Mit Liebe, Glaube und Zuvsicht bin ich am Donnerstag mein #comebackstrongerthanever beim 6 Uren Race in Grembergen angetreten. Der brachiale Rundkurs bereitete viel Vergnügen, verlangte alles ab und am Ende klappte das Comeback mit einem zufriedebstellendenen 13. Platz im starken belgischen Solofeld.

Endlich wieder Blutgeschmack. Ketten rasseln. Startup Creme, aufgeregtes Warmfahren. Die Routine war nicht vorhanden aber die Vorfreude umso stärker. Bereits bei der Streckenerkundung zwei Stunden vor Rennbeginn war mir klar: Das werden keine rhymtmischen sechs Stunden, sondern knallharte Arbeit. Insbesondere durch die vorgegebene Rennstrategie, die eher unorthodox für ein Sechs-Stunden Rennen war. Dazu dann später mehr.

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Het Parcours

Wer Mountainbike mit langen Forststraßen Uphills und Abfahrten verbindet, der darf zum nächsten Abschnitt scrollen. Für den Rest: Altah! Der Kurs war der Oberhammer, knüppelhart obwohl es keine nennenswerten Höhenmeter gab.

Kurz nach dem Start bogen wir auf den 3km langen Rundkurs, der so verwinkelt war, dass der Garmin bei der Aufzeichnung der Rundenlänge immer andere Zahlen ausspuckte. Offiziell waren es 3,5km. Der Kurs war geprägt durch Richtungswechsel, Rampen jenseits der 20-30% Marke, Miniabfahrten und Singletrails. Vier mal pro Runde konnte man gut überholen, ansonsten war viel Kommunikation möglich. Desto länger das Rennen lief, umso besser konnte man auch auf den Trails überholen bzw. überholt werden.

Bereits zu Rundenbeginn gab es zwei Minirampen, die von einem Steinfeld Downhill abgerundet wurden. Danach folgte die erste 100m lange Wiese, die aber aufgrund ihres sumpfiges Charakters nicht wirklich leicht zu rollen war. Ein Stich bergauf, meistens stehend und oben direkt scharf links in den 25m kurzen Downhill mit gezogener Bremse, unten ging’s es direkt scharf rechts wieder mit 18% für 30m hoch.

Charakterisierend für den Kurs. Es folgte ein kurvenreiches Waldstück, dessen Kurvenverlauf mir auch nach sechs Stunden nicht wirklich im Kopf präsent war. Wo es zu einfach war, gruben die Belgier einfach Löcher in den Boden.

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Nach dem ersten Kilometer folgte eine 250m lange Wiese. Gut zum Überholen. Leider auch extrem anstrengend. Für 17kmh waren 330 Watt notwendig, so tief war der Boden. Und danach folgte ein Schlammloch und 20m mit 20% Steigung und 500-800 Watt Leistung (abnehmend im Rennverlauf) mit Puls 180kmh lief es dann wieder flach aber kurvenreich weiter.

Der zweite Kilometer war am ruhigsten zu fahren, auch weil die Kurven keine hohen Geschwindigkeiten und damit keinen Krafteinsatz erlaubten. Die langezogenen Links-Rechts Kurven sorgten häufiger für beinahe Stürze, weil der Boden irgendwann nicht mehr den Grip abgegeben hat.

Kurz vor der Ziel Area folgten noch zwei kleine Rampen und zwei technische Abfahrten, jeweils nie länger als 30m aber nach dem Downhill stand man aufgrund der Richtungswechsel immer auf der Bremse. Geschwindigkeit mitnehmen nicht möglich.

Man sah das Zielgelände, kam aber nicht näher. Die Wiese, parallel zur ersten Wiese, raubte die Geschwindigkeit. Mit aller Kraft in den Kreisel. Links, links, links. Langsamer, langsamer, langsamer quasi stehen bleibend folgte der Richtungswechsel nach rechts, rechts, rechts und schneller, schneller, schneller. Ein 250m Sprint vorbei an meinem Team, dann hinein in den LKW, hinaus aus dem LKW an der Wechselhone vorbei, um den Sportplatz auf einem Trail vorbei und dann war die Runde vorbei.

Mountainbike in reinster Form. Man benötigt eben keine langen Steigungen, um in Sachen Fahrspaß und Anforderungen einen genialen Parcours zu bauen.

De 6 Uren van Grembergen

Erst zum zweiten Mal wurde das Rennen ausgetragen. Das Sechs-Stunden Rennen besteht allerdings aus mehreren Rennen im Rennen und so tummelten sich vom ungeübten Gelegenheitsfahrer, der bereits bei der Trackerkundugung an seine Grenzen stieß bishin zum semiprofessionellen Mountainbiker alles im 120 Fahrer großen Teilnehmerfeld.

Neben dem Soloritt über sechs Stunden gab es noch zwei Teamwettbewerbe für 2er und 4er Teams und in belgischer Tradition eine Singlespeed Variante für die Solofahrer. Letzter im Le Mans Start, was ich selbst leider nicht ansehen konnte. Schade eigentlich.

Die Stimmung auf dem Gelände war durchweg positiv. Vom Einweiser auf dem Parkplatz über die Anmeldung bishin zum verrückten Fahrerfeld. Auf der Strecke gab es trotz des enormen Gefälles im Können der Athleten keinerlei Ärger, Beleidigungen oder Aggressionen wie man es in Deutschland erleben würde.

Hinzukommt, dass das familienfreundliche Event mit Hüpfburg, Barbeque und Spielwiesen viele Zuschauer anlockte, die den verwinkelten Kurs durch kurze Wege schnell erreichen konnten und überall anfeuerten.

Nicht zu vergessen die nostalgischen belgischen Umkleidekabinen.

Mein Rennen

Berufsbedingt hatte ich noch nicht viel Zeit das Rennen im Detail zu analysieren. Der 15h Trip nach Belgien war lang und am nächsten Morgen stand Arbeit an. So ist das manchmal.

Meine unorthodoxe Renntaktik war für das Gesamtergebnis bestimmt nicht zielführend aber aus dem Training heraus ging es mir auch in erster Linie um Rennluft schnuppern. Und sechs Stunden Rennluft schnuppern tat gut.

Meine Zielvorgabe war, von Beginn des Rennens solang Druck auszuüben wie es geht. Ich habe damit gerechnet, dass ich nach 90 Minuten an Leistung verlieren werde, aber die ersten 2,5h liefen auf dem schweren Kurs wirklich hervorragend. Zu diesem Zeitpunkt muss ich auch in den Top10 gelegen haben.

Danach ging es dann langsamer und bestätig bergab. Es fehlte Kraft, um die Leistung aufrecht zu erhalten. Aber Motivation und positive Gedanken waren ungebrochen und ich zweifelte gar nicht an meiner Fähigkeit das Rennen auch unter diesen Umständen zu beenden.

Es viel mir von Runde zu Runde immer schwerer die nötige Leistung zu treten. Trotzdem blieben die Rampen alle fahrbar und erst für die letzten Runden wechselte ich an den Stichen auf das kleinste Kettenblatt. Apropo Kettenblatt,für Rennen dieser Art wäre ein 1fach Antrieb einfach das bessere System.

Mit 30min auf der Uhr begann das Taktieren, ich wollte noch drei Runden fahren. Wäre auch geglückt aber die belgische Wertung von Stunden Rennen ist leicht abweichend als ich es von deutschen Rennen kannte. Nach 5:54h wurde ich durch das Ziel gewunken, da keine weitere vollständige Runde mehr fahrbar war. In Belgien zählen nur volle Runden innerhalb der Rennzeit. Pech für den, der nach 6:01h durchs Ziel fuhr, die Runde wurde nicht mehr gewertet.

Nach 5:50h erreichte ich als 13. das Ziel. 26 Runden und 93km kamen als Resultat heraus. Auf das Podium hatte ich drei Runden (10km) Rückstand, absolut im Rahmen. Mit 31 Runden gewann Erik Klaasen vor Tim Wouters (30 Runden) und Wouter Vehent (29 Runden).

Über die Gesamtdistanz erreichte ich im Schnitt 160 Watt, NP 186 Watt. Die maximale Leistung betrug 959 Watt. Das ewige Antreten und beschleunigen saugte quasi die Kraft aus den Beinen. In den ersten Stunden habe ich an den Rampen deutlich über 600 Watt getreten. In den letzten Stunden fehlten hier 200 Watt und auf der Sumpfwiese ließ die Leistung von 350 Watt auf 200 Watt nach.

Im Schnitt lag meine Herzfrquenz bei 152bpm mit Spitzen bis 184bpm. Meine maximale Herzfrquenz steigt weiter an. Mit 70rdm habe ich deutlich mehr Kraft in meinen Tritt investiert.

Meine Rundenzeiten lagen in den ersten 2,5h konstant bei um 11:20-11:40min und sanken dann mit der Zeit auf bis zu 14:40min. Hier fehlte auch aufgrund der unorthodoxen Taktik die Konstanz. Mit Anfangszeiten um 12:30min wäre ich sicherlich besser gefahren.

3500kcal habe ich während der sechs Stunden verbrannt.

Das nicht einmal der Sieger auf dem flachen Rundkurs einen Schnitt um 20kmh erreichte zeigt, wie anspruchsvoll und schwer der Kurs trotz fehlender Höhenmeter war.

Anekdoten rund um das Rennen

Batterien gehen leer. Aber das ausgerechnet vor dem ersten Rennstart mein Powermeter den Betrieb mangels Energie einstellt, war nicht abzusehen. Glücklicherweise war mein Werkzeugkoffer dabei und eine Ersatzbatterie vorhanden.

Dank meiner Glutenunverträglichkeit musste ich meine Rennverpflegung anpassen und experimentierte mit GU Gels und Multipower Carbo Jelly. Gesalzenes Karamell und Erdnuss wird direkt in großen Mengen bestellt.

Witzigerweise blieben meine Hungerattacken auch nach dem Rennen aus, offensichtlich war der Blutzucker stabil und der Verzicht auf Gluten tat das Übrige. Generell hätte ich aber am Anfang etwas mehr essen müssen, weil ich auch mehr geleistet habe.

Während ich beim Trackcheck gleich mehrere Stütze erleben durfte, habe ich im Rennen keine fallenden Kollegen erlebt. Aber nach fünf Stunden hörte ich es scheppern. Schaute nach links und sah einen Rennradler, der bei der Streckenquerung halten musste und dabei stürzte.

Im Rahmen meines Jugendhilfeprojekts nahm ich zwei Jugendliche mit zum Rennen, die als Betreuer erstklassige Arbeit verrichtet haben und großes Interesse am MTB Sport haben.

Fazit

Endlich wieder #raceday mit allem drum und dran. Anreise, Kaffee, Frühstück außer Haus. Warm Up, Anspannung und dann einfach über die körperlichen Grenzen hinweg. Es hat Spaß gemacht. Vor allem weil der Kurs nach sechs Stunden immer noch Spaß gemacht hat.

Die super Stimmung und das Wetter beeinflussten das ganze ebenso. Bereits am 13. August gibt es die Fortsetzung ein Dorf weiter, bei de 6 Uren van Hamme.