Henning ist ein Arbeitskollege von Tim, der am Samstag beim Rocky Mountain BIKE Marathon nicht nur sein erstes Rennen bestritt, sondern auch seine ziemlich ersten Mountainbike Kilometer. Irre der Typ, vor dem nicht nur Daniel den allergrößten Respekt hat! Danke für deinen Beitrag Henning!

Auf die harte Tour oder: Wie ein Läufer das fahren lernte…

Zeitsprung rückwärts: Wir schreiben den letzten Sonntag im April: Endlich Hermannslauf 2016. Tim bewegt seine 1000 Watt Beine elfengleich durch den Teutoburger Wald, pure Quälerei für einen ambitionierten Biker mit entsprechend ausgeprägter Beinmuskulatur… Seinen Einsatz weiß ich sehr zu schätzen, ich versprach hoch und heilig es mit einer Revanche zu entlohnen…

Ich würde als Läufer an einem Bike Marathon teilnehmen, der Angstschweiß stand mir beim Aussprechen dieser Worte förmlich schon auf der Stirn.

Ein Jahr später: Wieder Hermannslauf, gelogen, kurz davor: Mein vergangenes Versprechen hatte schon fast meinen Hinterkopf verlassen, als, so ziemlich direkt nach Hochladen meines letzten Trainingshalbmarathons bei Strava, Tim das Ganze mit den simplen Worten kommentierte: „Und dann ab aufs Rad“

Da war er wieder, Angstschweiß. Versprochen ist versprochen. Verdammt, noch drei Wochen bis zum Bike Marathon in Willingen. Mein Fahrrad: Fitness-Crossbike, mittlerer dreistelliger Eurobereich, mit 60mm Feder!-Gabel, 32mm Schwalbe Marathon Bereifung und Schutzblechen. Meine Vorerfahrung: Anderthalb Jahre Bielefelder Stadtverkehr auf geteerten Radwegen. Mein Retter: Tim!!!

Kurz geschnackt, 2 Tage später empfange ich 29er Contis per Post aus Tims Kramskeller, wie neu. Es folgt Seelsorge sowie Fahr- und Trainingstipps per Fernsprechgerät. „Wenn einer links ruft, will der links überholen und nicht, dass Du links rüberfährst.“

Hennings „Waffe“ für Schlamm, Matsch und grobes Geläuf.

Danke Tim. Er denkt sogar daran Anfängerwissen zu vermitteln, als Läufer ist man in Sachen Verkehrsregeln eher „Kreuz und Quer“ gewohnt. Ich hau drei Wochen lang rein, meine Traillaufstrecken werden mit dem Bike beackert, pendel durch den Wald zur Arbeit. Ich versuche HM zu sammeln und meine Scheu downhill abzulegen, was mir sogar fast gelingt.

Letzter Zeitsprung: 19.05.17 „Tag der Wahrheit“. Extra frei genommen, Fahrrad, Zelt und Klamotten eingepackt, ab nach Willingen… Ankunft im strömenden Regen, Zeltwiese schon fast voll… Downhiller… Die coolen Jungs mit dem losen Mundwerk, ich soll sie im Verlauf des Wochenendes noch besser kennenlernen.

Der Himmel reißt auf, Petrus mag mich… er gibt mir ein 20-minütiges Zeitfenster das Zelt aufzubauen.

Ich packe mein Fahrrad aus, die Jungs belächeln mich. Am Abend stellt sich heraus, an deren Fahrradhalterung hängen mal just 14.000€. Zwei Fahrräder… Downhiller, ganz normal sind die nicht, aber liebenswert…

Samstag, 6 Uhr: Der Wecker klingelt, mir trotz Oropax immer noch die Ohren, die Jungs haben bis kurz nach drei gefeiert… Hat schon einer schallgeschütze Zelte erfunden? Patent hiermit angemeldet.

Los geht´s. Ich steh pünktlich 7:15 am Start, halb 8 geht´s los… Dachte ich… Startgruppe C startet erst um 8 Uhr. Egal, Tim´s Frau kommt nach seinem Start noch auf´n Schnack vorbei und nimmt mir ein wenig die Nervosität. Feiner Zug von ihr.
Das Rennen an sich läuft gut, bergauf liegt mir und ich kann einige Plätze gutmachen.

Ich muss leider häufig Rast einlegen, meine Einstellarbeiten die letzten Wochen beinhalteten leider nicht den kleinsten Gang auf dem Ritzel, brauchte ich bis dato noch nie. Kette springt ab, im Eifer des Gefechts werde ich während des Rennens weitere drei Male darauf reinfallen.

Bergab merke ich warum ein Fitness Bike für solche Aktivitäten nicht ausgelegt ist, die Gabel federt aber dämpft nicht. Ich fahre so, wie ein Karnickel läuft, ein Fakt der mich natürlich ausbremst und so manches Mal den mir bekannten Angstschweiß zurückkommen lässt. Fahren lernen auf die harte Tour! Ich hab es nicht anders gewollt, ein Psychiater hätte seine Freude an mir.

Egal, ich wollte das Rennen überleben und nicht letzter werden, soll wohl irgendwie klappen.

Außerdem bleiben mir ja noch die Bergaufsegmente, einige Fahrer sehe ich im Verlauf des Rennens gefühlte zehn Mal, bergan überhole ich, bergab die anderen.
Nach der ersten Runde ist der Spaß für mich vorbei, ich wollte mit Würde ankommen und nicht als totales Wrack.

Ist mir gelungen, ich komme überglücklich an, nur leicht blessierte Waden, die Freestyle Pedalen bohrten sich ins Fleisch, als Anfänger hab ich mich nicht an Click-Pedalen getraut, zumal diese den Wert meines Fahrrades exorbitant gesteigert hätten ;-)

Ungefähr drei Stunden später bekomme ich, frisch geduscht und nach einem Weizen mit den coolen Downhill-Jungs, Nachricht von Tim, er biegt gleich in Richtung Ziel ab. Immer online der Mann.

Wir empfangen ihn dort, hat stark angefangen und ist gut durchgekommen. Nur er und der Teufel wissen, was ihn die dritte Runde nicht fahren ließ. Aber auch er scheint glücklich und zufrieden. Nach Daniels dritten Runde trifft man sich wieder im Ziel um selbigen in Empfang zu nehmen.

Ich fühle mich direkt gut integriert, Strava-Verbindungen wurden geknüpft.
Hut ab, Ihr Coffeandchainringler, Ihr seid schon ein duftes Team.

Nach einer Pizza, Schnitzel mit Pommes, einigen Schnäpsen und Gin-Tonics trennen sich unsere Wege. Ich versuche zu schlafen, gehe auf Nummer sicher und trinke mit meinen Zeltnachbarn noch einen. Bettschwere war mein Ziel, mein Plan ging auf.
Ich schlafe wie ein Stein und sitze Sonntagmorgen um 6:47 bereits im Auto Richtung Heimat.

ZahlenDatenFakten: 54 km, 1.546 HM, 03:27 h, Platz 261 von 809 Männern auf der kurzen Strecke. Ich freu mich, bin schon fast schockiert, so bin ich im oberen Drittel mitgefahren. Das realisiere ich heute, einige Tage nach Zieleinfahrt, erst so richtig.

Beste Grüße,
Henning

PS:
Willingen, Du hast mir viel gegeben, hast mich Demut gelehrt, mich aber auch stärker gemacht.

Ich weiß nun, dass es auch was Anderes neben dem Laufen gibt, ich bin leicht angefixt und werde „das Radeln“ ganz bestimmt mit in meine Trainingsroutine einfließen lassen. Offroad versteht sich.

Tim, plünder schon mal Dein Teilelager;-)