Um es auf dem Punkt zu bringen Grande Katastrophe. Und trotz aller Schmerzen, schrecklichen Erfahrungen und Defekte gab es auch genügend Momente zum Lachen und freuen. Und trotzdem fühlt man nicht so sehr die Tradition des Klassikers wie zum Beispiel bei der Flandern Rundfahrt. Dies liegt an vielen Einzelheiten. Schade, denn Tim fuhr extra für dieses Radsport Monument mit mir im Coffee & Chainrings Dress.

Sportlich gesehen lief es für mich schlecht. Um nicht zu sagen miserabel. Starke Rückschmerzen führten dazu, dass Tim und ich kurzer Hand bei der ersten Verpflegung rechts abbogen und den kürzeren Weg zum Ziel nahmen und nicht wie geplant den langen Ritt durch Wallonien wagten. Doch auch auf der kurzen Runde war meine Leistung alles andere als erwähnenswert. Also beschäftigen wir uns mit den wirklich spannenden Dingen, zum Beispiel warum die Lüttich – Bastogne – Lüttich Challenge nicht den Flair vermitteln kann wie die Ronde van Vlaanderen oder – vom Hörensagen – das Amstel Gold Race oder Paris – Roubaix.

Der Check-In verlief ebenso problemlos wie bei der Ronde van Vlaanderen. Obwohl ich mich erst vor Ort angemeldet habe, hatte ich keine Wartezeit. Time Startunterlagen waren ebenso schnell abgeholt. Hier haben die Belgier einfach die Nase vorn, trotz der diesen Starterfelder. Auch in Lüttich waren 8.000 Fahrer unterwegs. Die Parkplatzsuche zuvor war etwas tricky aber mit etwas Glück konnte ich 400m vom Start weg parken.

Die Streckenführung war dagegen ein riesen Desaster. Mitten durch Lüttich hindurch. Gefühlt hunderte von roten Ampeln. Überall Autos, stellenweise sogar in mitten der einzelnen Rennradgruppen. Es dauerte 50min, um die 12,5km bis zum offiziellen Start zu rollen. Danach wurde es besser, zumindest was Ampeln angeht. Zum Einstieg zeigte mir der Cote d’Embourg, dass heute nicht fiel gehen wird.

Die Strecke war gar nicht abgesperrt, so dass die gesamte Fahrzeit über reger Straßenverkehr an einem vorbei rauschte oder vorbei rauschen wollte. Sicherlich wird in Belgien mehr Rücksicht auf Rennräder genommen und es gab keinerlei grenzwertige Autoüberholmänöver. Umso skurriler waren die Überholmanöver der Radfahrer an Autos vorbei. Links, rechts, im Sick zack. Alles war zu sehen. Stellenweise blieben die Autos einfach mitten auf der Straßen stehen. Wahrscheinlich besser so.

Bergauf störten die Autos selten, in den steilen Rampen jedoch sehr. Man ist schon erschrocken, wenn zum Beispiel am Côte de la Roche aux Faucons (1500m, 9,6%, 16% max) in einer links Kurve auf einmal ein Auto auftaucht. Zumal zu Beginn der Steigung eine offizielle Zeitnahme durchgeführt wurde. Wie auch an den anderen Klassiker Steigungen Col de la Redoute und Cote de Saint Nicolas, die wir heute gefahren sind. La Redoute ist schon ziemlich überwältigend, hier kam auch das einzige Mal richtige LBL-Stimung auf.

Normalerweise wären wir auch noch Les Fortes hinaufgefahren, allerdings kommen wir hier direkt zum nächsten Problem. Vor lauter Pfeilen wusste man gar nicht, wo man lang fahren sollte. Manchmal fehlten Pfeile ganz, so dass wir wieder Umdrehen mussten. Dann konnte man sich entscheiden, ob rechts oder gerade aus, denn in beide Richtungen waren Pfeile angebracht. Schwierig die Übersicht zu behalten, zumal man immer ein Auge auf den Straßenverkehr haben musste.

Das große Finale in Lüttich habe ich mir viel schöner vorgestellt. Durch die überfüllten Straßen konnte man hier gar nichts aufsaugen, sondern man war froh, als man durch war. Leider, denn ich glaube die Kulisse auf der abgesperrten Straße kann schon einiges.

Und dann gab es noch so persönliche Schicksalsschläge. Weil ich ja noch gar nicht vor Michelin Latex Schläuchen gewarnt habe, habe ich gestern einen neuen Schlauch dieser Sorte in mein Vorderrad gezogen. Die bestellten Gummi Schläuche kamen zwar rechtzeitig an, leider in 26 Zoll statt 28 Zoll. Und da die Zentrale Einkaufsgemeinschaft in Erkelenz Schläuche für unglaubliche 9,95€ verkaufen wollte, habe ich eben kurzerhand noch ein Überbleibsel vergangener Tage verwendet. Ein Fehler. 3km nach dem Start gab es eine Riesen Explosion, Tim dachte schon, dass man auf uns schießen würde. Aber es war zum Glück nur mein Vorderrad, was mit großem Getose dahin wich. Während wir den Schlauch wechselten (bei dem dann ein Schwalbe Schlauch ebenfalls direkt platzte, Co2 sei Dank) kamen wir in das Highlight Gespräch des Tages mit einem belgischen Zuschauer:

„Vous etes professional?“ fragte der Mann. Tim überraschte mich mit seinen Sprachkenntnissen und antwortete „Nous sommers amateur“. „Ahhhhh“, machte es bei dem Zuschauer klick, „vous etes semi-professional!“. Wir widmeten uns weiter meinem Vorderrad, währenddessen fragte der gleiche Zuschauer wenige Augenblicke später: „Vous etes professional?“ (…)

Mein Rad hatte durch die Explosion natürlich auch einen Schlag abbekommen. Aber zum Glück gibt es bei solchen Veranstaltungen ja viele Service Mechaniker, so dass mir ein Mavic-Mann mein Vorderrad nachzentrierte. Kostenlos. Im Startgeld inbegriffen quasi. Wie auch das T-Shirt und eine passable Verpflegung. Anders als bei Rund um Köln mit einem doppelt so hohem Startgeld.

Und Ersatzschläuche gab es auch. Für 5€ im Service Bus von Mavic, da kann sich die ZEG ein Beispiel nehmen.