In Daniels WM-Tagebuch laden wir täglich dazu ein, Daniel bei seiner Vorbereitung auf die wembo 24h Mountainbike Weltmeisterschaft zu begleiten.

Test-Tag. Quasi gleichbedeutend mit #Raceday, irgendwie. Die Gefühle sind vergleichbar, wenn sich auch die Anspannung anders anfühlt. Man fährt gegen sich und nicht mit anderen. Aber man fährt mit dem Ziel ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Frühstück, Vorbereitung… alles etwas überlegter. Noch überlegter. Und dann gehts los. Danach denkt man dann zwar immer, es wäre mehr gegangen, aber insgesamt habe ich heute für mich ein gutes Resultat erzielt.

20′ Allout sind schon extrem fordernd, meine Beine merke ich heute nachmittag mehr als nach so mancher Einheit über 4-5 Stunden mit dreifachen TSS. So ist das nunmal.

CP20 Retest

Mein Training bestand heute darin Knallgas zu geben, wie es Lukas so trefflich formulierte. Aufwärmen, 2 kürzere EB-Intervalle am unteren Ende und dann nach einer weiteren lockeren Tretphase All-Out.

Ich hasse den CP20 Test, nicht nur wegen der Rolle. Auch weil er einen immer unter Druck setzt und weil er alles abverlangt und weil ner verdammt lang ist. Man fährt quasi gegen sich selbst. Gegen die vorige Leistung. Gegen den inneren Schweinehund. Der Schweiß strömt aus allen Poren und unter dem Rad bildet sich ein See. Der Lenker ist nass, als fährt man im Starkregen und die Hitze… Genug, ihr könnt es euch vorstellen oder?

Ich habe es überlebt und mich dabei ganz wacker geschlagen. Um es vorweg zu nehmen, 20 Watt habe ich in den letzten 12 Wochen zugelegt. Als absoluter Wert bei meinem Vorhaben (24 Stunden Rennen) irrelevant aber natürlich ist eine höhere Schwellenleistung gleichbedeutend mit höheren Leistungszonen darunter. Und da wird es interessant.

Die ersten zwei Minuten des Tests waren besonders schlimm. Ich hatte Rhythmus Probleme, wie man unschwer erkennen kann und den richtigen Tritt nicht gefunden. Wertvolle Watt verschenkt würde ich sagen.

Die Pacing Strategie, untermalt mit der passenden Playlist, funktionierte trotzdem gut. Die ersten fünf Minuten knapp unter 280 Watt mit Oberlenker Haltung, dann Bremsgriff Haltung und 285 Watt. Nach 10min (283 Watt im Schnitt) hab ich dann die Schlagzahl erhöht und im Unterlenker gedrückt. Die letzten fünf Minuten waren dann Anschlag mit allem was ging – ging gut.

Theoretisch wären 290 Watt heute möglich gewesen, nichtsdestotrotz habe ich 280 Watt solide erreicht. Und verglichen mit 2016 bin ich bereits heute 3 Watt stärker als zur Höchstleistung im Sommer letzten Jahres.

Interessant ist der schwache Beginn und das mich das Loch erst um Minute 14 überraschte und nicht, wie erwartet, zur Halbzeit kam. Ich glaube mein Pacing war gut, eher verhalten als übermütig und das Ergebnis ist authentisch.

Daraus lassen sich natürlich neue Ziele für mein Saisonziel ableiten.

wembo 24h Mountainbike Weltmeisterschaft

Mit 286 Watt habe ich die von Lukas geforderten 280 Watt übertroffen, wenn auch knapp. Ohne der Lücke am Anfang wären 290 Watt möglich gewesen. Ein großartiges Ergebnis, aber kein Grund zum Ausruhen.

Noch ist zeit und jetzt beginnt die heiße Phase der Vorbereitung. Wenn das Training weiterhin so gut anschlägt, dann müsste bis zur Weltmeisterschaft die 300 Watt Marke fallen können. Und damit könnte ich im G2 Bereich durchaus 250 Watt (>3 Watt pro kg) mehrere Stunden treten, die mir am Berg in Finale Ligure ein ordentliches Tempo über die Zeit ermöglichen sollten.

Abgesehen davon stellt die 300 Watt Marke auch ein Meilenstein meiner Trainingsgeschichte dar, das Ziel ist aber selten näher gewesen.

Musik ist trumpf oder das ist der Moment

Musik machts. Einmal mehr heute ein Beweis, wie wichtig die richtige Musik für mich ist. Zum einen in der Vorbereitung auf eine zu bringende Leistung, als auch währenddessen.

Pennywise Bro-Hymne sorgte dafür, dass ich vor dem Test schon die ersten Zuckungen in den Muskeln hatte. Ich brauch diese Anspannung, um dann auch All-Out zu gehen. Rantanplan, ZSK, Die Toten Hosen sorgten für einen Punkrock Push in der ersten Hälfte, während SDP im Mittelteil den Durchhaltewillen angesprochen hat, sorgte dämm Brings und am Ende Hatebreed um alles aus mir rauszuholen.

Warum ich das so betone? Im Warm Up fühlte ich mich heute nicht zum Bäume ausreißen. Aber in meiner zufälligen Playlist Wiedergabe packte mich dann die Motivation bis in die Haarspitzen. Es war der Song „Auf uns“ von Andreas Bourani. Die Playlist erstellte ich daraufhin in der Intervallpause im warm up.

In meiner 24h Playlist befinden sich derzeit knapp acht Stunden Musik, dann natürlich im zufälligen Wiedergabemodus, aber ich kann sehr ausdauernd skippen, wenn die Musik nicht passt. Wenn sie passt, dann gibt es einen Adrenalin Schub, der neue Kräfte frei setzt.

Und sonst so?

Nach dem Test habe ich mir einen leckeren Heidelbeer-Pudding gegönnt und dann in Ruhe Dwars door Vlaanderen geschaut – die kleine Flandernrundfahrt. Jetzt geht es gleich zur Physiotherapie. Morgen ist Ruhetag und dann beginnt ein wirklich fulminantes Trainingsprogramm über 3,5 Wochen.

Bis morgen!