Sonntag morgens um sechs Uhr aufstehen, um sieben Uhr frühstücken und um 08:30 eine Startnummer am Lenker? Es riecht förmlich nach Racing aber es war dann „nur“ eine Trainingsausfahrt auf einer spektakulären Strecke, die alles abverlangte und für einige Abenteuer sorgte. Die ATB 2 Landen Grenzland Tocht liegt quasi vor der Haustür und war trotz der Temperaturen unter fünf Grad sehr gut besucht.

Verabredet waren wir zu dritt, doch Tim musste kurzzeitig absagen, so dass Peter und ich alleine um 08:15 Uhr Kaffee trinkend auf den Start der Anmeldung warten, denn unsere Kollegen aus dem Nachbarland nahmen die Startzeit etwas gemütlicher, mir egal jedoch hatte Peter nach hinten raus arbeitsbedingt weniger Zeit. Um 08:45 Uhr waren wir dann aber endlich unterwegs.

Bereits das Warm Up um den Effelder Waldsee war ein besonders Highlight, denn die Nebelschwaden im Sonnenaufgang waren ein Hochgenuss. Aufgrund der Seeumrundung in der Dämmerung und des Tiefen Bodens brauchte ich etwas Zeit zur Orientierung, denn der Streckenverlauf führte durch mein Trainingsrevier, allerdings häufig anders herum.

Direkt zu Beginn folgte der Rode Beck Trail, ein kurvenreicher Slalom entlang des gleichnamigen Bachs. Hier zeigte sich einmal mehr das übliche Bild CTF-Bild von Tempo Geballere auf den Forstwegen und Stehübungen im Trail. Es sollte aber der einzige Trail mit einem beinahe Stau bleiben. Trails hingegen gab es massig, auf der 50km langen Runde führten bestimmt 35km über Trails auf wie ab. Dabei summierten sich knapp 500hm, für unsere breiten Grade ohne Doppelbefahrung ganz gut. Die Strecke verlief durch den Nationalpark de Meinige und auf der deutschen Seite zwischen Wasserburg bis nach Dalheim, an der bekannten Mühle gab es dann nach 25km auch die erste und einzige Verpflegung mit genügend Heißgetränken und Bananen (sowie Kuchen und Stuten).

Bis auf zwei Stellen, die auf breitem Weg an einem Trail vorbei führten, haben die Mitglieder vom ATB Club Grenzenloos alles aus den Örtlichkeiten herausgeholt. Auch wenn ich ein Großteil der Wege und Trails kannte, habe ich ein paar neue Verbindungen kennengelernt, die im Elfenmeer (einem Bungalow Park) für manches Aha-Erlebnis sorgte.

Kein Rennen, kein Cannondale. MAO-TARNBIKE mit Startnummer und hinterher extrem versaut. Zum Glück gab es einen guten Bike Wash.

Top Organisation, Beschilderung und Streckenwahl
Was ich immer wieder feststelle, dass im angrenzenden Ausland die Infrastruktur vor Ort einfach viel durchdachter ist. Der Waschplatz war nicht nur super ausgestattet, sondern es gab auch Stände um die Räder sicher abzustellen. Ja, es gab mehr als einen halblaufenden Wasserschlauch :D Auf der Strecke fuhren bestimmt zehn Vereinsmitglieder ihre Kontrollpunkte fortwährend ab und sorgten für Beschilderungsnachschub, wo etwas fehlte. Mir fehlte nichts, aber es wurde fleissig geklaut. Dazu später mehr. Nicht zuletzt diese warmherzige Offenheit und Freundlichkeit, die ich bei so mancher deutschen Veranstaltung häufiger vermisse und natürlich die Streckenauswahl, die fünf Sterne verdient.

Zwei Länder, zwei Sitten
Nicht unerwähnt lassen möchte ich zwei Vorfälle während der Veranstaltung, die einem zum Nachdenken bringen. Irgendwo im tiefsten Wald in Deutschland wurde ich Zeuge eines Streits zwischen ein paar niederländischen Tour Teilnehmern und einem deutschen Ehepaar, die zahlreiche Richtungspfeile in der Hand hielten. Während die Niederländer versuchten dem Mann zu erklären, dass die Pfeile für ein paar hundert weitere Fahrer sehr wichtig sind, wollte der Deutsche davon gar nichts wissen. Er sei Plastik Anwalt und fühlte ich im Recht den Wald von diesem Unrat zu befreien. Dabei machte er fleissig unerlaubt Fotos der Menschen um ihn herum. Nicht nur, dass die Pfeile nach der Veranstaltung wieder eingesammelt wurden (ich hab bereits um 12 Uhr keine Pfeile mehr am Start gesehen) machen diesen Vorfall sehr skurril, denn zusätzlich handelte es sich um hochwertige Hartplastikpfeile in Signalfarbe, die in den kommenden Jahren weiter verwendet werden können. Da gibt es ganz bestimmt bessere Umweltschutzaktionen, als eine Radveranstaltung zu sabotieren. Zumal viele Niederländer mit dem Fahrrad angereist sind und selbstredend ihren selbst produzierten Müll in die Trikottasche steckten. Es kamen dann Vereinsmitglieder des Veranstalters hinzu und ich fuhr weiter.

Anderes Land gleiche Sitten? Keine 5km davon entfernt traf ich nach der CTF eine Gruppe Wanderer auf einem schmalen Pfad. Nicht nur, dass mir alleine Platz gemacht wurde, nein die Holländer sorgten auch für kurzzeitige Alp d’huen Stimmung als ich durch das Spalier fuhr. Gemeinsam sind wir doch alle zum Spaß im Wald und nicht um uns anzufeinden. Das sollte endlich mal in die Köpfe der Menschen. Wir suchen Erholung, Abenteuer, Ruhe und Entspannung und finden diese im Wald, den wir natürlich auch nicht unnötig verschmutzen.

Coffee & Chainrings mit ansteigender Form
Nach 65km (ich fuhr manche Teile der CTF doppelt) und 03:45h war ich dann zurück am Vereinsheim, wartete ca. 15min bis die 30 Fahrer vor mir ihre Räder gewaschen hatten und war dann auch recht zeitig wieder weg. Peter fuhr die 35km in 2:10h und war bereits auf der Arbeit, als ich nach Hause fuhr. Peter sammelte trotz der widrigen Umstände und dem extrem tiefen Boden viele persönliche Rekorde und ist nach der Tour sehr zufrieden gewesen. Für mich lief es auch gut, gerade an den Anstiegen habe ich doch eine ordentliche Verbesserung gespürt und insbesondere in der Kadenz Fortschritte erzielt.

Fazit: Schön war’s gestern, obwohl es matschig wie nie war. Dafür wurden wir mit reichlich Sonnenschein belohnt und Temperaturen, die annehmbaren waren.