Vor einem Monat zog es Harald mit acht weiteren Mitstreitern von Hamburg aus Gen Norden Richtung Dänemark nach Skagen (und zurück) zur Trans Cimbria 2016. 1320km sollte die Strecke umfassen, die Harald in vier Tagen absolvieren wollte. Generell kein leichtes Unterfangen, bei winterlichen Temperaturen umso schwerer. Harald erzählt uns im Interview über die Tour, Langstreckenfahrten im Allgemeinen und seine Erlebnisse.

kaffeeklatsch

Ich folge Harald Legner schon seit mehreren Jahren in den sozialen Netzwerken und verfolge gerne seine Ein-oder Mehrtagestouren bevorzugt im nördlichen Raum. Immer freundlich, meistens gut gelaunt lässt Harald seine Follower an den Touren teilhaben. Die Trans Cimbrica war sein zweiter Versuch über vier Tage über 300km am Tag radzufahren, dabei suchte er sich nicht einmal mehr Hotels sondern nächtigte draußen. Für mich unvorstellbar und trotzdem reizt mich diese Abenteuerlust. Ein Grund Harald um ein Interview zu bitten.

Daniel: Hallo Harald, vielen Dank das du dir die Zeit nimmst und mir zu einem Interview zur Verfügung stehst. 20160308_000405Bereits in unserer vorletzten Lieblingsblog Ausgabe habe ich deine TransCimbrica erwähnt und deine Reise durch Dänemark verfolgt. Wenn ich richtig recherchiert habe, sollte die Trans Cimbrica deine zweite 4days Tour werden oder? Wie kommt man auf so eine Idee?

Harald: Moin Daniel, wer in Norddeutschland lebt und gerne lange Strecken fährt, kommt irgendwann unweigerlich auf die Idee, mal nach Skagen zu fahren. Fahren, bis es nicht mehr weitergeht. Ich hatte auch mal überlegt, ob ich für #festive500 nicht ein #inonego (also 500 km am Stück) nach Skagen fahren könnte. Nach einem gescheiterten #inonego im Jahr 2014 habe ich das Vorhaben aber erst mal auf Eis gelegt. Mittlerweile (mit passender Ausrüstung) denke ich schon wieder anders darüber. Letztendlich haben aber Freunde von mir TransCimbrica ins Leben gerufen und geplant. Ich bin nur einer von 9 Startern.

Daniel: Das heißt #Skagen in #inonego könnte noch ein Abenteuer von dir werden? Schon 2016?

Harald: Grundsätzlich sage ich mal: Ja. Skagen und #inonego wäre eine feine Sache, die ich gerne mal kombinieren würde. Wobei das nicht unbedingt im Rahmen von Transcimbrica sein muss. Das die Transcimbrica-Strecke überwiegend am Rechner geplant wurde, kamen diverse Gravel-Abschnitte für alle doch etwas überraschend. An und für sich ist Gravel kein wirkliches Problem, auch, weil sich die Strecken in meist gutem Zustand befinden. Aber langsamer wird man da trotz allem doch. Und in Mitteljütland geht es entlang des Hærvejen ziemlich auf und ab. Sicherlich keine langen Anstiege, aber richtig ins Rollen kommt man da auch nicht. Ich würde mir also eher eine küstennähere Route suchen. Ob das noch 2016 etwas wird? Eher nicht, ich habe da noch ein paar andere Pläne für Langstrecken…

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Daniel: 1200km in vier Tagen ist ein sehr ambitioniertes Ziel, Anfang März mit den niedrigen Temperaturen am Morgen und Abend sowie der hohen Regenwahrscheinlichkeit erschweren das Vorhaben doch oder? Wie kommt man auf diese Jahreszeit?

Harald: Ganz simpel: Es sind gerade Ferien in Hamburg, da lässt sich für Familienväter manches etwas einfacher organisieren. Das war wohl der Hauptgrund für die Terminwahl. Im Sommer ist zudem die Dichte an Veranstaltungen schon so hoch, dass dann vielleicht noch weniger Teilnehmer dabei gewesen wären. Und: Die Organisatoren scheuen einfach nichts, eigentlich gibt es für die keinen Grund nicht zu fahren. Niemals. Deshalb ist der Termin eher nebensächlich.

Daniel: Diesen Luxus haben wir in NRW nicht. Aber das erklärt natürlich, warum man bei Temperaturen weit unter 10 Grad auf das Rad steigt, um 1200km Fahrrad zu fahren :) Ist das Wetter wirklich so nebensächlich? Niemand hat Angst vor Kälte, Regen, nasse Klamotten? Oder macht schlechtes Wetter das ganze Unterfangen zu einem noch „echteren“ Ereignis. Wir Mountainbiker sprechen ja auch von epischen Schlammrennen, wenn wir uns 4-6 Stunden durch Regen und Matsch quälen.

Harald: Das Wetter ist nun nicht wirklich nebensächlich, es hat sicherlich entscheidenden Einfluß auf das Transcimbrica-Ergebnis genommen. Es hat ja niemand die ganze Runde geschafft. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das im Sommer bei Tiefsttemperaturen von 10°C in der Nacht ganz anders ausgegangen wäre.

Klar haben „fürchten“ alle das schlechte Wetter und jeder am Start wäre froh gewesen, wenn Regen und Schnee weggeblieben wären. Aber dennoch waren die Wetteraussichten für keinen ein Grund, das ganze Vorhaben infrage zu stellen. Es haben alle eben unterwegs geschaut, wie es so läuft und dann eben früher oder später den Zug nach Hause genommen …

Schlechtes Wetter ist einer der Faktoren, der aus einer Radtour etwas „Episches“ werden lässt. Erzählungen, wie man durch 10cm Neuschnee gefahren ist, klingen eben aufregender als „Ich bin bei lauschigen 22°C mit ordentlich Rückenwind 300 km gefahren“.

Daniel: Bei deiner ersten 4days Tour Richtung Süddeutschland im Herbst 2015 hattest du dir bereits 300km pro Tag vorgenommen aber nicht umsetzen können. Hattest du das im Vorfeld der Trans Cimbrica bedacht?

Harald: Ja, ich bin im Herbst in 4 Etappen von Hamburg bis Donauwörth gefahren. Ich hatte dafür sogar tägliche Etappen von 350 Kilometern geplant. Die Idee dieser Tour war, dass ich London-Edinburgh-London imitiere, das ich 2017 mitfahren will.

Im Laufe der Tour habe ich aber schon vom ersten Tag an die Etappen verkürzt, es wurden dann 313, 258, 240 und 216 Kilometer. Weit entfernt vom Plan, aber das stört mich gar nicht. Die Pläne sind für mich nur eine grobe Orientierung und ich weiß, dass ich gerne deutlich über das Schaffbare hinaus plane. Bei der Herbsttour hatte ich die Touren aber so angelegt, dass ich problemlos abkürzen und das jeweils gebuchte Hotel am Abend erreichen konnte.

Bei der TransCimbrica waren die Bedingungen ja anders, es gab ja keinen Punkt, den ich jeden Tag erreichen „musste“. Der Track war so vorbereitet, dass mögliche Schlafplätze angezeigt wurden.

Ich bin also nicht mit dem Gedanken losgefahren „Heute musst du den Punkt erreichen.“, sondern „Ich fahre, bis ich müde bin und schlafen möchte.“ Die angesagten 350 Kilometer pro Tag rührten daher, dass ich nach 4 Tagen wieder zu Hause sein wollte, egal wie.

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Daniel: Waren das deine ersten Nächte unter freien Himmel? Ist einem da nicht ein bißchen mulmig? Zumal ja auch das Zelt fehlte. Wiegand Boeing schläft ja gerade seit mehr als 150 Tagen outdoor im Biwak oder Zelt. Ein Vorbild?

Harald: Vor Transcimbrica habe ich tatsächlich erst einen einzigen richtigen Overnighter gemacht. Gemeinsam mit Stefan und +Paule+, die Transcimbrica ins Leben gerufen haben.

Bis dahin war mir tatsächlich bei dem Gedanken an das Biwakieren etwas mulmig zumute, mehrere Versuche sind deshalb auch schon gescheitert. Das Gefühl ist mittlerweile aber weg, ich freue mich jetzt schon auf kommende Overnighter. Nach meinen bisherigen Erfahrungen gibt es einfach nichts, was man nachts da draussen fürchten müsste (wenn man sich nicht gerade in eine WIldschweinsuhle legt …).

Ich hatte bislang jeweils trockene Nächte. Zumindest in der ersten Transcimbrica-Nacht wäre es mit Regen „spannend“ geworden, da lag ich ja einfach direkt im Wald. Die 2. Nacht verbrachte ich in einem Shelter, einer niedrigen Holzhütte, die etwas Schutz bietet. Das war perfekt.

Auf http://www.udinaturen.dk/ kann man sich Shelter in Dänemark anzeigen lassen. Großartig, ich wäre glücklich, wenn es solch ein Angebot auch in Deutschland gäbe.

Wigalds Aktion habe ich auch mit Spaß verfolgt. Er ist mir schon länger auch als Ausdauersportler bekannt. Sehr symphatisch.
Ein Vorbild im Sinne von „So will ich auch werden“ ist er für mich nicht, dafür unterscheiden sich unsere Aktionen auch viel zu deutlich. Und ich mag mein Bett zu Hause auch sehr gerne. ;-)

Daniel: Wie plant man eine Tour über eine solch große Distanz? Wie strukturiert (oder unstrukturiert) bist du an das Vorhaben heran getreten?

Harald: Meine Planungen bestanden darin, mir den Track auf den Garmin zu laden und leichtere und kältetauglichere Schlafausrüstung zuzulegen. Schlafsack und Iosmatte. Mehr habe ich nicht gemacht, ich meine, dass ich mittlerweile erfahren genug bin, dass ich einfach mein Rad belade und losfahre.

Daniel: Welche Gedanken hat man, wenn man 1200km in vier Tagen vor der Brust hat? Ihr seid ja zu neun unterwegs gewesen, was sind die Einstiegsthemen der Unterhaltungen?

Harald: Ich habe im Grunde vorher dieselben Gedanken wie vor einer langen Tagestour. Ich bin mehr oder weniger aufgeregt, weiß aber eigentlich nicht, warum. Denn Erfahrung habe ich genügend, als dass ich mich bis zum Start beruhigt zurücklehnen könnte und dann einfach fahre.

Ich hatte die ganze Zeit die Reststrecke auf dem Garmin stehen und habe mich damit etwas motiviert, auch wenn am Ende die
Kilometerangaben natürlich so gar nicht mehr die Realität abbildeten. Für andere wäre das aber sicherlich undenkbar, dass sie sich dauernd „Noch 1300 Kilometer“ anzeigen lassen …

Viel habe ich mit den anderen unterwegs ja kaum gesprochen. Einige Worte am Start, da ging’s überwiegend um die Ausrüstung, die doch sehr unterschiedlich aussah. ALs es dann losging, ging das „Feld“ auch ziemlich schnell weit auseinander. Siehe das FlyBy bei Strava.

Am ersten Tag war ich dann immer mal wieder mit Tobias unterwegs, da schnackt man dann über dies und das, Unsinn und SInn von
Grenzkontrollen, Monarchien, gemeinsame Bekannte … Smalltalk eben. Oder man schweigt auch gerne mal.

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Daniel: Und dann ging es los. Am ersten Tag war Regen angesagt. Demotiviert das nicht völlig?

Harald: Es ging netterweise bei Trockenheit los, leichter Regen setzte erst später ein. Regen macht nun wirklich keinen Spaß, ist aber für mittlerweile auch kein Thema mehr, das mit demotiviert. Zumindest so lange die Ausrüstung mitmacht und mich halbwegs trocken hält. Mein ausdauerndes #biketowork und #rideeveryday hilft mir da ungemein. Seitdem ich das mache, sitze ich einfach jeden Tag mindestens eine halbe Stunde auf dem Rad, egal bei welchem Wetter, zu welcher Tageszeit, in welcher körperlicher Verfassung (ich bin glücklicherweise so gut wie nie krank). Durch gewöhnt man sich an vieles.

Daniel: Man fährt und fährt und fährt. Du hattest ein paar Begleiter auf der Strecke, hilft das mental? Was war deine bisher skurrilste Geschichte mit einem Mitfahrer?

Harald: Ich bin so viel alleine unterwegs, für den Kopf brauche ich keine Mitfahrer. Fürs Vorankommen ist es oftmals aber hilfreich, sei es, weil ich weniger für Fotos anhalte, sei es, weil man sich gegenseitig zieht. Ich hatte es aber nie drauf abgesehen, bei der Transcimbrica unbedingt einen „Partner“ zu finden. Ich wäre das auch komplett (so wie an Tag 2 und 3) alleine gefahren. Ohne Probleme. Wirklich skurrile Geschichten habe ich nicht auf Lager.

Daniel: 300km / Tag würden bei 25km pro Stunde 14 Fahrtzeit bedeuten. Ist das am Ende doch nicht umsetzbar?

Harald: Es wären „nur“ 12 Stunden. ;-) Ich hatte mir überlegt, dass ich täglich bis zu 15/16 Stunden fahre, aber eher mit einem guten 20er-Schnitt. Damit wären um die 8 Stunden für Pausen und schlafen geblieben. Theoretisch glaube ich weiterhin, dass das machbar sein dürfte. Was ich „leider“ immer vergesse: Ich brauche auch noch einiges an Zeit für den ganzen Social-Media-Spaß. 1-2 Stunden am Tag verbringe ich bei solchen Touren sicherlich damit, Fotos zu machen und zu kommentieren. Das fällt dann als Fahrzeit sicherlich auch noch weg.

Würde ich mal das Handy bei solch einer Tour zu Hause lassen (oder wenigstens im Flugmodus), käme ich vielleicht auch noch schneller voran. Andererseits sind die kurzen Pausen dadurch für mich auch immer gut.

Daniel: Welche Gedanken gehen dir während der Tour durch den Kopf? Schaltest du völlig ab und genießt die Fahrt? Beschäftigst du dich damit, ob du das Ziel erreichst?

Harald: Völliges Abschalten passiert nicht, aber ich geniesse die langen Touren ungemein. Es gibt kaum etwas Schöneres als über einsame Straßen und zu schauen, was was so links und rechts los ist. Ich bin sicherlich viel mehr Radtouristiker als Rennfahrer.

Um das Ziel mache ich mir nicht so viele Gedanken, das ist bei solch langen Touren ja die meiste Zeit eh viel zu weit weg. Warum soll ich mir Gedanken über Dinge machen, die stunden- oder tagelang entfernt sind?

Mit dem Ziel beschäftige ich mich kaum. Das liegt ja die meiste Zeit auch noch richtig weit weg. Zwischenziele beschäftigen mich, „wie weit ist es bis zum nächsten Bäcker?“. Geniessen tue ich ohne Ende! Genau deswegen mache ich das doch überhaupt. :-) Die langen Radtouren sind Urlaub, man kann seine Umwelt doch kaum besser wahrnehmen als vom Rad aus. Man kommt zügig voran, ist aber immer langsam genug, um fast alles um einen herum mitzubekommen. Und mal kurz stoppen geht auch immer. Wirklich abschalten und den Fokus komplett aufs Rad fahren legen mache ich nicht. Dafür gibt es einfach zu viel Ablenkung an der Strecke und auf dem Handy …

Daniel: Was sind dann deine Gedanken? Wird nicht die Landschaft irgendwann auch monoton?

Harald: Da wo ich bislang gefahren bin, habe ich noch nie monotone Landschaften erlebt. Ich kann stundenlang an Rapsfelder vorbeifahren oder durch Wälder – da ändert sich doch ständig etwas. Mir wird da draussen nie langweilig. Manchmal mache ich ja etwas „verrückte“ Sachen, z.B. stundenlang dieselben 500 Meter hin- und her zu fahren (bzw hoch und runter). Auch
da wird mir nicht wirklich langweilig, die Natur ist wirklich ständig in Bewegung. Man muss nur wahrnehmen wollen.

Daniel: Wie gestaltest du den den Abend? Hast du vorher einen Plan, wo du rasten wirst? Ein Zeit oder Ortziel? Was machst du, wenn du dein Nachtrevier aufschlägst. Es ist kalt, nass und dunkel und du schläfst im Biwak Sack: Romantik oder am Ende doch eher Albtraum?

Harald: Ich habe diesmal an beiden Abenden noch etwas in größeren Orten gegessen (Fastfood. Essen auf langen Touren ist sicherlich auch noch ein lustiges Thema. ;-) ), so dass ich am Schlafplatz gar keinen großen Aufwand mehr betrieben habe. Iosmatte ausrollen, Schlaf/Biwaksack drauf, reinkriechen und schlafen. Da war nicht viel zu gestalten.

Nächte draussen sind eigentlich ziemlich unspektakulär. Ich mochte das selber lange nicht glauben, aber da, wo ich bislang unterwegs war, passiert einfach nichts, im Wald ist in der Nacht in weiten Teilen einfach fast nichts los. Wenn man sich nicht gerade in einer Wildschweinsuhle hingelegt hat… Von daher: Weder romantisch, noch Albtraum. Einfach nur Schlaf.

Daniel: Also keine Social Media Orgie mehr, sondern Augen zu und gut?

Harald: Exakt. Schlaf ist ja auch sehr wichtig bei solchen Touren. In der ersten Nacht habe ich gut 6 Stunden im Schlafsack gelegen, in der 2. sogar um die 10 Stunden. Da hatte ich aber schon die Runde abgekürzt und war im Kopf bereits frei davon, so viel wie möglich fahren zu wollen. Deshalb durften es auch ein paar mehr Stunden im Schlafsack sein.

Daniel: Und am Morgen. Keine Dusche aber Frost. Wie schwer ist es sich da wieder zu motivieren?

Harald: Da hatte ich auch keine Probleme. Aufstehen, Sachen zusammenpacken und ab aufs Rad. Auch da habe ich keinen Aufwand betrieben, kein Frühstück, kein Kaffee. Lieber erst mal 20 km fahren, da wird einem schneller warm als von einer Tasse Kaffee. Frühstück gab’s dann beim Bäcker.

Daniel: Quasi das Nüchterntraining unter widrigeren Umständen. Verlässt man auf einer derartigen Tour seine Comfort Zone?

Harald: Ich trainiere nicht. ;-) Und die Umstände habe ich auch keineswegs als widrig empfunden. Ich glaube nicht, dass ich jemals meine Komfortzone verlassen werde. Jedenfalls nicht, so lange der nächste Bahnhof maximal 30 Kilometer weg ist und ich eine Kreditkarte in der Tasche habe.

Daniel: Ich glaube am zweiten Tag hast du die TransCimbrica Route abgekürzt, weil du dir nicht vorstellen könntest dein Zeitziel zu erreichen. Eine Entscheidung mit Wehmut? Wie nachhaltig beeinflusst das die Fahrt?

Harald: Am Abend des 2. Tages war mir klar, dass ich die ganze Runde sicher nicht innerhalb von 4 Tagen schaffen würde. Ich musste mich also entscheiden, ob ich einen Teil mit der Bahn fahren würde oder ob ich die Tour abkürze und so dann nach Hause fahre. (Am Ende ist es dann ja noch eine Kombination aus beidem geworden.) Eine Option wäre gewesen, auch noch bis Skagen zu fahren und von dort den Zug nach Hause zu besteigen. Da schnellere Mitfahrer aber schon Bilder mit Schnee im nördlichen Jütlands gepostet hatten, habe ich die Idee schnell verworfen. Ich mag zwar Schnee, aber dann gerne mit dem Fatbike …
Wehmütig bin ich bei solchen Entscheidungen nicht. Ich fahre Fahrrad, um Spaß zu haben. Ob ich dabei Touren zu Ende fahre oder nicht, ist mir egal. Der Weg ist das Ziel und so.

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Daniel: Und was isst der Genießer Harald auf Mehrtagestouren? Auf einem Bild haben wir gesehen, dass ein Großteil deiner mitgeführten Nahrungsmittel wieder zurück nach Hamburg gefahren ist.

Harald: Ernährungswissenschaftler und Veganer jetzt mal bitte weglesen: Ich esse und trinke, was mir Bäcker, Supermärkte und Tankstellen so bieten. In Dänemark ist mir besonders „Wienerbrød“ (Blätterteiggebäck) wichtig, das esse ich zu gerne.

Und abends gehe ich (auch wegen des WLANs) gerne in einen Fastfood-Laden. Und ansonsten gibt es ein totales Durcheinander den Tag über: Bananen, Brötchen, Gummibärchen, Schokolade, Cola, Limos, Kaffee, Mozzarella, Marzipan, Wasser, Lachssandwich. Das waren so ungefähr die Dinge, die ich gegessen habe. Ohne mir den Magen zu verderben!

Von zu Hause aus hatte ich einige Haferriegel mit, die ich aber größtenteils wieder mit nach Hause gebracht habe. Auf die hatte ich keinen so großen Appetit. Und die beiden Fertiggerichte habe ich auch nicht angerührt. Eigentlich nahm ich an, dass ich abends am Lagerplatz noch den Kocher anwerfen und ein paar Nudeln essen würde. Aber Burger und Pommes sorgten noch für genügend Sättegefühl, dass das gar nicht notwendig war.

Bei der nächsten Tour bleibt der Kocher dann auch zu Hause.

Damit wäre dann auch schon knapp 1/3 meines „Übergewichts“ beim Gepäck weg. Grundsätzlich war ich aber mit meiner Ausrüstung sehr zufrieden. Ich habe nichts vermisst und hätte auch auf schlechtere äussere Bedingungen noch gut reagieren können.

Da ich mich bezüglich solcher Touren aber noch mitten in der Lernphase befinde, wird sich die Packliste beim nächsten Mal sicherlich auch noch ändern. (Wobei das vermutlich auch bei alten Hasen so ist, es gibt ja eigentlich ständig etwas am Material zu ändern …)

Daniel: Am Ende hast du die TransCimbrica nach drei Tagen beendet. Eine Vernunftsentscheidung, die nicht jeder so getroffen hätte und die dir bestimmt nicht leicht gefallen ist. Wie entscheidet man sowas? Kopf? Herz? Beides?

Harald: Bislang bin ich mit Vernunftentscheidungen immer sehr gut gefahren, ich werde das beibehalten. Mir fallen solche Entscheidungen tatsächlich immer leicht. Ich überlege, welche Optionen es gibt und entscheide mich dann für die, dir mir aktuell am meisten zusagt. Eigentlich ganz simpel. Das ist für mich die Grundlage für Seif-Support-Touren. Ich entscheide für mich, was für mich geht und was nicht. Geplante Tracks oder Ziele sind mir dann egal.

Daniel: Über 650km an drei Tagen bei winterlichen Temperaturen sind trotzdem eine beachtliche Leistung für die du viel Zuspruch und Respekt erhalten hast. Noch mehr Respekt hast du für deine Vernunftsentscheidung erhalten. Wie zufrieden bist du mit dir selbst?

Harald: Absolut zufrieden. Es gibt absolut keinen Grund, warum ich nicht zufrieden sein sollte. Ich habe 3 richtig tolle Tage auf dem Rad verbracht, ich habe tolle Dinge gesehen, es haben sich extra Leute auf den Weg gemacht, um mich unterwegs ein Stück zu begleiten, ich habe mit vielen netten Leuten (on- und offline) gequatscht, ich bin gesund geblieben, die Ausrüstung war reichlich, aber passend. Da bleibt nicht mehr viel übrig, weswegen ich mißmütig sein könnte. :-)

(Fotonachweis: Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Harald Legner)