Mit knapp einer Woche Abstand komm ich jetzt auch endlich mal dazu euch meinen Rennbericht zum Münsterland Giro 2017 zu schreiben. Es waren nicht wenige Emotionen, die ich an diesem kühlen 3. Oktober sammeln durfte. Nachdem Maren ja bereits auf ihrem Blog über ihr Rennen geschrieben hat, ziehe ich hiermit offiziell nach. Also fast wie im Rennen.

Wie ihr ja vielleicht schon hier bei Coffee & Chainrings oder auch auf umsturzvegan mitbekommen habt, sitze ich erst seit Anfang 2017 nach über 10 Jahren wieder im Sattel. Ich bin also noch nicht so lange wieder aktiv auf dem Rad unterwegs und wollte daher meine Rennpremiere auf 2018 legen. Aber wie es das Schicksal so will (zum Glück), hat Maren einen Startplatz im Skoda Team gewonnen und konnte somit ihren davor gesicherten Startplatz über die Veranstalter weitergeben. Ich bin ziemlich dankbar, dass es mich getroffen hat, denn auch wenn ich gezittert habe und skeptisch war, hatte ich einen verdammt geilen Raceday mit sehr tollen Menschen.

Kurze Strecke, gute Beine, Übermut

Das Wetter begrüßte uns Trüb. Hatte es am Abend zuvor noch Hoffnung gegeben, dass wir bei Sonnenschein und wohligen 17 °C in den Morgen starten konnten, waren diese spätestens beim Weg zum Start begraben. Diesiges Herbstwetter kombiniert mit gelegentlichem Getröpfel zwangen mich auf das eigentlich geplante Kurz-Kurz zu verzichten und mein schickes Vaude Trikot unter meiner Windbreaker zu verstecken.

Maren und Jan kurz vor dem Start des Münsterland Giro 2017 Coffee and Chainrings

Maren und Jan kurz vor dem Start. Vorfreude und volle Hose. :D

Da Maren darauf bestand, dass wir uns vor dem Start noch ein wenig warm rollen sollten, verpassten wir den richtigen Zeitpunkt uns in unserem Startblock einzusortieren. Dementsprechend weit hinten standen wir dann letzten Endes. Trotz allem bin ich ihr dann doch sehr dankbar, dass sie dann doch bis zum Start an meiner Seite wartete und mein nervöses Gebrabbel (“2h schaff ich nicht! Ay das sieht aber eng aus!” blabla) ausgehalten hat.

Etwa zwei Minuten nach Startblock A, ging es dann auch für uns auf die Strecke. Nach einem etwas chaotischen Startgetümmels teilte sich das Feld in viele größere und kleinere Gruppen. Ich konnte mir zwei/drei Hinterräder schnappen, die glücklicherweise ziemlich flott unterwegs waren. In wechselnder Besetzung ging es immer weiter nach vorne und ich hatte einen wunderbaren tritt. Der erste Blick auf den Tacho offenbarte 45 km/h, die sich bei weitem nicht so anfühlten, wie das gleiche Tempo im Training. WOW! So ging es dann von Gruppe zu Gruppe immer weiter nach vorne. Der einzige Gedanke: Gas geben!

Das flotte Fahren mit dem Überholen einiger Fahrerinnen und Fahrer verursachte zwischendurch aber einiges an Übermut, den ich mit Schmerzen bezahlen sollte. Denn etwa bei Kilometer 20 nahm meine Truppe aufgrund von etwas Gegenwind und Wetter merkbar das Tempo raus. Ein wenig genervt überlegte ich, mich alleine raus in den Wind zu wagen. Als dann etwa 200 Meter vor uns ein Trupp auftauchte, überlegte ich nicht lange und sprintete los.

Bei meiner Aufholfahrt traf ich einen Fahrer, der das Tempo der Gruppe vor mir nicht mehr mitgehen konnte. Ich hoffte noch, dass wir zu zweit deutlich mehr Schwung nehmen konnten, um aufzuschließen, aber leider war auch ich ihm zu schnell. Vorerst. Denn auch wenn ich wie bekloppt trat, ich kam nicht näher.
Nach etwa 5 Minuten allein im Wind an der Schmerzgrenze (wahrscheinlich waren es nur 2 Minuten, falls überhaupt) wurde ich wieder geschluckt. Das Gefühl von “Keiner kann mir was!” wandelte sich in Sekunden zu “Bitte fahrt nicht zu schnell, ich kann das nicht!” Ich hätte nie gedacht, dass ich Windschatten und Energiegels jemals so zu schätzen lernen könnte. :D

Gels und Windschatten retten überhebliche Radfahrer

Glücklicherweise pendelte sich die durchschnittliche Geschwindigkeit dann bei etwa 35-36 km/h ein. So wurde ich nicht nach hinten durchgereicht und konnte meine Reserven wieder füllen. Etwa bis Kilometer 45 knabberte ich noch an dieser wenig durchdachten Aktion, die mich einiges an Körnern gekostet hatte. Neben der Erschöpfung kamen noch Knieschmerzen rechts und ein unangenehmes ziehen in der linken Schulter. Ich schieb‘s mal auf den Blutdruck.

Anders als Maren hatte ich zum Glück keinen Sturz unmittelbar vor mir zu verkraften. Das hätte mich wohl voll aus dem Konzept gebracht. Glücklicherweise konnte ich einen Kontakt mit dem Asphalt noch verhindern. Etwa 5 Kilometer vor dem Ziel wurde ich von einem anderen Fahrer am Lenker gestreift und konnte mit etwas Schlingern die Balance halten. Jedermann heißt also auch Menschen, die wenig Rücksicht nehmen. Ätzend aber händelbar, da der Großteil des Feldes mehr als fair gefahren ist und Gefahrenstellen, Kurven und Stürze immer rechtzeitig per Rufen und Handzeichen anzeigten.

Die Einfahrt nach Münster verlief ansonsten recht ereignislos. In einem großen Feld eingeklemmt konnte ich, trotz erneutem Energieschub keine Lücke finden. Erstaunlich, wie schnell man zwischen den anderen Fahrerinnen und Fahrern eingeschlossen werden kann. knapp 500 Meter vor der Zielgerade verengte sich die Strecke an einer Stelle leicht und ich konnte die Chance nutzen und mich an einigen Rädern vorbei in den Wind schmuggeln.

Das Ziel beim Münsterland Giro 2017 kam zu schnell

Das Ziel kam dann aber wirklich viel zu schnell. Denn das ist echt der größte Kritikpunkt: Meine gnadenlose Selbstunterschätzung. Für die können die OrganisatorInnen des Münsterland Giro 2017 nun nichts und trotzdem war ich schwer enttäuscht, als das Ziel auf einmal hinter mir lag. :D
Merke: Für die nächsten Rennen entweder konzentriert Vollgas geben auf den kurzen Strecken oder direkt die etwas Längere nehmen und mal schauen, wie es läuft. Ich bin eh schneller im Ziel als im Training.

Generell bin ich mit dem Rennen und meiner Leistung aber absolut zufrieden. Mit Platz 58 in der Altersklasse Master 1, Platz 281 (m/w) und Platz 305 Gesamt und einer Zielzeit von 1:49:28 bin ich deutlich unter meinem Ziel von zwei Stunden geblieben und konnte mir beweisen, dass ich selbst oft mein größter Feind bin. Und ich sollte wohl öfter auf Maren hören. Sie hat mir schließlich von Anfang an gesagt, dass da deutlich mehr drin ist.

Münsterland Giro 2017 Tolle Menschen im Ziel

Eine verdammt tolle Truppe! Jan (66 km), Maren (66 km), Annette (95 km) und Christian (95 km).

Ich werde auf jeden Fall 2018 wieder dabei sein und dann nehme ich die 90er Strecke. ;) Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmal an die Organisatorinnen und Organisatoren des Münsterland Giros 2017. Es war eine super Orga und hat verdammt viel Spaß gemacht. Wir sehen uns, wie gesagt 2018!