Die 6 Uren van Hamme waren bereits mein zweites Rennen von Veranstalter WE R Events aus Belgien und konnte ebenso wie das Sechs-Stunden Rennen in Grembegen voll überzeugen. Darüber hinaus könnte ich mit einem Höllenritt auf Platz 9 an meine Performance von München anknüpfen.

Sechs-Stunden Rennen haben ihre eigenes Leben. Umso spektakulärer die Strecke, desto kurzweiliger das Vergnügen aber auch umso größer die Schmerzen.

In Belgien ist vieles anders: Es beginnt mit der freundlichen Gelassenheit und dem gegenseitigen Respekt im Fahrerfeld. Der Parcours verdient den Namen Mountainbike Strecke im wahrsten Sinne des Wortes und bietet auf 3,5km alles, was das MTB Herz begehrt (außer Berge). Der Veranstalter denkt an alles, verbreitet beste Stimmung und ist omnipräsent.

Dazu war gefühlt ganz Hamme an der Strecke, die dieses kleine Rennen mit ganz viel Atmosphäre füllten und in ihrer Euphorie alle Fahrer nach vorne peitschten.

Und irgendwo dabei war ich, als einziger Fahrer aus Deutschland. Mit einem Sack voller neuer Erfahrungen bin ich abgereist und möchte diese im folgenden kundtun.

6 Uren van Hamme beeindruckt mit tollen Parcours

Das man in Ost-Flandern nicht nur prima Rennrad Rennen bestreiten kann, sondern auch mit dem Mountainbike Herausforderungen findet zeigte bereits meine Rennteilnahme bei dem Sechs-Stunden Rennen in Grembergen im Mai.

Zwar fehlen dem Land der Hellingen und Pave Stücke die Berge aber trotzdem kommt man als Mountainbiker auf seine Kosten. Steile Rampen, wurzelige Downhills, hunderte Richtungswechsel, 80% Singletrails und ein immer fordernder Kurs besorgten mir das reinste Mountainbike Vergnügen.

Unweit der Gabelung von Durme und Schelde im Naturreservaat Schorren bauten die Veranstalter WE R Events ein wahres Labyrinth aus Singletrails. Der extrem zuschauerfreundliche Parcours konnte von der Startgeraden an der Hamveer über weite Teile überblickt werden.

Vom Start weg ging es zuerst durch ein wurzeliges Waldstück mit Northshore Elementen der einfacheren Art. Anschließend folgten die ersten beiden wellenförmigen Rampen aus Downhill mit direkten Gegenanstieg, ehe man in das Rondell fuhr. Einem langen Singletrail mit gefühlt Hunderten Richtungswechseln, immer eng, immer kurvig aber auch immer spaßig.

Entlang der Expo Area unterfuhren wir die Bundesstraße, um parallel dazu weitere Rampen zu meisten. Die vier Wiesenstücke zogen sich extrem, zumal hier der Gegenwind auch mächtig Kraft kostete. Das Tal der Depressionen folgte zum Schluss, während wir auf 30-50cm zum Teil zweireihig auf einer Buckelwiese zu Start/Ziel fuhren, feuerten uns die Zuschauer aus der Mitte des glatt asphaltieren Weges an. Wie gerne hätte man diesen Weg als Alternative gehabt :-)

Der Kurs war mit 3,5kmh extrem kurz, Höhenmeter wurden keine nennenswerten aufgezeichnet. Nichtsdestotrotz haben selbst die Solo-Sieger keinen 20kmh Schnitt erreicht, was die Schwierigkeit des Parcours unterstreicht.

Atmosphäre: In Belgien wird Radsport gelebt

Während das Rennen innerhalb der professionellen XCO Flanders Serie bereits am Samstag ausgetragen wurde und am Sonntag die Junioren auf die Strecke gingen, stand am Montag das Sechs-Stunden Rennen in Hamme auf dem Programm. Der Feiertag machte dies möglich.

Und wer glaubt, dass das Hobbyrennen ohne Zuschauerresonanz ausgetragen wurde, der irrt. Auf der leicht abgeänderten Strecke des XCO Flanders Rennen gab es neben den Stufen zwei weitere Zuschauermagnete.

Am Expo Gelände hielten sich die meisten Zuschauer auf und unterstützten alle Fahrer, die der Wald ausspuckte und auf das 200m Asphaltstück schubste.

Darüberhinaus schauten viele Zuschauer an einem der zahlreichen Downhills zu, einer Stelle mit Aussicht. Man sah die Fahrer frühzeitig und folgte dann einem 180 Grad Verlauf mit Rampe, Downhill und Weiterfahrt in eine Anliegerkurve.

Die Crowd feiert die Fahrer

Die Crowd feiert die Fahrer

Unterstützt wurde jeder. Gemeinsam wurde das Rennen zu einer kleinen Dorfparty. Das hat mir sehr gefallen und zum Wohlfühlen beigetragen.

Höllenritt auf Platz 9: Meine Sechs-Stunden von Hamme

Meinen Höllenritt in Hamme habe ich in erster Linie Ansgar zu verdanken, der mir am Sonntag mit der Frage „Wie sehr willst du es?“ kam und direkt die passende Antwort wusste: Du willst es sehr! Dieser Motivationsschub führte dazu, dass ich schließlich doch meine Sachen packte und die Rennvorbereitung begonnen habe. Selbst- und Fremdmotivation in Perfektion also. Dank gebührt aber auch meiner Frau und meiner Tochter, die meine Unentschlossenheit und wechselnde Montagsplanung hingenommen haben.

Keine optimale Vorbereitung

Aufgrund meiner Unentschlossenheit viel meine Vorbelastung am Sonntag etwas länge als normal aus. Denn ich spielte lange mit dem Gedanken am Montag ein „normales“ Training zu absolvieren – was man bei Einheiten zwischen 5-6 Stunden so für normal hält.

Aber meine Vorbelastungswerte waren trotz gesteigerten Arbeitsstress in Ordnung und ließen mich auf ein gutes Ergebnis hoffen. Ungewohnt offensiv formulierte ich dann auch mein Ziel, eine neue Art Selbstbewusstsein?

Ze 6 Uren Race

Ich war vor dem Rennen wenig aufgeregt, was mit unter auch an dem Trainingscharakter lag. Ein Prioritätsrennen C dämpft die Erwartungshaltung, zumal dieser tolle Kurs meiner Fahrweise nicht entgegen kommt. Es ist für mich extrem schwer Rhythmus zu finden und laufen zu lassen.

Überschaubares aber sehr leistungsstarkes Fahrerfeld

Überschaubares aber sehr leistungsstarkes Fahrerfeld

Vom Start weg zog die Spitzengruppe im ersten Trail davon, ich versuchte erst gar nicht dran zu bleiben. Auf Position 8 oder 9 habe ich mich einsortiert. Hinter mir drei weitere Fahrer, die mit mir die Verfolger bildeten.

Während ich die ersten Runden von vorne fuhr, musste ich dann nach zwei Runden im technischen Part in der ersten Hälfte der Runde zwei Fahrer ziehen lassen. De Abstand vergrößerte sich sofort auf 10-15″ und ich konnte wenig ausrichten. Erst nach der Hälfte der Rundlauf dem ersten Wiesen Stück konnte ich den Anschluß wieder herstellen und dran bleiben.

Attacke auf der Wiese.

Attacke auf der Wiese.

Auf der Treppen/Stufen Abfahrt konnte ich mich dann wieder vorbeifahren, weil die beiden Fahrer vor mir den etwas langsameren Chicken Way nutzten.

Danach war meine Taktik relativ einfach: Von Vorne! Ich blieb im ersten Teil der Strecke vorne und versuchte immer wieder nach den unzähligen Kurven so zu beschleunigen, dass ich keine Angriffspunkte ermöglichte. Im zweiten Teil der Strecke mit den Wiesenstücken und Downhills konnte ich immer eine kleine Lücke herausfahren, so dass ich auf den ersten Metern im Wäldchen nicht direkt unter Druck stand.

Und so verlief das Rennen fast 3,5 Stunden bis sich nach und nach die Fahrer hinter mir verabschiedet haben ohne das ich das Tempo hätte verschärfen können oder müssen.

Kurz vor dem Ende wurde es nochmal knapp, ein Fahrerstellte den Anschluss her. Hier half aber ein harter Antritt über die Wiese für eine Distanz, die ich dann in der letzten Rennstunde verteidigen konnte.

Nach vorne ging nicht viel, aber es war beruhigend zu wissen, dass ich mit etwas Weitsicht und taktischer Finesse eine Gruppe kontrollieren kann. Dabei ist das Fahren von vorne für mich mental einfacher als in der Verfolgung, hier wartet noch etwas Arbeit auf mich, damit ich auch an zweiter oder dritter Position in der Gruppe dran bleibe und mental weniger nachdenke bzw. aufgebe.

Mit Konstanz zum Erfolg

Positiv war einmal mehr meine Konstanz. Zwischen der besten Rundenzeit und der schwächsten am Ende liegen 120 Sekunden, die ersten 3,5h bin ich Zeiten unter 15 Minuten gefahren (13:40 bis 14:45min) und anschließend 15min Zeiten. Zwischen den einzelnen Runden habe ich selten mehr als 10 Sekunden eingebüßt, in der Regel sogar mehrere Runden in Folge bis auf 5 Sekunden identische Zeiten abgelegt.

6 Uren van Hamme

Dabei habe ich mich in diesem Rennen ganz auf mein Gefühl verlassen, denn mit dem Garmin Edge 820 hatte ich keine aktuellen Kundenzeiten auf dem Display, sondern lediglich (bewusst) die Gesamtzeit. Geschwindigkeit und Leistungsschnitt über 3 Sekunden vervollständigten das Display Design. Insgesamt kam ich damit gut zu Recht, obwohl mir sowohl die Trittfrequenz als auch Herzfrequenz Daten normal sehr lieb sind. Es geht nicht nur ohne, es fühlte sich sogar besser an.

Nach den 6 Uren van Hamme ist vor dem Trainingslager

Die 6 Uren van Hamme waren nach dem Frankenwald Radmarathon der zweite Akt der Vorbereitung, um den Körper auf das nächste 24 Stunden Rennen vorzubereiten. Platz 9 gibt mir Selbstvertrauen und Motivation für die kommenden intensiven Trainings.

Jetzt folgen zwei harte Trainingswochen in einem Trainingslager @ Home, um den Fokus auf die Details zu setzen. Mehrere lange Ausfahrten sind genauso Bestandteil wie kürzere aber Exemplar fördernde Intervall Einheiten.

Mit dem P-Weg Ultramarathon wird die heiße Phase eingeläutet. Der Bergspurt Mönchengladbach und Gulbergen24-uurs folgen dann unmittelbar. ICH WILL ES SEHR!

Hamme mag auch Singlespeed

Was den Sport in Belgien auszeichnet? Er wird zelebriert, besonders von der Singlespeed Fraktion, die wie schon in Grembergen, mit Le-Mans Start und einer Menge Spaß auf der Strecke für gute Laune sorgten.

Bunte Trikots, bunte Bikes und eine Menge Spaß: Die Singlespeeder. Und trotzdem absolut auf Augenhöhe mit den anderen. Gegenseitige Wertschätzung und Respekt sind in Belgien eine Tugend.

6 Uren Race Hamme vs. Grembergen

WE R Events organisiert mehrere Stunden Rennen in Ostflandern. Ich selbst habe in diesem Jahr sowohl in Hamme als auch in Grembergen an den Sechs-Stunden Rennen teilgenommen.

Das Konzept ist perfekt, ein harter aber sehr zuschauerfreundlicher Kurs, mehrere Rennen an einem Wochenende und eine kleine Expo Area für den kulinarischen Genuss der Zuschauer, sowie Spielattraktionen für die ganz Kleinen.

Die beiden Rundkurse waren bei aller Ähnlichkeit sehr verschieden. Grembergen habe ich vom Untergrund härter in Erinnerung, mehr Wurzeln und noch engere Kurven. Dafür waren in Hamme mehr Rampen und Downhills im Kurs. Über die Zeit gesehen waren beide Kurse sehr anstrengend.

Mir persönlich hat Hamme etwas besser gefallen, allerdings war ich hier auch besser in Form. :-)

Ich kann aber beide Rennen wärmstens weiterempfehlen. Sowohl für Solo-Starter als auch für 2/3/4er Teams, die ebenfalls auf ihre Kosten kommen.