Twitter ist schuld! Meine Timeline besteht größtenteils aus Läufern oder radfahrenden Läufern. Und ständig twittern die übers Laufen, 10er, HMs, Marathons, Ultramarathons, ständig #allebekloppt die Menschen da! Die machen nix anderes als überall rum rennen.

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Es war klar, dass mich dieser Laufvirus irgendwann infiziert. Es war nicht die Frage ob sondern wann. Vor ein paar Wochen war es dann so weit, ich zog die Laufschuhe an.

Unverhofft kommt oft!

Ich bin Laufanfänger. Ich bin dieses Jahr erst 160 Kilometer ernsthaft gelaufen. Äh, 160 Kilometer, Alter unfassbar! Für viele meiner sozialen Umgebung ist das viel, für meine Twitter-Timeline ist das wenig, teilweise laufen die 160 Kilometer in zwei Tagen. Aber egal, ich fühle mich als Anfänger.

Ist man einmal in der Wettkampfspirale gefangen, gibt es kaum entrinnen. Grundsätzlich war es nicht geplant, dass ich dieses Jahr an einen Laufwettkampf teilnehme. Es war ein Shopping-Nachmittag mit der Familie, der dafür sorgte, dass ich in die Nähe der Laufwettkampfspirale geschubst wurde.

Sportscheck macht Werbung für den Nachtlauf

Vor der Sportscheck-Filliale im heimischen Shopping-Center stand ein Werbeplakat für einen Nachtlauf im Rahmen einer Stadtlauf-Serie. Ich spürte einen leichten Sog. Mal schauen was geboten wird: Kids-Lauf, 6,6km und 10km. Schön, ist bestimmt toll. Eine Woche später am Freitagabend schon.

Der Rest ist schnell erzählt: der Sog wurde jeden Tag stärker, bis am Donnerstag kein Halten mehr war, die Laufwettkampf-Spirale hatte mich vollends erfasst. Ups, angemeldet! Distanz? 10 Kilometer, wenn schon, dann richtig!

Ein Lauf am Anfang der Woche, bei dem ich das erste Mal etwas schneller gelaufen bin, eine 5:30er Pace, hatte mir die ungefähre Richtung gezeigt und den Entschluß zur Anmeldung leichter gemacht. Außerdem wußte ich, dass Markus auch angemeldet war. Markus hatte gerade erst den Köln-Marathon erfolgreich absolviert. Ich hoffte auf seine Schützenhilfe.

Der Druck wird von außen erhöht

Ich hatte mich auf einen Zielzeit knapp unter einer Stunde festgelegt, mehr traute ich mir nicht zu. Das erzählte ich auch Markus, als er danach fragte. Er war sich unsicher, was er eine Woche nach dem Marathon für eine Pace laufen konnte, bot aber an mir zu helfen und den Pacer zu machen. Ich freute ich sehr!

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Als ich meine Zielzeit öffentlich machte, wurde von allen Seiten der Druck erhöht. Sowohl Daniel, als auch verschiedene Twitter-Follower sahen mich in einer anderen Leistungsklasse. Nach einigem hin und her korrigierte ich meine Zielzeit auf 53 Minuten. Das war ein erreichbares Ziel. 50 Minuten oder schneller fand ich utopisch.

Am Tag vor dem Lauf holte ich die Startunterlagen stilecht mit dem Rennrad ab. 50 Kilometer hin und zurück fühlten sich gut an. Highlight war aber in voller #Lieblingsteil Radmontur durch den Sportscheck zu laufen.

Raceday

Am Renntag stand den Tag über noch Hausarbeit an und am Spätnachmittags noch etwas Serviceadministration im Autohaus. Ich war bedacht den Tag über genug zu trinken und die Speicher aufzufüllen. Pünktlich zum Feierabend fing es an zu regnen, da es aber noch knapp zwei Stunden bis zum Start waren, ignorierte ich es erstmal. Grundsätzlich war mir auch egal im Regen zu laufen.

Ich parkte bei einem Freund in der Nähe des Starts und ließ meine Wertsachen bei ihm, um dann von da aus ca 10 Minuten bis zum Eventgelände zu gehen. Dort angekommen fand ich auch bald Markus samt kompletter Familie. An dieser Stelle vielen Dank fürs Aufbewahren des  Kleiderbeutels!

Noch kurz mit Markus die Ziele besprochen, wie schon erwähnt 53 Minuten, er wollte schauen was so geht. Im Nachhinein muss ich feststellen, dass Markus auch zu den Tiefstaplern unter meinen Sportlerkollegen gehört. Dann gingen wir uns noch ein bisschen warm laufen. Dabei testen wir auch mal die einzige Steigung der Runde, hoch zu Start/Ziel. das ging eigentlich ganz gut. Da bekam ich schon erste Tips von Markus, Schrittfrequenz hoch, Schrittlänge runter.

Start frei!

Ein Start beim laufen unterscheidet sich grundsätzlich nicht von MTB-Starts. Kaum ist der Startschuß gefallen jagen alle los. Schon auf den ersten 100 Metern war Markus und mir klar, dass wir zu schnell sind, also erst mal Tempo raus und auf der langen, abschüßigen Hindenburgstraße eine schönen Rhythmus gesucht. Den hatten wir dann auch gefunden knapp unter der 5er Pace pendelten wir uns ein.

Die erste von dei Runden lief wirklich gut, die Atmung und Schrittfrequenz passte. Bei drei Kilometern liefen wir das erste Mal in die Steigung hoch zu Start/Ziel. Wieder der Tip von Markus kurze schnelle Schritte zu machen. Leichter gesagt als getan für mich Ungeübten, Markus zog auch direkt ein bisschen weg. Ich blieb aber bei meinem Rhythmus, schließlich musste ich noch zweimal hier hoch.

Hinter Start/Ziel lief ich wieder zu Markus auf, bzw nahm er ein bisschen Tempo raus. Auf dem bergab Stück erkundigte sich Markus nach meinem Wohlbefinden, ich war gerade in der Erholungsphase nach der Steigung und ließ locker laufen. Mir ging es soweit gut.

Erste Problemchen treten auf

Bei 5 Kilometern spürte ich das Einsetzen von Seitenstechen. Das kenne ich schon von meinen Trainingsläufen. Also nahm ich ein bisschen Tempo raus und atmete tiefer ein und aus, um das Seitenstechen weg zu atmen. Das klappte auch ganz gut. Auch hier nahm Markus das Tempo mit raus, um bei mir zu bleiben. Zwischendurch beruhigte er mich immer wieder, dass wir auf Zielzeitkurs lagen, er hatte die Pace im Auge und wollte Bescheid sagen, falls wir zu langsam werden.

Das zweite Mal den Anstieg hoch war schon hart, aber ich blieb an Markus dran. Das Seitenstechen war noch nicht ganz weg, also nutzte ich bergab wieder um zu erholen und mich für die letzte Runde zu rüsten. Zwischendurch fragte Markus, ob ich nicht mehr mit ihm rede, aber ich konnte ihn beruhigen, ich wollte in meinem Atemrhythmus bleiben, da war quatschen nicht angesagt. Bei 7,5 Kilometern, in einer leichten Steigung musste ich das erste Mal richtig kämpfen, um an Markus dran zu bleiben. Er hatte aber die Übersicht und motivierte mich, weiter das Tempo zu halten.

Endspurt

Die letzten zwei Kilometer waren eine Kopfsache, gewonnen und verloren wird zwischen den Ohren. Ich hielt das Tempo, auch Dank weiterer Motivation von Markus. Mein Problem war wie immer nicht die Muskelleistung, sondern die Atmung, meine Beine fühlten sich prima an, aber meine Atemfrequenz war grenzwertig.

Es ging das letzte Mal in die Steigung. Markus hielt mich zurück, nicht zu früh anzuziehen. Irgendwann war es aber so weit, er machte Ernst und zog das Tempo an. Ich konnte nur schwer folgen, aber ich überholte noch zwei Läufer, das gab Motivation und Markus rief noch zusätzlich „Komm Ansgar es darf ruhig weh tun!“. Der richtige Spruch zur richtigen Zeit! Als Markus um die Ecke zum Ziel lief rief er: „Komm das geht unter 50!“ Also nochmal alle Kraft investiert und bis in den Schmerz gelaufen!

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Hammer! 49:40, hätte ich nicht gedacht das zu schaffen! Erst Mal Markus zum Dank in die Arme gefallen, dann Medaile abgeholt! Ich war kurze Zeit fertig, aber ich konnte mich relativ schnell wieder erholen!

Fazit

Ohne Markus wäre das nicht nicht möglich gewesen. Ich hätte am Anfang überpaced und wäre zum Ende hin eingebrochen! Vielen Dank von Herzen für das Coaching und die Motivation unterwegs, Markus!

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Bei diesem Lauf habe ich auch wieder viel gelernt, das ich auch auf die MTB-Rennen übertragen kann. Und es hat unendlich Spaß gemacht! Sicher ist, dass es nicht der letzte Laufevent war.

Die nackten Fakten:

10km in 49:40 Minuten

Platz 83 von 213 gesamt

Platz 18 von 45 Altersklasse

In diesem Sinne, bleibt fokussiert, Eure Diva