Perspektivwechsel. Während Daniel das Rennen seines Lebens gefahren ist, stand Sandra vierundzwanzig Stunden an der Strecke. Versorgung, Hilfestellung, Motivieren und am Ende sogar Zeit rechnen. Und das ganze im Hitzekessel Olympiastadion, wo die Sonne den Asphalt an die Schmerzgrenze brannte. Sandras Rolle ist nicht minderwichtig als Daniels Leistung. Ohne Sandra keine Leistung, ohne Sandra kein Erfolg. Wie das Rennen aus Sandras Perspektive verlief, könnt ihr nun lesen.

Zwanzig nach zehn, die Sonne legte den Olympiapark Besuchern langsam Feuerfesseln an. Die Zeit rannte, ich hinterher. Schnell zur Teambesprechung, danach letzte Instruktionen von Daniel dann ging es für ihn und Jenni auch in Richtung Start. Kurz vor zwölf, die Bahn noch leer, die Kreidemarkierung noch frisch. Zwei Zettel mit Anweisungen sollten mein Leitfaden sein. Nach einer Weile schossen die ersten Fahrer durch das Stadion.

Provisorisches Zuhause für 24h Stunden.

Provisorisches Zuhause für 24h Stunden.

Bis zur ersten Pause war es relativ entspannt. Um 19Uhr kehrte „Nummer 7“ ein, stärkte sich, parallel zu Datteln gab es ein kurzes Interview mit Ansgar, Schnappschüsse und Küsschen von Jenni & Töchterchen. Anreichen, auffüllen, warten und atmen wurde ab nun zu meiner primär Aufgabe. Der Blick auf die Uhr ein ständiger Begleiter.

Mit dem Einbrechen der Nacht schien alles langsamer zu fließen. Die Flaschenwechsel wurden weniger, die Musik verstummte auf dem Gelände.

Daniel zog zuverlässig seine Runden. Doch dann ließen die Blicke auf die Rangliste meinen Körper Espresso produzieren! Daniel war auf dem 3. Platz!

Alles ruhig im Fahrerlager aber ich sprang vor dem Zelt wie bescheuert herum, in heller Aufregung meinem Fahrer diese phantastische Nachricht mitzuteilen. Elektrisiert von diesem Ergebnis fuhr Daniel unaufhaltbar und ich supportete im Endstadium.

Dann brach der Tag an. Der Nachtfalterklumpen am Flutlicht verschwand, die Sonne nahm alsbald ihren Platz ein. Die Gesamtgeschwindigkeit zog wieder an. Als Jenni eintraf, gönnte ich mir auf einer Wiese eine kurze pause.

Dann der Befehl, genaue Auskünfte über den Abstand des vierten Rangs zu geben. Am Monitor und Rennstrecke wartete ich. Doch diesmal länger als sonst. Ein Zelt Nachbar merkte den schlechten Zustand Daniels an.

Mein nervöser Blick streifte die vorbei rauschenden Fahrer, endlich traf „Nummer 7“ ein, fuhr in die Versorgungsstation ein und ließ sich samt Rad zu Boden sinken. Weiterfahren war nicht möglich, die Motivation am Boden. Ein mehr als unnötiger Überholversuch beendete einen unglaublichen Flow.

Reden half nichts. Ruhe am Fahrerlager. Daniels Empörung zog Kreise aber der Respekt und die Anerkennung übertönten den Missmut.

 Ein Team. Eine Einheit. Ein gemeinsamer Erfolg.

Ein Team. Eine Einheit. Ein gemeinsamer Erfolg.

Ich verneige mich vor so viel sportlichem Ehrgeiz und bin stolz ein Teil des Teams gewesen zu sein.