Meine Saison 2017 ist mit dem Hamburg – Berlin Zeitfahren zu Ende gegangen, leider ganz anders als ich es mir vorgestellt habe. Ein Vorderrad defekt zwingt mich zur Aufgabe nach knapp 170km und statt epischer Ankunft in Berlin Gatow reise ich enttäuscht nach Hause.

Sportlich ist das HHB Zeitfahren von geringen Wert, ist das Zeitfahren doch eher mit einer langen RTF gleichzusetzen. Aber es gibt eine Zeitmessung und die Strecke ist lang genug, um nicht trödeln zu wollen.

Ich habe das Zeitfahren für mich insofern ernst genommen, als dass ich von den 270km 90% im Wind fahren wollte. Dadurch war natürlich die Durchschnittsgeschwindigkeit geringer als möglich aber wenn schon 270km, dann so schwer wie möglich.

Das Wetter war gnädig, gleich im doppelten Sinne: Es war warm und der Wind blies schwach aus Süd-West, so dass wir meistens Seiten- zum Teil sogar Rückenwind hatten.

Aufgrund meiner prognostizierten Ankunftszeit von 10:05h bis 9:30h entscheid ich mich kurzfristig in Hamburg früher zu starten, so dass ich um 07:01 Uhr statt um 07:48h losgefahren bin. Das war alles kurzfristig und unspektakulär möglich.

Mein Zug sollte ab Spandau um 19:03 Uhr abfahren, so dass mir ausreichende 12 Stunden für die 270km blieben. Perfekt.

Nightride Feeling bei HHB 2017

Während ich bei 24 Stunden Rennen irgendwann eine Lampe montiere, startet man bei HHB traditionell im Dunkeln. Ich entschied mich für die kleine Lupine Piko, die sich als perfekter Begleiter zeigen sollte.

Ein kleiner Verfahren nach 5km vor der Brücke in Geesthacht, wo mich mein Garmin dank Strava Route Crosser like durch einen Wald führte, deren Strecke vor einem umgefallenen Baum abrupt endete. Umdrehen, auf der Straße bleiben und dem Track etwas abseits folgen. Check. Mit knapp 31kmh beendete ich die erste Stunde und führte eine 3köpfige Gruppe an.

Björn und sein Begleiter fragten mich, ob sie sich an mir dranheften dürfen. Für Führungsarbeit fehle ihnen die Kraft. Ich fand das sehr willkommen, zum einen konnte ich meinen Stiefel über 180-210 Watt fahren und zum anderen hatte ich etwas Gesellschaft. Nett war auch, dass Björn fragte, ob das driften in Ordnung sei. Der erfahrene HHB Pilot entpuppte sich im weiteren Verlauf bis zur ersten und einzigen Kontrolle des Rennens (km94) als gute Navigationshilfe. Danach trennten sich unsere Wege leider. Björn, es hat mir Spaß gemacht!

HHB 2017: 90km alleine im Wind

Nach der Kontrolle heftete ich mich an ein Paar heran, die mir aber auch im Windschatten viel abverlangten, allerdings war das Fahren so sehr unrhythmisch für mich.

Während das Duo weiter der Landstraße folgte, fuhr ich auf dem Deich. Als Mountainbiker ist man froh auch mal etwas Schotter unter die Pneus zu bekommen. Mit knapp 32kmh fuhr ich konstant über meiner Planung und langsam aber stetig begann das Rechnen. Trotz Stopp bei der Verpflegung hatte ich wieder einen Schnitt über 30kmh, so dass ich eine reale Chance hatte alleine Berlin unter 9 Stunden zu erreichen.

Ich fühlte mich richtig gut und die langen Geraden (stellenweise 10-10km ohne Richtungsänderung auf dem Garmin) sorgten bei mir für gute Laune. Ich brauch eben Monotonie. :-)

Kurz nach der Rennhälfte kam die erste (!) Ampel, die auch direkt rot war. Ich weiß nicht warum, aber beim Losfahren verlor mein Vorderrad Luft. als ich anhielt und Luft nach gab, konnte die ausreichend vorhandene Milch nichts machen, stattdessen sprang der Reifen sogar aus der Felge. ÄTZEND! Also Schlauch rein und weiter.

Der Defektteufel 2.0

Doch trotz des Wechsels auf einen Schlauch war ich nicht zufrieden. Das Rad hatte einen Seitenschlag und bei jeder Radumdrehung schlug die Felge an die bereits komplett geöffnete Bremse. Aber es hielt.

Ich achtete darauf nur noch vorsichtig abzubremsen und fuhr trotzdem meinen Stiefel weiter. Mit 29,5kmh lag ich im Bereich von 9:15h, also mit Reifenpanne absolut gut. Und nur noch 100km auf der Uhr. 3:20h bis zum Saisonende quasi.

Aber auf ein mal ging alles ganz schnell. Auf der Landstraße vor Nitzow, direkt an der Grenze von Sachsen Anhalt nach Brandenburg begann das Vorderrad heftigst zu eiern und noch bevor ich abbremsen konnte, platze der Schlauch. Ende und das mitten im Nirgendwo.

Perfekte Hilfe vom Audax Club Schleswig Holstein

Was macht man jetzt? 100km bis Berlin, 19km bis zum nächsten Bahnhof. In einem Dorf kurz hinter Sachsen Anhalt? Ganz wohl war mir dort nicht.

Ich rief den Veranstalter an und Jochen, der HHB zum ersten Mal als Organisator durchführte, meldete sich. Er bat um eine kurze Orientierungspause und würde sich melden, was er 15min später tat und mir mitteilte, ich solle warten, denn er werd mich abholen.

Ich war so sauer auf meinen defekt, dass ich diese Hilfsbereitschaft anfangs nicht hoch genug würdigen konnte. Als Jochen kam, hatte ich nicht nur einen wunderbaren Helfer auf meiner Seite, sondern auch zwei ausgesprochen nette Gesprächspartner auf der Autofahrt über 2 Stunden nach Berlin, die meinen Ärger vergessen machten.

Selbstredend, dass ich für diese Hilfe eine Spende an den Verein tätigte.

HHB 2017 ein Desaster?

Was bleibt mir als Fazit? Dass das „Rennen“ besser lief als erwartet? Das ich viel mehr Spaß, Motivation und Leidenschaft an den Tag legte, als gedacht? Die Frustration nach 6:00h, dass ich mir um die letzten drei Rennstunden der Saison brachte?

Ich war letztendlich mehr frustriert als wäre ich gar nicht gefahren. Aber auch nur, weil ich viel mehr Spaß auf der Strecke hatte als angenommen. Weil mir die Langdistanz einfach tierisch viel Freude bereitet. Weil ich schnell genug war und weil der 36 Stunden Trip mit der Ankunft sub9h einen krönenden Abschluss gefunden hätte. Hat er aber nicht.

Das HHB Zeitfahren 2017 lief konstant gut.

Stattdessen reiste ich frustriert ab. Selbst die Zugfahrt konnte ich nicht mehr wirklich genießen. So ein Ärger!

Fazit

Mit etwas Abstand betrachte ich das alles wieder anders. HHB 2017 war ein fantastisches Rennen und mein dnf lässt nur einen Schluss zu: HHB 2018 ist gesetzt.

Aber das Wochenende war viel mehr als nur der dnf.

In 36 Stunden durch Norddeutschland

Mein 36 Stunden Trip von Erkelenz nach Hamburg mit dem Rad nach Berlin und zurück nach Erkelenz war eine tolle Erfahrung. Sportlich besser als erwartet und am Ende sicherlich enttäuschend. ABER.

Aber, ich habe endlich Sarah kennengelernt. Das vegane Schaaf aus Bremen, dass uns auf Twitter seit mehreren Monaten aktiv folgt und wir in einem tollen Austausch stehen. Danke für den Kaffee und die kurzweilige Stunde am Hamburg Hbf.

Und dann war da auch noch Harald, der mich morgens um sechs fröhlich anlächelte. Endlich kenne ich eine der Ikonen aus Norddeutschland persönlich :) Harald fuhr selbst nicht bei HHB mit, sollte aber das Event über den Start hinaus verfolgen. Zuletzt darf ich in an der einzigen Bergwertung der Strecke. Harald, beim nächsten Mal mit mehr Zeit und auf einen gemeinsamen Kaffee!

Und dann war da auch noch Georg, den ich bereits letztes Jahr in Süddeutschland kennengelernt habe. Danke für das gesellige Frühstück. Und nächstes Jahr werden wir im Ziel mehr Zeit haben zum quatschen.

Audax Club Schleswig Holstein

Danke für euer tolles Event. Vielleicht hatte das Vierländereck nicht ganz den Charme wie ein altes Fährhaus, aber das Caterina war top und ihr seid alle so freundlich und hilfsbereit gewesen. Von der Befestigung der Startnummer, über die unkomplizierte Startzeitveränderung bishin zur tollen Streckenkontrolle.

Über allen steht natürlich Jochens Hilfe Leistung. DANKE <3 Bis nächstes Jahr.

Weitere Fotos von Hamburg – Berlin

  • Hans-Joachim Burkhardt
  • Andrea O.
  • Burkhard Sielaff
  • Vielen Dank an die drei Fotografen, die mehrere Stops auf der Strecke eingelegt haben, um die Teilnehmer zu fotografieren.

    Titelbild: Burkhard Sielaff, Fotos im Text: Burkhard Sielaff)