We did it (again)! Vor rund zwei Wochen fuhren Stefan und ich zum ersten Mal als Team bei der Flandernrundfahrt mit. Einem Tag vor der 98. Auflage des Frühjahrs Klassikers befuhren wir die legendären Passagen wie die Paddestraat oder die giftigen Anstiege Oude Kwaremont und Paterberg.

Für Stefan war es die erste Teilnahme an der Ronde van Vlaanderen, deren Spirit er mit Sichtung der ersten Fahne förmlich aufsog und die Hellingen mit einem breiten Grinsen hinaufflog ohne zu Wissen, was ihn erwarten wird.

Meine zweite Teilnahme bei dem Monument des Radsports begann ebenfalls voller Vorfreude. Kein Start alleine, über zehn Grad wärmere Temperaturen als letztes Jahr, keine Panne auf dem Hinweg und den Pinkstar als Komfort Geheimwaffe.

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Die Ronde van Vlaanderen zeichnete sich wieder einmal durch ihre von vorne bis hinten top organisierte Struktur aus. Von A wie Parkleitsystem bis Z wie gratis Zielfoto gab es keinen grund zum Meckern und das bei einer Veranstaltung mit 16.000 Startern. Es gab keinen Stau bei der Anmeldung, die Verpflegungsstellen glichen einer Partymeile und auf der Strecke hielt sich dre Verkehr in Grenzen, einzig das Nadelöhr Koppenberg musste aufgrund der vielen Fahrer geschoben werden, obwohl diese Steigung nicht nach 10 Kilometern wie im vergangenen Jahr, sondern erst nach der Hälfte der Strecke angefahren wurde. Sehr nett war auch der Service von Shimano, der mir in 12 Minuten meine Schaltung neu eingestellt hat, als sich auf dem Koppenberg meine Kette verklemmte. Gratis erstaunlicherweise. Gratis war auch das ZFinisher Foto auf der Bühne im Zielbereich. Es ist eigentlich gar nicht verständlich, warum es in Deutschland bei RTF/CTF Veranstaltungen mit 15.000 weniger Fahrern mehr Probleme, Stau und Wartezeiten gibt.

Gleiches gilt für die Stimmung. Während man sich in Deutschland ankeift, die Schnellen von den Langsamen geärgert und verflucht werden und andersherum die Schnellen die Langsameren unnötig gefährden, heißt das große Wort in Belgien Rücksicht. Jeder fährt rücksichtsvoll, egal in welchem Tempo. Und kommt es doch mal zu einer Behinderung nehmen das beide Seiten gelassen und ein kurzes Sorry genügt für eine positive Grundstimmung, auch wenn man gerade am Paterberg bei 23% Steigung vom Rad geholt wurde, weil der Schiebende beim Schieben zu erschöpft ist, um seine Spur zu halten. Jeder versucht Verständnis aufzubringen und nimmt Rücksicht. Fair Play eben. Denn im Grunde wird genau das zelebriert, was die Ronde van Vlaanderen sein soll: Ein riesen großer Spaß.

Mit verdammt schmerzhaften Qualen. Es ist ein unbeschreiblicher Schmerz in den Händen und Unterarmen, wenn man das Kopfsteinpflaster mit 30-40kmh herunter fährt. Eigentlich möchte man den lenker gar nicht mehr festhalten, aber desto weniger Kraft man zum festhalten ausübt, desto mehr schmerzt ist. Umso fester man den Lenker hält, desto anstrengender wird es. Ein Teufelskreis. Dazu noch das gelbe Schild mit der Aufschrift 3,2km. Wie soll man das überstehen.

Bergauf ist es nicht weniger anstrengend aber es tut weniger weh; in den Armen. Umso mehr kraft benötigt man in den Beinen, denn irgendwann ist flüssiges treten unmöglich für mich und man schleppt sich mit 50-60 Umdrehungen hinauf wie bei den 400m am Paterberg. Und wenn man dann bei 8kmh mit 16kmh und einer Kadenz um 80 überholt wird, dann kommt blanker Neid auf. Das will ich auch können! Vielleicht auf der xBox oder so.

Stefan zog an den Hellingen immer mächtig an, bereits bei der ersten Steigung machten meine Beine nicht mit. Irgendwie war ich nicht frisch genug und hohe Belastung sollte an dem Tag auch gar nicht gehen. Es fehlte die Quäl dich Mentalität, ich ließ Stefan fahren und fuhr mein Tempo. Als ich nach 2:20 Uhr die Hälfte der Strecke geschafft hatte, war ich zufrieden. Eine zeitliche Verbesserung zum letzten Jahr sollte nun reine Formsache sein aber eine Aussicht auf eine zeit unter fünf Stunden für die 134km lange Strecke setzte neue Motivation frei, die am Ende mit einer Zeit von 4:58h belohnt. Stefan wartete da natürlich schon im Ziel.