelt sich das Profil in ein Sägeblatt mit 5 Anstiegen über 1,2-1,8km jeweils über 10% steil.

Ich habe keinen Rhythmus gefunden und bereits bei den ersten beiden Bergen viel unnötige Zeit verloren. Ich kam mit meiner Übersetzung nicht klar, ständig war ich mit 34/46 und einer Trittfrequenz unter 60 am Kämpfen. Am Kämpfen?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht gekämpft. Die Bedingungen waren nicht ideal aber ob ich mit einem 32er Blatt besser gefahren wäre, möchte ich in Frage stellen. Denn ich war nicht bereit mich zu quälen, meine Leidensfähigkeit tendierte gegen Null und ich war zu keinem Zeitpunkt gewillt meine Komfortzone zu verlassen.

Das ich trotzdem nach den beiden ersten Anstiegen im Downhill und auf dem langen Flachstück Ansgar mit seiner 3er Gruppe alleine gegen den Wind eingeholt habe, machte mir Mut. Aber bereits zu Beginn des langen Anstiegs war keine Spur von Aufbäumen, keine Brechstange und auch kein Licht. Ich sah den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Meine Zweifel wuchsen. Positive Gedanken hatte ich keine gefunden. Es gab nichts schön zu reden. Mit Trittfrequenz 40, 180 Watt ein Steilstück hinauf zu … ja was denn? Hinauf zufahren kann man es nicht nennen. Hinauf gelitten bin ich auch nicht, denn dazu war es zu langsam. Ich habe irgendwie versucht das Rennen zu Ende zu fahren. Aber ich konnte an diesem Tag nichts mehr schön reden.

Als ich dann noch in einer einfachen Wiesenabfahrt die Nerven verloren habe und die Kontrolle meines Rads aufgegeben habe, war der Ofen aus. Sowohl für den P-Weg als auch für Gulbergen24.

Das Gefühl des Gescheitert seins

Ich fuhr noch 4km durch den Wald, um dann an der nächsten Streckenkontrolle das Rennen zu verlassen und über die Landstraße zurück nach Plettenberg zu fahren. Das mich in dieser Zeit niemand überholte und ich nie weiter als 1-2min auf Ansgar zurück fiel, zeigt wie gemein diese psychische Komponente ist.

Ja, ich konnte an dem Tag meine Leistung nicht annähernd wie gewollt abrufen, ich war materiell schlecht vorbereitet aber trotzdem war ich nach dem ersten Drittel des Rennens ins aussichtsreicher Position, um eine Top50 Position zu erreichen.

Es war aber nicht mein Tag. Ich wollte nicht. Und ich hatte auf dem Rückweg nach Plettenberg auch viel zeit zum Nachdenken. Zu viel. Zweifel machten sich bereit, über mein Training, Form, Gewicht und auch die anstehenden Highlights. Wie soll ich bloß 24 Stunden durchhalten, wenn ich nicht einmal über 5 Stunden die Nerven behalten kann?

Aus Niederlagen lernen

Heute blicke ich schon etwas positiver rein. Zwar sehe ich noch viel nicht abgerufenes Potential, wie zum Beispiel meine andauernden Gewichtsprobleme. Da will ich aber gerade auch nicht wirklich ran. Aber grundsätzlich möchte ich nach der Saison wieder konstant die Substanz80kg erreichen.

Positiv blicke ich auf Gulbergen24 in zwei Wochen. Ich bin nicht in der WM-Form aus Juni aber ich habe konstant an meiner Ausdauer gearbeitet und werde mit der richtigen Pacing Strategie mein bestes Ergebnis dort einfahren können.

Die letzten Wochen im Training waren gut, meine Moral war hervorragend und ich tue gut daran den P-Weg als einmalige Katastrophe abzuhaken. Denn alleine die erzielte Leistung am Vortag beim Vulkanbike Eifel Marathon sollte mir genügend Selbstvertrauen geben.

Natürlich gehört auch das richtige Material dazu. Sowohl die Übersetzung als auch die Reifenwahl müssen an die Bedingungen angepasst sein. Eine desolate Performance aufgrund falscher Materialwahl zu entschuldigen ist nämlich keine gute Ausrede, sondern zeigt von schlechter Vorbereitung. Das kreide ich mir an, dass ich für den P-Weg nicht die beste Vorbereitung getroffen habe.

Und wenn es in Gulbergen dann doch nicht läuft, dann weiß ich, dass ich mich in Krisen auf mein Team verlassen kann. Und alleine das Team ist Grund genug dort nicht aufzugeben.

Umschalten und nach vorne schauen lautet jetzt meine Devise. Für diese eine Nacht voller Unvernunft.

Foto Credit
Alle Fotos aus der Sportograf Best of Gallery.