Die Tour de France ist noch keine Woche zu Ende und schon wieder dominieren Dopingskandale in der Medienlandschaft. Wohlgemerkt nicht über aktuelle Dopingvergehen, sondern über Vorfälle von vor 15 Jahren. Immerhin fordert die UCI nicht zur Vernichtung dieser Proben auf, wie es die Fifa für die Dopingproben der WM 1998 in Frankreich tat.

Der neue Dopingskandal ist ja gar nicht neu, denn das im Radsport Jahrzehnte lang flächendeckend gedopt wurde, dass ist ein offenes Geheimnis nicht zuletzt seit den Enthüllungen im Fall Lance Armstrong. Nichtsdestotrotz verliert die 100. Tour de France in der Nachberichterstattung an Wert, was sie gar nicht verdient hat. Trotz des großen Vorsprungs von Gesamtsieger Chris Froome (Team Sky) auf seine Verfolger und obwohl Peter Sagan (Liquigas-Cannondale) recht früh das grüne Trikot für sich entschied, blieb die Tour für mich bis zum Ende spannend.

Es gab sicherlich Tour-Jahre mit knapperen Entscheidungen im Endergebnis aber selten habe ich bisher so viele Fahrer gesehen, die immer wieder durch Offensivattacken ihr Glück versuchten im Gesamtklassement nach vorne zu fahren. Contador sei hier erwähnt, der vielleicht aufgrund seiner zahlreichen Attacken am Ende seine Podiumsplatzierung verspielte. Das diese Attacken weniger erfolgreich waren, lag einfach an der sehr gute Arbeit von Team Sky und allen voran Kapitän und Favorit Chris Froome, der immer wieder zeigen konnte, wer denn der Beste ist.

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Einzig Nairo Quintana (Moviestar) zeigte, dass Chris Froome nicht unbesiegbar ist und brachte den Briten am Berg an seine Grenzen. Der 23-jährige Kolumbianer holte sich den Sieg auf der letzten Bergankunft in Annecy-Semnoz und sicherte sich damit das gepunktete Bergtrikot vor Chris Froome. Gleichzeitg – und das war bisher einmalig in der Tour de France Geschichte – gewann Quintana das weiße Trikot in der Nachwuchswertung. Nicht wenige sehen in dem jungen Helfer von Teamkapitän Valverde einen künftigen Tour-Sieger.

Für eine faustdicke Überraschung sorgten die deutschen Sprinter, die Mark Cavendish (Omega Pharma – Quickstep) nicht nur das Wasser reichten, sondern seine Dominanz aus den letzten Jahren brachen. Allen voran Marcel Kittel (Agros Shimano) mit seinen vier Siegen, u.a. in dem Wahnsinnssprint gegen Cavendish und Greipel auf dem Champs Elysee vor einem Millionenpublikum. Dabei konnte Kittel Cavendish sogar Ausbeschleunigen, die Stärke überhaupt von Cavendish in den vergangenen Jahren. Nicht unerwähnt dürfen natürlich die kämpferischen Leistungen von Voigt und Klöden in den Alpen bleiben sowie der erwartete Zeitfahrsieg von Tony Martin, der am Ende knapper ausgefallen ist als man erwartete und für Spannung bis zur letzen Sekunde im Zeitfahren sorgte.

Der größte Sieger bei der 100. Tour de France ist für mich aber der Radsport überhaupt. Über eine Million Zuschauer verfolgten das Spektakel Alpe d’Huez live vor Ort. Auf den Champs Elysee warteten über 1,5 Millionen Zuschauer auf die 178 Rennfahrer, die es nach Paris geschafft haben. Im Übrigen prozentual so viele wie noch nie bei einer Tour.

Eurosport verzeichnete Rekord Einschaltquoten mit bis zu 8% Marktanteil und das beste Ergebnis seit 9 Jahren. Im Schnitt schauten eine halbe Million Menschen die Live Übertragung. Eurosport hatte im Schnitt einen Marktanteil von 4,4%, verglichen mit dem Jahresdurchschnitt von 0,6% kann man auch an diesen Zahlen den Sieger Radsport ausmachen.

Meine persönliche Lieblingsetappe bei der Tour de France war die 18. Etappe mit der doppelten Befahrung von Alp d’Huez. Vom Start weg wurde mit offenen Visieren gekämpft. Die Abfahrt vor dem Schlußanstieg nach Alpe d’Huez war unglaublich schnell und technisch und zum Abschluss ein packendes Duell von Tejay van Garderen (BMC) und Christophe Riblon (Ag2r), der den Franzosen den ersten und einzigen Etappensieg bescherte. Und wie es der Radsport so wollte ausgerechnet bei der Zielankunft Alpe d’Huez. Danach teilen sich die 13. Etappe von Tours nach Saint-Amand-Montrond mit ihren zahlreichen Windkanten und die 21. Etappe von Versailles nach Paris mit dem Sprint zur Prime Time das Podium der Tour de France Highlights 2013.