Teil eins meines Rennebrichts über die wembo 24h Solo Mountainbike Weltmeisterschaft 2017 beginnt mit dem Morgen vor dem großen Rennen. Um Punkt sechs Uhr klingelt der Wecker und der #raceday beginnt. Es ist Weltmeisterschaft…

06:00 Uhr: Der Wecker klingelt. Eine letzte Umarmung, kurz durchatmen und dann verlasse ich das Wohnmobil. Draußen bereitet Ansgar bereits den Kaffee vor, während ich routiniert Richtung Klo und Waschbecken laufe. Alles wie immer und doch ganz anders eben.

06:05 Uhr: Über Nacht wurde die Strecke abgeflattert, nicht einmal Ansgar merkte etwas. Obwohl er immer alles hört…

06:10 Uhr: Dixi Klos haben in Italien eine besondere Schwäche, denn sie werden über die Kloschüssel gesäubert. Leider ist der Schlauch nicht dicht und die Scheiße in flüssiger Form auf dem Boden des Klos. Geile Sache morgens um 6!

06:20 Uhr: Die Waschbecken sind toll. Zähne putzen beruhigt. Gleich gibts Kaffee. Aber auf dem Weg zurück genieße ich die Ruhe. Ich höre mein herz bei jedem Schritt pochen. Heute ist ein besonderer Tag, es ist WM und ich spüre das bei jedem Schritt.

06:29 Uhr: Die Wiese am Weinhang ist noch immer nicht präpariert. Hier soll in 3,5h WM sein?

06:30 Uhr: Stuhl, Kaffee, Abstand. Ansgar weiß genau was ich brauche und stört mich nicht unnötig. Während ich versuche mich zu beruhigen, macht Ansgar das Rad startklar. Ich will nichts in den Rückentaschen und deswegen müssen Co2 Pumpe, Kartusche und Co. festgeklebt werden.

07:00 Uhr: Altah! Weltmeisterschaft. Ich bin völlig neben der Spur. Alle sind wach und aufgeregt, niemand lässt es sich mir gegenüber anmerken. ich spüre es trotzdem :D

An Tagen wie diesen, I will be heared, Auf uns, die ganze Nacht und immer wieder bleib positiv.

Kraft, Ausdauer, Mut, Willensstärke. Willensstärke bedeutet mentale Fitness. Musik ist ein wichtiger Bestandteil für mentale Fitness.

07:30 Uhr: Noch 2,5 Stunden. Es geht los für mich. Ich beginne mein Warm Up, ausgetüftelt mit Thorsten. Zuerst mein morgendliches Blackroll Ritual, dann ein Dehn-Package aus verschiedenen Übungen für den gesamten Körper.

Ich blende alles andere aus. Menschen, Autos, Stimmen… Ich bin fokussiert. In Gedanken bin ich im Rennen. Im Rhythmus. Das Herz pocht und ich genieße diese Anspannung. Sie ist so gewaltig wie nie zuvor.

08:10 Uhr: Ich frühstücke, während ich die Fahrerbesprechung lausche. Ansgar nimmt daran teil, mein Rad hat er längst im Velodrome geparkt. Wir werden vor dem Start alles ansehen, ich will da nicht hin, möchte meine Vorbereitung nicht stören.

08:30 Uhr: Ansgar kehrt zurück. Aufregung… Musik ist während des Rennens verboten. Ich versuche das auszublenden. Ärgere ich, hatte ich doch meine Playlist bestens vorbereitet. Ansonsten das Übliche bei der Fahrerbesprechung.

08:35 Uhr: Geduldiges Abwarten, alle sind angespannt. Lockere Sprüche von mir, die alles andere als locker über die Lippen kommen. Aber ich muss locker werden. In mir ist zu viel Anspannung, zuviel Adrenalin.

08:40 Uhr: Ein letzter Gang zum Klo für 26 Stunden. Vorher meiner Schwester noch erklärt, dass sie keine Sorgen haben muss. Zum Pinkeln wird angehalten, das große Geschäft gibt es während des Rennens hoffentlich nicht. Wenn doch, halte ich an. Alles andere sind merkwürdige Geschichten und Phantasien…

08:50 Uhr: Irgendwie schaffe ich es mich zu beruhigen. Die Wiese wird gerade gemäht. Die Strecke scheint fertig zu werden. Noch 70min bis zur Weltmeisterschaft.

08:55 Uhr: Anziehen. Medjopul Datteln essen. Ich ziehe mich ins Wohnmobil zurück. Musik, Herz rasen, Gänsehaut, Tränen, Vorfreude, Aufregung… keiner bekommt das mit.

09:15 Uhr: Ansgar weckt mich aus meiner Trance. Ich verabschiede mich von meinen Hasis, letzte aufmunternde Worte ans Team und dann gehe ich los. Gehen? Ich schwebe zum Start mit den Hosen und an Tagen wie diesen im Ohr. Ansgar dient als Verkehrsregler und Beschützer.

09:25 Uhr: Ich betrete die Expo Area und bin locker. Alles andere schlucke ich runter. Du musst jetzt Ausstrahlung beweisen. Ansgar zeigt mir mein Rad und meine Schuhe. Perfekter Platz!

09:35 Uhr: Ich hab Durst und meine Flasche vergessen. Ebenso mein Nasenpflaster. Ansgar rennt los. Ich warte. Fokus, Konzentration… ich bin bereit.

09:55 Uhr: Wasser. Nasenpflaster. Alles sitzt. Ich reihe mich in den Startblock ein. Ohne Fahrrad, Arm an Arm mit den anderen. Ungewohntes Gefühl.

10:05 Uhr: Das war kein Herz klopfen, sondern der Startschuss zur wembo 24h Solo Mountainbike Weltmeisterschaft 2017…