Nach dem gestrigen Ruhetag aus logistischen Gründen, denn der Giro d’Italia Zug musste von Irland in den Süden Italiens reisen, wo der Giro heute mit der 4. Etappe von Giovinazzo nach Bari fortgesetzt wird. Auf der 112km kurzen Etappe könnte Marcel Kittel seinen Hattrick perfekt machen. Nach wie vor natürlich ohne Live-Bilder im deutschen Fernsehen und einem Eurosport Player, der mit Hubschrauber und Auto Geräuschen anstatt Jean-Claude Leclercqund Karsten Migels die Ohren schädigt. Jedoch scheint die Kritik der Radsport Community nicht ganz auf Taube Ohren zu stoßen.

Markus Beitrag Eurosport verzichtet auf Giro d’Italia im FreeTV hat vielen Radsport-Fans aus dem Herzen gesprochen und wurde zahlreich geteilt. Gestern haben wir auf unseren Artikel eine Antwort von Werner Stars (Marketing Direktor der Eurosport Media GmbH) erhalten, der das Thema aus seiner Sicht schildert und versucht einige Fragen zu beantworten. Aus diesem Grund möchten wir unseren Lesern den Kommentar als eigenen Artikel zur Verfügung stellen. Schade finden wir, dass Werner Stars nicht auf die fehlende Tonspur im Eurosport Player eingeht. Denn es gibt viele Radsportler, die bereit wären auch mehr Geld für einen funktionierenden Player mit Tonspur zu bezahlen.

Da Ihr im Blog Eurosport direkt ansprecht, wollen wir natürlich auch zumindest kurz darauf antworten.

Uns ist klar, dass eine solche Entscheidung entsprechende Reaktionen hervorrufen wird. Zum einen hat der Zuschauer in Deutschland eben im Regelfall keine Ausweichmöglichkeit im TV – zum anderen wissen wir dass die Community im Radsport besonders treu ist und von Event zu Event dabei ist.

Die Entscheidung jetzt mit der Übertragung auf EurosportHD zu wechseln ist natürlich auch bei uns diskutiert worden – und uns sind alle Reaktionen der Fans wichtig. Und natürlich kann man einige der Punkte zunächst einmal genauso sehen wie oben aufgeführt. Wobei wir natürlich nicht ganz so “heimtückisch” denken, wie in manchen Punkten ausgeführt (Stichwort “wir lassen die blöden Radler ein Abo abschließen…”)

Wir müssen hier vielleicht aber trotzdem nochmals kurz zur generellen Ausgangslage von Eurosport zurückkehren. Das Modell Eurosport funktioniert deshalb jetzt seit 25 Jahren, weil wir in der Finanzierung auf den zwei Säulen Pay-TV Erlöse (auch “Eurosport” ist in allen Ländern außerhalb DACH Pay-TV) und Werbung. Und ohne Betriebsgeheimnisse auszuplaudern kann man sagen, dass die Erlöse aus dem Pay-Bereich für das Unternehmen heute weit höher ausfallen, als die Werbeerlöse.

Dank dieser stabilen Finanzierung können wir langfristig planen. Dank dieser Finanzierung können wir Sportrechte immer wieder einkaufen und verlängern. Und dank dieser Finanzierung müssen wir eben nicht darauf schauen, ob das ein oder andere Radsportevent jetzt über oder unter dem Senderdurchschnitt läuft, sondern können weiterhin unseren Kernsportarten – darunter dem Radsport – weite Senderflächen öffnen. (In einer idealen Welt würden man sich auch über ebenso positive Meldungen freuen, wenn wir wie in den letzten Jahren geschehen eine Sportart wie den Radsport so massiv am Sender ausbauen – aber das nur am Rande und hoffentlcih nicht als Weinerlichkeit zu verstehen.)

Auch in einem Markt wie Deutschland, wo nach wie vor das FreeTV dominiert, versuchen wir mit Partnern wie Sky diese Strategie zu entwickeln und damit Eurosport langfristig konkurrenzfähig zu machen. Leider ist dies in Deutschland für viele damit verbunden, dass für sie ein Sport – wenn er denn mal nicht bei Eurosport SD läuft – gleich im “PayTV verschwindet”…. Für uns besteht aber trotzdem eine Herausforderung auch in Deutschland ein starkes Programm gleichermaßen im FreeTV als auch PayTV zu gestalten – wobei wir z.B. derzeit technisch nicht in der Lage sind, hier alle Register zu ziehen (z.b. kein nationales Fenster bei Eurosport2/Eurosport2HD).

Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung gefallen – und wir sehen die umfangreiche Ausstrahlung besonders in der nächsten Woche ohne Tennis-Unterbrechungen (dass wir von einer Ausstrahlung ohne Unterbrechungen sprachen, war so gemeint – ist natürlich zugegeben unglücklich, wenn die Erwartungshaltung war, dass es keine Werbeunterbrechungen gibt) als eine Alternative an – besonders da aus unserer Sicht (in Abweichung zur Meinung im Blog) im Radsport die HD-Qualität noch ein viel größeres Plus für eine Sendung bei Eurosport HD darstellt.

Die Meinung im Blog, dass das Preis-Leistungsverhältnis bei einer alleinigen Giro-Ausstrahlung über die Sky-Plattform nicht stimmen würde, nehmen wir gerne zur Kenntnis. Im Blog wird ja gerade dieses Thema sehr differenziert behandelt, was ja zumindest eine Diskussionsgrundlage ist. Diese vemissen wir bei zahlreichen Zuschriften, in denen die grundsätzliche Haltung “für Radsport bezahlen – das ist es dann doch nicht wert” war.

Wie gesagt: wir werden alle Diskussionen rund um das Thema im Austausch mit den Kollegen in der Programmplanung einfließen lassen.

Werner Starz / Direktor Marketing Eurosport Media GmbH