Auf RuhrMTB habe ich die Frage aufgeschnappt, ob man als Mountainbiker tubeless Reifen fahren soll oder lieber auf Schläuche zurückgreift. Da sich für mich die Frage gar nicht stellt, möchte ich mit den Vorurteilen gegenüber tubeless Reifen ein wenig aufräumen.

Vorab, kann ich natürlich nur von meinen eigenen Erfahrungen sprechen und den Urteilen von Freunden und Bekannten, die ebenfalls seit mehreren Jahren tubeless fahren. Das es gerade beim Thema Mountainbike und Technik stets strittige Themen gibt und sich das Reifen und Schlauchsysteme zu einer Art Glaubensfrage entwickelt hat, wird dieser Artikel natürlich objektiven Betrachtungen nicht standhalten. Ich fahre aber seit 2011 tubeless und habe seitdem meine Pannen auf ein Minimum reduziert.

Es gibt verschiedene Tubeless-Systeme und Hersteller. Meine Erfahrungen beziehen sich auf Stans NoTubes Felgen (ZTR Arch, Race, Crest – sowohl 26 als auch 29 Zoll), Stans Dichtmilch und diversen Reifenherstellern wie Continental, Maxxis, Michelin, Schwalbe und deren verschiedenen Reifenstandards. Dazu gleich mehr.

Für mich steht fest, ein Schlauch führe ich nur noch für den Notfall mit mir mit. Tubeless ist das System meiner Wahl und 2015 ohne einen einzigen Defekt. Trotz Transalp, Four Peaks und diversen weiteren Rennen, die meinem Material alles abverlangten.

Montage von tubeless Reifen

Die Montage von tubeless Reifen finde ich nicht aufwendiger als von normalen Faltreifen. Zuerst wird die eine Reifenwulst ins Felgenhorn eingeführt, dann direkt die andere. Das Einlegen des Schlauchs entfällt ja. Manchmal ist bei den letzten Zentimenter ein wenig Geduld gefragt und ein Reifenheber von Vorteil, um die Reifenflanke über das Felgenhorn zu drücken.

Kurz bevor ich den Reifen komplett auf die Felge drücke, schütte ich immer einen Becher Milch in den Mantel. Danach dehe ich den Reifen um 180 Grad, damit die Milch dorthin fließt, wo die Flanken bereits über dem Felgenbett sitzen.

Aus Erfahrung verwende ich immer beim ersten Aufpumpen eine co2 Kartusche, damit springt der Reifen besser in die Felge. Es gibt ein bis drei lautere Knälle bis der Reifen sitzt. Mit einer Standpumpe gelingt dies nicht immer, alternativ kann man einen Kompressor verwenden.

Je nach Art des Reifens muss man den Reifen nun in beiden Händen halten und zu allen Seiten schütteln, damit die Milch sich verteilt und den weiteren Lufaustritt verhindert.

Das ist vielleicht bei einem Umstieg das schwierigste. Alternativ kann man den Reifen ins Rad einspannen und eine Runde fahren, ggf. währenddessen nachpumpen. Sobald die Dichtmilch alles abdichtet ist die Arbeit vollendet.

Nach dem der Reifen einmal mit lauten Knall in der Felge sitz kann man auch ohne Kompressor nachpumpen, hier funktionieren dann alle herkömmlichen Stand- und Handpumpen.

Im Vergleich zur Variante mit Schlauch ist der Aufwand etwas höher aber nicht wirklich schwerer.

Tubeless Reifen

Der Markt an tubeless Reifen für Mountainbikes ist kaum zu überschauen. Fast alle Hersteller bieten extra Reifenmischungen zum tubeless Gebrauch an.

Meine Erfahrungen zeigen, dass tubeless Ready Varianten der unterschiedlichen Hersteller sehr gut funktionieren und sowohl in der Montage als auch in der Abdichtung sehr einfach zu verwenden sind.

Da diese Reifen aber meistens 50-150gr schwerer sind, als ihre Faltreifen Pendants fahre ich lieber Reifen, die zum tubeless Fahren geeignet aber nicht produziert sind. Zum Beispiel die tubeless easy Serie von Schwalbe oder von Maxxis die 3C Maxspeed EXO EXC Versionen.

Die Reifen sind am Wulst nicht mit einer Extraschicht Gummi überzogen, so dass bei der Montage ein wenig mehr Geduld gefragt sein könnte, da winzige Löcher im Wulst erst von der Milch abgedeckt werden müssen. In der Praxis läuft dies mit Schwalbe und Maxxis sehr gut, bei Continental und den neuen Michelin Reifen habe ich aufgegeben und Rate bei diesen Herstellern zu den tubeless ready Serien.

Vorteile von tubeless Reifen

Der Vorteil von tubeless Reifen ist vielseitig und wird von ruhrMTB im verlinkten Artikel bereits hinreichend ausgeführt.

Man kann mit geringeren Luftdruck fahren, wodurch der Reifen mehr Grip aufbaut und einen besseren Rollwiderstand bietet. Anders als früher angenommen ist nämlich eine bereitere Auflagefläche des Reifens für den Rollwiderstand von Vorteil.

Tubeless bietet einen erhöhten Pannenschutz, Snake Bites sind damit quasi unmöglich.

Insgesamt ist das System leichter als mit Gummischläuchen und im Vergleich zu einem System mit Latexschläuchen ist der bessere Pannenschutz das Argument.

Wartung von tubeless Reifen

Ob man häufiger nachpumpen muss, wenn man tubeless fährt kann ich nicht beurteilen, weil ich den Luftdruck auch mit Schlauch regelmäßig überprüft habe.

Je nach Gebrauch kontrolliere ich den Luftdruck einmal pro Woche. Umso regelmäßiger man mit dem Rad fährt, desto besser verteilt sich die Milch und je länger hält der Reifen dicht.

Solang genügend Dichtmilch im Reifen ist, reicht auch einfaches nachpumpen aus, damit das Rad einsatzfähig ist.

Über die Langlebigkeit von der Milch ist es schwierig eine Aussage zu tätigen. Es hängt von so vielen Faktoren ab. wie regelmäßig fahre ich? Wie sind die Bedingungen? Ist viel Wasser in den Reifen eingezogen? Stand das Rad lange?

Über den Winter hält die Mioch bei mir meist nur wenige Monate, während ich meistens im Sommer länger über die Runden komme. Milch Klumpen sind gut zu hören und immer ein Signal, die Milch aufzufüllen.

Eine Panne mit tubeless Reifen

Für den Notfall habe ich immer einen Ersatzschlauch dabei. Dieser sollte aus Gummi sein, denn Latex und Dichtmilch führen zu Verklebungen und sind in der Demontage echt fies.

Außerdem kann eine Geltüte so manches Wunder bewirken. Sollte man sich den Reifen wirklich durch eine Scherbe oder ähnliches aufgeschnitten haben, dann kann man die leere Tüte von innen über den Schnitt legen und den Reifen aufpumpen. So kommt man meistens gut nach Hause.

Es empfiehlt sich dafür eine co2 Kartsche, da mit einer Habdpumpe nich genügend Druck zum Abdichten aufgebaut wird.

Haltbarkeit von tubeless Reifen

Ob ich einen Reifen mit Schlauch oder ohne fahre hat primär keinen Einfluss auf die Haltbarkeit.

Natürlich ist ein Schnitt in einem tubeless Reifen ein K.O. Kriterium für den Reifen aber wie lange hält der Schlauch darunter noch, wenn ich nicht tubeless fahre? Nicht viel länger.

Das ist ärgerlich führt aber in beiden Fällen dazu, dass der Reifen hinüber ist.

Ansonsten haben der Untergrund und die Wetterbedingungen einen größeren Einfluss auf die Haltbarkeit von Reifen, als die Frage ob mit oder ohne Schlauch.

Tubeless! Was sonst? Das weiß sogar das Baby. Tubeless! Was sonst? Das weiß sogar das Baby.

Fazit

Für mich überwiegen die Vorteile des tubeless Systems gegenüber herkömmlichen Schlauch Modellen. Die Pannensicherheit hat mich überzeugt und Luftdrücke deutlich unter 2bar bieten einfach mehr Sicherheit und Grip im Gelände.

Die Montage von tubeless Reifen ist kein Hexenwerk, sondern geht genauso geübt von der Hand wie bei einem Reifenwechsel mit Schläuchen. Je öfter man einen Reifen gewechselt hat, desto einfacher wird das Ganze.

Mittlerweile hat sich auch der Rennradmarkt für tubeless Reifen geöffnet und ist zwischen Clincher und Klebereifen einzusiedeln. Eigentlich eine ideale Lösug für Hobbysportler, die den Aufwand von Klebereifen scheuen. Habt ihr Erfahrungen?

Oder gibt es noch Fragen zu tubeless am Mountainbike? Immer her. Ich versuche zu helfen.