Ein neues Kapitel in meinem Radsport Leben: Allein unter Rennradfahrern oder ein Blick über den Tellerrand. Was bietet sich da eher an, als eines der prestigeträchtigsten Rennrad Rennen in Deutschland? Fast 3.500 Teilnehmer versammelten sich am Kölner Rheinauhafen zum Skoda Velodom, um sich auf zwei Strecken Rund um Köln und dem Bergischen Land miteinander zu messen. Mittendrin konnte ich mit dem ein oder anderen Vorurteil gegenüber dem Fahrerfeld aufräumen, gleichzeitig aber den ein oder anderen Unterschied zum Mountainbike Sport ausmachen.

Dank Tim war der Ausflug nach Köln zur 98. Austragung von Rund um Köln nicht ganz so allein. Relativ umambitioniert fanden wir uns am Ende des fast 900 Fahrer starken Feldes in Startblock C ein, Tim gab sogar seine bessere Position in Startblock B auf, was er hoffentlich auch nicht bereute. Wir erreichten zwar keine heroischen Heldentaten, aber dafür kam der Spaß auf der 126km langen Strecke nicht zu kurz. Im Gegenteil.

Taktisch gesehen haben wir uns bestimmt immer goldrichtig für unsere Gruppen verhalten. Nebeneinander vorweg im Wind, lautstark plaudernd bei Puls 160. Hinter uns ein Pulk, die sich dankbar von uns ziehen ließen. Wolfgang zum Beispiel wollte nach 3km noch nicht in den Wind gehen, so sagte er. Dafür wäre er aber auf den letzten 10km bereit gewesen alles zu geben, dummerweise haben wir Wolfgang nicht wieder gesehen. Also führten wir die Gruppe weiter an und holten nach und nach das Feld etwas von hinten auf. Die Entscheidung Loch zu fahren oder Tempo rausnehmen trafen wir nach dem Münzwurfprinzip oder besser gesagt Mal Hü und mal Hott.

Bei bestem Wetter trafen wir viele nette Rennradfahrer und -fahrerinnen, wie zum Beispiel Helga. Die uns für unsere entspannte Führungsarbeit mit viel Klamauk lobte. In der ersten Runde durchs Bergische Land fuhren wir dann konstant in einer sehr harmonischen Gruppe. Und gaben die Führungsarbeit auch gerne ab, wenn uns mal wieder nach zehn Minuten Plaudern – mental waren wir nämlich schon bei unseren ersten MTB Marathon Rennen oder zumindest bei Lüttich – Bastogne – Lüttich in der nächsten Woche – im Wind auffiel, dass man auch im Peloton selbst weiter reden könnte. Also Beine hochlegen, rechts ran und warten. Und zack! Wieder kam Quickstep mit zwei Mann und zog davon. Also bis auf 30m ließen wir sie fahren. Das war eine Meistertaktik, so fuhren sich die beiden liebenswerten Belgier bestimmt müde, was uns im Schlusssprint helfen werden könnte. Blöd nur, dass wir gerade selbst auch wieder im Wind das Peloton anführten. Mist, zuviel geredet, zu wenig gedacht.

Mit dem Regen wurde der Spaß größer. Immerhin beherrschten wir auch unsere Rennräder, was man nicht von allen Rennradfahrern behaupten konnte. Außerdem konnte man den Regen prima zum Hände waschen benutzen, da sowieso gerade die Hände vom Gel arg klebrig waren. In den Abfahrten war das Tempo auf einmal fast langsamer als bergauf, gefühlt zumindest. Und da kam dann auch wieder eine Attacke von Quickstep, denn „Jacques will altijd koersen“ und die Sonne kommt auch gleich zurück sagten sie. Zu diesem Zeitpunkt regnete es in Strömen, ich hatte Wasser im Schuh stehen und es waren noch 60km bis zum Ziel. Ich fragte mich außerdem, wie lange das Geraschel an Tims Rad gut geht. Und dann der fatale Fehler! Kurz vor dem längsten Anstieg des Rennens flog die Kette bei Tim ab, sofort nutzte unsere gesamte Gruppe die Chance zur Attacke und verschärfte das Tempo. Ich ließ in der Steigung etwas Tempo raus (sagte ich, eigentlich fuhr ich jede Steigung so langsam), um auf Tim zu warten. Wir verloren mindestens eine halbe Ewigkeit. In der langen Regenabfahrt standen einige Fahrer im Weg aber wir umkurvten sie sicher. In Bergisch Gladbach Sand und hinauf zum Schloß Bensberg waren wir dann alleine unterwegs.

Und dann kam Rainer! Rainer hatte ein mörderisches Tempo drauf und war gewillt auf den letzten 30km nach Köln das Loch zu zufahren. Und er trat in die Pedale und wir konnten gerade so im Windschatten dran bleiben. Rainer wollte dann, dass wir die Führung wieder übernehmen. Tim konterte lautstark, dass Rainer weiterfahren solle, wir könnten nicht mehr. Rainer fuhr was das Zeug hält. Deswegen haben wir Rainer auch erst auf der Zielgerade gestellt.

Nach 3:52h erreichten wir dann das Ziel mit dem Peloton. 32,5kmh waren schon recht schnell, dafür das wir wenig ambitioniert waren und aus taktischer Sicht wirklich nicht geglänzt haben. Umso größer war der Spaß unterwegs und mit etwas mehr Konzentration, Voraussicht und Form ist 2015 aus Startblock B bestimmt auch mehr drin.

Festhalten kann man, dass die Rennrad Fahrer an sich gar nicht so schlimm sind wie ihr Ruf. Und die angespannte Stimmung vor dem Rennen, bei der nur verächtlich auf rosafarbene Decals geschaut aber nicht (zurück) gegrüßt wird, ist im Rennen dann vergessen. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass mir das Rennen im Peloton Spaß bereitet hat. Aber 70€ Startgebühr für eine intensive Trainingseinheit sind dann auch kein Pappenstiel.

Und eine Rennwurst aus Tofu gab es leider nicht und Bier trinke ich ja in meiner Freizeit auch so gut wie nie, also nach einem Rennen erst Recht nicht. Und ein Haufen Werbepapier brauche ich auch nicht. Trinkflaschen bevorzuge ich in schwarz und Riegel esse ich auch keine mit Honig. Insofern war der Startbeutel auch eher bescheiden für das Startgeld.

Last but not least ein Dank für den Tim seine Nadine, die prima auf meine Sachen aufgepasst hat und sich in die Schlange Fahrräder stellte, um unsere Transponder wieder abzugeben. Und für die Fotos, die ich bald auch noch bekommen werde.