Am 25. und 26. März 2017 fand zum ersten Mal die Messe Cyclingworld Düsseldorf statt. Klar, dass wir von Coffee&Chainrings uns dieses Event nicht entgehen lassen wollten. Schon die ersten Fotos von der Location und den Probeaufbauten sorgten für große Vorfreude. Wir waren überzeugt von der Cyclingworld Düsseldorf, die eine große Vielfalt der Radkultur anbot. Unsere positiven Eindrücke schildern wir in diesem Bericht, nicht ohne auch auf mögliche Verbesserungen einzugehen.

Die Location

Die Cyclingworld Düsseldorf fand auf dem Industriegelände Areal Böhler in einer alten Schmiedehalle statt. Das Areal Böhler ist ein Indutriegebiet, das aus einem alten Stahlwerk entstanden ist. Allein das gibt dem gut gepflegtem Gelände ein spezielles Flair. Erreichte man das Eventgelände, wurde man im Außenbereich von einer ganzen Reihe mit Ständen der E-Bike Hersteller empfangen. Die E-Bikes konnte man, wie auch viele andere Räder, auf dem extra eingerichteten Testgelände Probefahren.

Beeindruckend waren die ersten Schritte in der Schmiedehalle. Ein wunderschöner Bau mit vielen Stahlträgern, die nicht frisch lackiert oder verkleidet waren, sondern in ihrer ursprünglichen, gealterten Form erhalten waren. Gleichzeitig sorgten die großen, verglasten Dachflächen für entspannte, offene Stimmung. Leider wurde der offene Eindruck etwas von den großen Displaywänden einiger großer Hersteller getrübt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass sich alle an das Konzept des Niedrigbaus, wie es glaube ich auch ursprünglich geplant war gehalten hätten.

Ein gutes Beispiel für diese Unterschiede waren die Stände von Rose und Wattitud. Während Rose und z.B. Velocipedo (mein absoluter Favorit, aber dazu später mehr) niedrige Ausstellungsflächen kreiert hatten, die gut überschaubar waren, ging Wattitude den anderen Weg und hatte eine große Displaywand aufgestellt, die den Raum teilte und eine Sicht auf die anderen Stände verhinderte.

Da die Cyclingworld Düsseldorf meine erste Fahrradmesse war, war ich erst mal geflashed von der Vielzahl der Angebote und Stände, so dass ich zunächst durch die Gänge schlenderte, um mir ein Bild zu machen. Dabei half dann wiederrum, dass die Stände nicht kreuz und quer angeordnet waren, sondern man sich ein System zurecht legen konnte, mit dem man die Gänge nach und nach erkundete und so auch keinen Stand verpasste.

Vielfältige Radkultur

Um es vorweg zu nehmen, die Cyclingworld Düsseldorf hat alle Bereiche der Radkultur bedient. Die Auswahl der Aussteller war wirklich hervorragend. Auf alles einzugehen, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, deshalb werde ich bestimmte Ausstellungsstände bzw. Hersteller intesiver betrachten.

Es wurden wirklich alle Erwartungen bedient, vom historischen Hochrad und klassischen Stahlrennern und Tourenrädern, über moderne Rennräder, Lastenräder und monströsen, elektrischen Enduro-Mountainbikes, bis hin zum hochgezüchteten Carbon-Zeitfahrrenner war alles dabei. Und für kunstvolle Kuriositäten war auch noch Platz. Aber es gab nicht nur Fahrräder zu bestaunen, auch Hersteller von Zubehör, wie Helme oder Sättel waren vertreten und Radkleidung wurde auch angeboten.

Ich fange mit der Kunst an, wobei Kunst ja im Auge des Betrachters liegt, ein schönes Stadtrad kann auch Kunst sein, wie ich später noch zeigen werde. Die Kunst auf den folgenden Bildern wurde von dem Künstler Axel Nass geschaffen und hat durchaus interessante Aspekte:

Gleich nebenan eine ganz andere Form von Kunst. Die Firma Velowland präsentiert ausergewöhnliche, moderne Rahmendesigns, die mir auf Anhieb gefallen haben. Die Firma Velowland stellt auch den Gewinner des  Best Urban Bike Awards mit dem patinierten Viks GT.

Und es geht mit exotischen Rahmen weiter, exotisch deshalb, weil sie aus Bambus gefertigt werden. In Sachen Stabilität sollen sie ihren Pendants aus Metall in nichts nachstehen und den Komfort eines Carbon-Rahmens haben. Zu dem sind sie Umweltfreundlich, da Bambus ein schnell nachwachsender Rohstoff ist. Besonders die Firma Urbam aus Düsseldorf beeindruckt mit ihren sehr schönen Rädern. Ein Highlight ist der E-Communter, den ich leider nicht begutachten konnte. Er schlägt die Brücke zwischen umweltverträglichen Werkstoff und E-Bike.

Womit wir grundsätzlich beim Thema E-Bike wären. Die Masse an angebotenen E-Bikes war mir für eine Radkultur-Messe schon fast zu viel. Logisch ist es ein schnell wachsender Markt, aber es gibt mittlerweile eine spezialisierte Messe für E-Bikes, so dass man die Angebote auf der Cyclingworld Düsseldorf auf ausgewählte bzw. ausergewöhnliche E-Bikes hätte reduzieren können.

Von elektrifizierten Monstern und Lasteneseln

Zu den aussergewöhnlichen E-Bikes gehören definitv die martialischen Enduro-MTBs von der Firma Bees-Bike aus Krefeld. Bei diesen MTBs hat der Kunde große Auswahlmöglichkeiten, da er aus einem großen Baukastensystem, sowohl für den Rahmen, als auch für die Komponenten, wählen kann. Und sollte man nach einger Zeit z.B. von einem Hardtail auf ein Fully umbauen wollen, ist auch das kein Problem. Sehr innovativ, wie ich finde.

Hier eine Auswahl weiterer E-Mountainbikes:

Ein weiterer großer Bereich war mit den Lastenrädern besetzt. Es gab eine Vielzahl von Angeboten auf der Cyclingworld Düsseldorf. Darunter tolle variable Lösungen und richtige Transportfahrräder. Mit einem Modell habe ich mich intensiver beschäftigt und es auch Probegefahren, das holländische Dolly Lastenrad. Es bietet eine große Wanne in der bis zu 80kg Last Platz haben. Bei einer solchen Last lohnt sich natürlich ein E-Antrieb, den ich auch testen konnte. Zuerst war es beim Rangieren in der Übernahmezone der Teststrecke etwas unhandlich, aber sobald ich unterwegs war, konnte ich feststellen, dass das Lastenrad sehr gut zu fahren ist und die Handlichkeit im Fahrbetrieb sehr gut ist.

Räder zum cruisen und zum rasen

Es gab auch eine Handvoll Cruiser zu bestaunen. Die beiden Firmen Wattitud und Ruff-Cycles zeigten sehr schöne Modelle, wobei die von Wattitud eher für die Masse gedacht sind und die Ruff Räder sehr extravagant sind. The Ruffian war schon beeindruckend und bestach durch tollen Detailreichtum, der allerdings auch seinen Preis hat. Jedoch bekommt man auch einen hohen Gegenwert dafür. Aussergewöhnlich war der Cruiser mit Beiwagen von Wattitud, mich hätte interessiert, wie sich diese Kombination fährt. Alle Cruiser sind E-Bikes.

Räder zum Rasen, also Rennräder, gab es in unglaublicher Fülle. Dabei war eine Menge von klassischen Stahlrennrädern zu sehen, ganz aktuelle, wie auch sehr viele aus alten Zeiten. Man konnte sich gar nicht satt gucken, immer gab es etwas Neues zu entdecken und immer wieder fielen neue Details auf. Man musste sich wirklich die Muße nehmen, um die alten Räder zu bewundern. Aber logischer Weise waren auch die modernen Alu- und Carbonrennräder zu sehen. Hier einige Bilder von den Rennrädern:

Die schnellste Ausstellung

Die schnellste Ausstellung auf der Cyclingworld Düsseldorf hatte definitiv Cervélo. Hier gab es sehr viel Carbon, meist aerodynamisch optimiert und mit allerlei feinster Technik-Kultur. Highlight bei Cervélo war das Highend-Triathlon-Geschoß P5X. Aerodynamisch ausgereizt, Schaltung elektrifiziert und Gewichtsreduktion bis aufs Äußestere, konnte man förmlich spüren, dass dieses Fahrrad zum schnell Fahren konstruiert ist. Aber auch das S5 konnte sich sehen lassen. Unser Blogger-Kollege und Transcontinetal-Race 2017 Teilnehmer Torsten Frank, ließ sich eine Probefahrt bei der am Sonntag angebotenen Kuchen & Raketen Tour nicht nehmen.

Mode auf der Cyclingworld Düsseldorf

Auf der Cyclingworld Düsseldorf gab es einige wenige Stände mit Kleidung und Zubehör, wie Helme und Sättel. Ein Anbieter stach dabei besonders heraus: die Firma Alberto Pants mit ihrer Bike-Jeans. Ich selber trage die Bike-Jeans schon ein paar Monate und bin begeistert. Diese speziell auf Fahrradfahrer ausgelegte Jeans gehört definitv zur Fahrrad-Kultur und ihr werde ich einen eigenen Bericht hier im Blog widmen.

Meine persönlichen Highlights

Es gab zwei Highlights für mich auf der Cyclingworld Düsseldorf. Das erste war der Stand von Bike-Components. Der Content dieses Standes war einzig und allein das neue Vortrieb Modell 1, das erste von Bike-Components selbst entworfene und entwickelte Communter-Bike. Für mich ist Bike-Components mehr als ein Fahrrad und Ersatzteile-Händler, für mich ist der Laden auch ein Teil Radkultur. Auf dem Stand traf ich Holger und Julian, die federführend bei der Entwicklung des Modell 1 waren. Im Gespräch mit den beiden konnte ich den Enthusiasmus und die Leidenschaft für dieses wirklich tolle Projekt spüren. Das Rad wartet mit allerlei Detaillösungen auf, an denen man sieht, hier wurde mit technsichem und praktischem Verstand konstruiert. Leider habe ich vor lauter begeisteter Quatscherei vergessen Fotos zu machen. Ich hoffe, dass ich das für Euch nachholen kann. Vielleicht in einem eigenen Bericht über das Vortrieb Modell 1, verstehste Holger? ;-)

Es ging in unserem Gespräch nicht nur um das Modell 1, sondern auch um das neue Kettenblattsystem von OneUp, dass exklusiv von Bike-Components angeboten wird. Hier bin ich mit Holger in Kontakt, da wir das System für den Einsatz bei der MTB-WM in Finale Ligure testen wollen.

Mein Lieblingsaussteller

Mein persönliches absolutes Highlight war der Stand von Velocipedo. Dieser Stand war, genau wie der von Bike-Components, optisch komplett auf die ausgestellten Räder eingerichet. Nur niedrige Podeste für die Räder, eine kleine Theke und die Räder sonst nichts, toll!

Velocipedo ist einen Edel-Fahrradschmiede aus Halle, die für Ihre Kunden Einzelstücke und Kleinserien von wirklich großartigen Rädern produziert. Toll dabei ist, dass eine große Bandbreite angeboten wird, es gibt sowohl Communter und Tourenräder, als auch Rennräder und das mit ganz verschiedenen Antriebskonzepten. Ich habe mich lange mit Matthias, dem Gründer von Velocipedo unterhalten und erfahren können mit welcher Leidenschaft er seine Räder designd und konstruiert. Es ist unglaublich, wie detailverliebt seine Räder sind und wie alle Designelemente 100% zusammen passen. Auch bei der Wahl der Komponenten hat Matthias ein hervorragenden Sinn für Ästhetik.

An dieser Stelle muss ich mich bremsen, sonst hör ich mit dem Schwärmen nicht auf und lasse die Bilder für sich sprechen. Anmerken möchte ich nur, dass Ihr die Räder mal live anschaut, wenn sich die Möglichkeit bietet, die Fotos können die ganze Qualität der Arbeit bei Velocipedo nicht wiedergeben.

Was gab es sonst noch

Natürlich gab es auch Kaffee, stilecht gebrüht auf einem Barista-Bike und lecker war er noch dazu. Die übrige Gastronomie war qualitativ hochwertig und dadurch auch hochpreisig, vermutlich der Düsseldorf-Zuschlag. Kultur hat das auf jeden Fall und gemütlich war es auch.

Neben dem Testgelände direkt an der Schmiedehalle, gab es im hinteren Bereich noch ein Offroadtestgelände, um die E-MTBs auf Herz und Nieren zu prüfen. Außerdem wurde auf diesem Gelände am Samstagabend ein Cyclocross-Rennen ausgetragen. Die Wellen und Anlieger dieses Geländes machten dann auch der Maren viel Spaß, die es sich nicht nehmen ließ, an dem Rennen mit dem gerade aus dem Coffee&Chainrings Fuhrpark erworbenen Crosser teilzunehmen. Ich als Zuschauer fand die Strecke toll!

Fazit über die Cyclingworld Düsseldorf

Es war toll! Die Premiere der Messe war absolut gelungen, bestimmt ein Ergebnis der langen und professionellen Vorbereitung. Die Vielfalt der Anbieter war toll und die Präsentation sehr gut, obwohl ich mir für das nächste Jahr wünsche, dass die großen Firmen ihre Stände dezenter gestalten. Das ursprünglich geplante Niedrigbau-Konzept für alle Stände würde dafür sorgen, dass die Ausstellung noch offener und freundlicher würde. Bestes Beispiel waren z.B. Velocipedo oder Urwahn-Bikes, dezent und auf das wesentliche reduziert, die Räder. Reduzieren könnte man auch die Menge der E-Bikes und stattdessen mehr individuelle und kleine Manufakturen einladen.

Die Location als solches ist extrem gut geeignet für diese Ausstellung, das Ambiente passte 100%. Auch das Außengelände passte sehr gut, toll dass genug Platz da war, um die Testfahrten so durchzuführen. Auch die Organisation der Probefahrten, sowohl durch den Veranstalter in Bezug auf Sicherheit, als auch durch die Anbieter war perfekt.

Das Rahmenprogramm kann ich nur vom Hörensagen her beurteilen. Die Vielzahl von geführten Touren am Sonntag war toll. Auch den Cyclingworld Düsseldorf Award finde ich toll, obwohl ich nichts von der Verleihung und Ehrung mitbekommen habe. Ein weiterer Verbesserungsvorschlag, die Durchsagen und Ankündigung von Interviews und Events war schlecht bis gar nicht zu verstehen. Hier würde ein festes Programm, das an den Eingängen angeschlagen ist, helfen.

Für mich war es die erste Fahrradmesse, ich habe viel gelernt und es hat sehr viel Spaß gemacht. Beim nächsten Mal weiß ich, was ich besser in meiner Berichterstattung machen kann. Solltet Ihr noch Vorschläge oder Anmerkungen haben, lasst es mich bitte in den Kommentaren wissen!

Ich freue mich auf die Cyclingworld Düsseldorf 2018 am 07. und 08. April.

Bis bald, Eure RacingDiva Ansgar