Der WDR Fernseh-Beitrag über die Radsportveranstaltung Rund um Köln am vergangenen Sonntag schlug in der Radsport Szene hohe Wellen. Voller Vorfreude schaltete man die Zusammenfassung des Rennens ein und bekam dann nicht einen Kilometer am Stück gezeigt, stattdessen wurde der Aufhänger Rund um Köln genutzt, um u.a. die Kölner Gastronomie zu bewerben oder alte Doping Geschichten wieder aufzuwärmen.

Kurz nach der Ausstrahlung habe ich mich bereits auf Twitter zu der Zusammenfassung geäußert.

Im Folgenden hat sich unser Gastautor Markus die Mühe gemacht und einen ausführlicheren Text zum Thema Radsport im öffentlich rechtlichen Fernsehen geschrieben.

Gastbeitrag von © FREISTAAT Markus

Der Radsport und das öffentlich rechtliche Fernsehen

Am Sonntag bahnte sich Großes an: Der WDR wollte ganze 45 Minuten über „Rund um Köln“ berichten. Als Radsportfan ist man ja mittlerweile demütig, was ARD & ZDF in Verbindung mit dem Radsport angeht. Früher wurde das ja mal drei Stunden und länger übertragen. Selbst als das Rennen von Rund um Köln wegen Schnee gar nicht stattfand, wurden längere Livebilder gezeigt als am vergangenen Sonntag.

Was mir dann am Sonntag aber angeboten wurde, war dann schon erbärmlich. Keine 2km am Stück Radrennen. Der längste zusammenhängende Beitrag war ein Interview mit dem Koch des Bensberger Restaurant, der währenddessen Spargel schälte. Warum auch nicht!? Der hat ja am Ostermontag auch sicher Besseres zu tun, als einer Journalistin Rede und Antwort zu stehen, die krampfhaft versucht eine Brücke zwischen Premiumküche und Radsport zu schlagen.

Zwischen Berichten aus dem Umfeld von „Rund um Köln“ wurde dann mal immer wieder in homöopathischen Dosen Schnipsel des Rennens eingestreut. Als ARD und ZDF noch vier Stunden und länger von der bspw. der Tour de France übertragen haben, fand ich’s immer ganz nett Geschichten am Wegesrand serviert zu bekommen. Ein Weingut hier, eine Käserei da, zwischendurch etwas Technik mit Marcel Wüst. Kann man auf Flachetappen ja sehr schön einstreuen, das lockert auf und unterhält.

ABER DOCH NICHT WENN MAN EH SCHON NUR 45 MINUTEN ÜBERTRÄGT ! Das war nur Folklore mit nem Radrennen als Aufhänger.

Liebe ARD,
ich war auch angepisst, als nahezu alle möglichen Radsportprofis um 2003 sich als fiese Doper entpuppt haben. Besonders kritisch war Eure Berichterstattung in Bezug auf Doping aber auch nicht, so lange Ulle und Co noch Euer Logo auf dem Trikot trugen. Ich kann sogar auch verstehen das Ihr euer Engagement im Radsport bis hin zu einem faktischen Totalboykott herunter gefahren habt. Aber irgendwann ist ja auch mal gut,oder!? Nicht!? Ah. OK.

Wo war denn der Boykott bei den olympischen Spielen, der Leichtathletik, dem Biathlon, dem Reiten etc.? Ihr hattet auch vor zwei Jahren mal ein sehr schönes ARD-Radiofeature zum Thema „Doping im Fußball“, das Ihr -wie üblich- depublizert habt. Hier gibt’s zumindest ein PDF zum Podcast oder auch hier.

Aber Fußball wird natürlich bis runter zur Thekenliga F umfänglich und unkritisch gezeigt. Im Fußball gab es keine so großen Dopingfälle sagt Ihr? Ok, wenn man nichts sucht wird man auch nichts finden. Wie man am Beispiel Fuentes sieht, wird aber nicht nur nicht gesucht, sondern auch noch vertuscht, wenn blöderweise was hochschwappt. Während jedes Abseits der 2. Liga aus 3 Kameraperspektiven gezeigt wird, gibt’s von Erfolgen deutscher Radfahrer nen Zweizeiler mit Standbild. Der Radsport hatte und hat Probleme, aber es wird hier wie in keiner anderen Sportart daran gearbeitet. Das verdient jawohl auch etwas Anerkennung. Ein Profikicker a la Ronaldo würde sich wohl nie den Auflagen wie Whereabaouts etc. unterwerfen.

Also seid bitte so konsequent und berichtet über den Hochleistungssport entweder komplett oder gar nicht. Der Resozialisierungsgedanke sollte auch für den Radsport gelten.

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