Freitag! #raceday! Dieser eine Tag, diese eine Nacht, dieses eine Rennen auf das Daniel und ich seit Monaten hin arbeiten. Die vergangenen Tage Mittwoch und Donnerstag hatten mein Vertrauen in das Team auf 100% gestärkt. Dass Daniel zu 100% vorbereitet war, wußte ich. Es konnte los gehen. Es musste endlich los gehen! Es sollten spannnende 24 Stunden für Daniel und das Team werden.

Eine Überraschung und Morgenrituale

Doch es war noch einiges zu tun bis Daniel um 10 Uhr im Renntempo auf die Strecke geht konnte. Um 6 Uhr war ich hell wach. Als ich das Zelt verließ, traute ich meinen Augen nicht: in der Nacht hatten die Veranstalter endlich die Strecke abgeflattert. Und ich hatte nichts davon mitbekommen! Normaler Weise höre ich jeden Ameisenfurz bei meinem leichten Schlaf, aber das hatte ich nicht gehört.

Als erstes kümmerte ich mich um Daniels Kaffee, der war extrem wichtig. Während Daniel seine Morgenroutine mit Zähneputzen usw verrichtete deckte ich das Technik- und Verpflegungsbuffet auf und kontrollierte erneut ob ich alle Werkzeuge bereit habe. Nachdem Daniel wieder im Camp war, checkte ich ein letztes Mal sein Rad. Luftdruck, Kette geschmiert, alles perfekt! Ich änderte noch einmal die Befestigung der CO2-Kartusche am Oberrohr, die saß mir etwas zu locker.

Daniel sitzt in seinem Stuhl und hört Musik. Er braucht Ruhe, ich brauche Ruhe, es liegt viel vor uns. Das erste Mal wird mir richtig klar, wie sehr wir auf einander eingespielt sind. Gegen 7 Uhr werden alle anderen wach. Alle wirken leicht angespannt und knistern liegt in der Luft. Gegen 7:30 Uhr startet Daniel sein Aufwärmprogram mit der Blackroll. Um 8 Uhr ist die Fahrerbesprechung angesetzt. Ich habe gestern schon geklärt, dass ich als Manager statt Daniel daran teilnehmen kann.

Fahrerbesprechung und Startplatz auswählen

Gegen kurz vor 8 Uhr mache ich mich auf den Weg zur Fahrerbesprechung. Grundsätzlich ist die Teilnahme Pflicht aber erstens kontrolliert die Teilnahme niemand und zweitens würde sich niemand diese tolle Atmosphäre entgehen lassen. Nach der Begrüßung und der Dankesreden für alle rund um das Event, werden die Details bekannt gegeben. Das Übliche wie man es von anderen Rennen kennt, die einzige Ausnahme: Musik hören ist verboten, jedenfalls über Kopfhörer. Das Startprozedre wird besprochen und dann ist dieser Punkt auch schon erledigt.

Das Platzieren des Rad ist zwischen 8:45 Uhr und 9:30 Uhr erlaubt. Ich mache mich pünktlich auf den Weg zur Wechslezone mit Daniels Rad. Ich möchte den optimalen Platz haben. Kurz umgeschaut und überlegt: es ist besser Daniel muss ohne Rad durch die Reihen laufen statt mit, also einen Platz am Ausgang der Wechslezone ausgewählt. Auch noch einen ganz am Ende der Reihe ergattert, perfekt!

Es muss aber alles 100% stimmen, also frage ich noch mal bei einem Menschen vom Staff nach, ob da wo das Rad steht auch wirklich der Ausgang ist und wo die Fahrer dann lang fahren. Mir wird bestätigt was ich schon vermutet hatte, bester Platz! Jetzt geht es an die Vorbereitung: Schuhe mit offenen Verschlüssen an das Hinterrad gestellt, Garmin eingeschaltet, Leistungsmesser geweckt und kalibriert und zum Schluß Powerbank ans Garmin angeschloßen. Und nochmal alles der Reihe nach kontrolliert. Es MUSS perfekt sein!

Letzte Konzentrationsphase und Startbegleitung

Zurück im Camp berichte ich Daniel, dass alles perfekt ist. Er zieht sich ins Wohnmobil zurück um sich noch einmal zu fokussieren. Das Team wartet gespannt. Um 9:15 Uhr hole ich Daniel aus seiner Konzentrationsphase und wir machen uns zusammen auf den Weg zum Startbereich.

Ich zeige Daniel sein Rad und wo er nach dem Wechel von Laufschuhen zum Rad lang fahren muss. Er ist zufrieden, geht aber noch einmal selber alles kontrollieren. Absolut nachvollziehbar. Danach machen wir uns auf den Weg durch das Gewusel der Expo zum Startbogen und treffen dort noch Marie und Marko, die als Zweier-Team starten. Eine willkommene Abwechslung zur Entspannung. Natürlich gibt es noch ein Foto der drei Fahrer.

Danach kehren Daniel und ich zurück zur konzentrierten Ruhe. Wir haben die Wasserflasche und das Nasepflaster vergessen! Nach kurzer Überlegung laufe ich los. Noch ungefähr 8 Minuten bis zum Start. Alter! Im Laufen zähle ich die Zeit herunter: 2 Minuten bis zum Camp, alles zusammen suchen 30 Sekunden, zurück zu Daniel 2 Minuten macht maximal 5 Minuten, sollte passen. Und es passt! Daniel hat Wasser, das Pflaster sitzt, nur noch wenige Minuten bis zum Start.

Meine Wahrnehmung ändert sich

Wir verabschieden uns! Ich wünsche Daniel viel Erfolg und er dankt mir für alles. Es bedarf keiner großen Worte. Wir beide wissen um was es geht! Gänsehautmoment. Ich muss ihn gehen lassen, jetzt ist er erst einmal auf sich allein gestellt. Komisches Gefühl, sind wir doch viele Trainings zusammen gefahren, jetzt muss er alleine los! Für 24 Stunden! Ich habe Respekt!

Das erste Mal wird mir die Aufgabe als Betreuer richtig bewußt. Ich habe schon oft die Funktion des persönlichen Betreuers von Fahrern in der Formel 1 hinterfragt und konnte mir schwer vorstellen, wie es ist diese Funktion auszufüllen. Das hat sich mit diesem Wochenende geändert. Jetzt weiß ich wie es sich anfühl für „seinen“ Fahrer da zu sein, zu schauen dass es ihm gut geht, dass alles da ist und alles funktioniert. Und vor allem dass der Fahrer sich wohlfühlt und eine Person seines Vertrauens an der Seite hat, auf die er sich verlassen kann. Und eins ist mir ganz bewußt: es macht sehr viel Spaß und fühlt sich toll an!

Das Rennen startet turbulent

Als Daniel sich in die Startaufstellung begibt, laufe ich zur Wechselzone um den Wechsel aufs Rad zu beobachten und Fotos zu machen. Als erstes dürfen die Elite-Fahrer und die Single-Speed-Fahrer starten. Und dabei gibt es die ersten Szenen die mir Sorgen machen. Die ersten Fahrer haben auf Ihr Rad gewechselt und begeben sich auf die Strecke kurz nachdem der Start für die restlichen Solo-Fahrer erfolgt ist. Da die Strecke hinter der Tribüne von den Läufern und den Radfahrern zusammen genutzt wird, kommt es zum Unfall.

Die ersten Elite-Fahrer fahren genau in die Menge der vorbei laufenden Fahrer und der erste Fahrer mit Rad stürzt. Das gibt kurzzeitig einen Stau und ich hoffe, dass sich niemand verletzt hat. Meine Sorge gilt allerdings Daniel, der die Stelle in wenigen Sekunden passieren sollte. Glücklicher Weise hat sich der Stau aber schnell aufgelöst und als Daniel gelaufen kommt ist alles frei. Und er kommt auch ohne Komplikationen durch die Gefahrenstelle.

Danach erfolgt ungeduldiges Warten auf Daniel. Dabei mache ich mir Gedanken was passiert wenn jetzt die Teams starten und Daniel genau in diese Gruppe der Läufer starten muss. Der Veranstalter reagiert aber sofort auf die Situation und verlegt den Start der Teams ein paar Minuten nach hinten. Daniel ist also außer Gefahr.

Wir haben ein Rennen

Viel zu lange Zeit später erreicht Daniel die Wechselzone. Das Umziehen der Schuhe nimmt Zeit in Anspruch, aber alles funktioniert reibungslos. Zügig sitzt er auf dem Rad und begibt sich auf die Strecke! Das ganze Team war dabei und hat angefeuert. Wir haben ein Rennen! Auf dem Weg zum Camp biegt Maren zum Media-Raum ab um die Community auf den aktuellen Stand zu bringen. Der Rest des Teams geht direkt zum Camp um den ersten Flaschenwechsel zu erwarten. Es stehen 24 Stunden in anderer Zeitrechnung an!