Ich habe heute den letzten großen Trainingsblock, vor dem großen Saisonhöhepunkt Anfang Juni in den Alpen, hinter mich gebracht. Gemeinsam mit der mentalen und physischen Stütze Tim, saß ich an diesem Wochenende bei herrlichem Sonnenschein aber nicht immer wohl gesonnenen Wind rund neun Stunden im Sattel.

2 Tage, neun Stunden, fast 200 Kilometer und 2000hm
Der letzte Block mit langen und längeren Umfängen rund 10 Tage vor dem Start der BIKE Four Peaks in Leogang kostete Kraft und brachte die Form ein Stück weit wieder zurück. Außerdem gab es tolle Eindrücke vom Amstel Gold Race am Samstag und heute prächtige Single Trails im Gelderland, dazu eine Menge Spaß und gute Laune.

Amstel Gold Tour
Angefangen hatte alles gestern um 10Uhr, als Tim pünktlich zum Kaffee bei mir aufschlug. Kurze zeit später saßen wir dann auf dem Rad von Erkelenz Richtung Kerkrade. Ziemlich genau 35km befuhren wir die B57, die ich bisher nur bis Linnich (10km) kannte und danach auch nicht weiter kennenlernen muss. Gegen den Wind zog sich die Strecke sowieso unnötig lang, war zudem hinter Linnich wirklich nicht mehr schön zu fahren. Nach der Durchfahrt von Alsdorf und Herzogenrath änderte sich mit einer Linkskurve plötzlich alles. Für einen Moment genoss man einen super Blick in die Hoevelzone und begab sich dann in die erste Abfahrt. An der Grenze wurde sich dann kurz verpflegt, ehe wir mit jedem weiteren Kilometern den historischen Pfaden des Amstel Gold Race näher kamen.

Wir schnupperten uns langsam über den Fromberg und Keutenberg in das „Amstel Gold Race“ hinein. Mit maximal 22% war der Teutenberg auch bereits eine echte Hausnummer und ich mit meiner Kompaktkurbel an der Grenze. Nach 55km folgte dann das Highlight der Tour, der Cauberg. Hunderte von Zuschauern versammelten sich an der 800m langen Steigung, sowie zahlreiche weitere Kollegen auf schmalen Reifen. Was für ein Feeling. Genauso wie die folgenden Kilometern Richtung „Ziel“. Für uns gab es aber keine weitere Runde mit einem Finale am Cauberg, sondern unsere Tour setzte sich über Geulhemmerberg, Bemelerberg, Keunestraat, Eyserbosweg zum Mont Clevre fort. Letzterer tat nach 95km dann schon ordentlich weh. Nach dem wir die Hoevelzone verlassen haben, hieß es Kräfte sparen für das Finale am Mont de Baal bei Kilometer 141. Zum Glück hatten wir ein wenig Rückenwind auf den Kilometern zurück über die B57, allerdings kein Vergleich zu der Windstärke bei der kräftezehrenden Hinfahrt.

Weil ein Fallschirmspringer sich im Baum verhangen hat oder eine Katze nicht runter wollte oder doch etwas schlimmeres passiert ist, war dann noch der Rückweg durch die Feuerwehr versperrt. Zögerlich gab man uns dann einen Tipp, wie man die Sperrung umfahren könne. Aber erst nachdem wir uns auf das wilde gestikulieren und umkehren Gerufe nicht eingelassen haben. Noch einmal 130 Kilometer wollten wir nicht fahren. Immerhin lernten wir durch die Umleitung Puffender kennen.

Und dann waren wir auch in Baal, ab dem Ortseingang zog ich das Tempo an. In die kurze Abfahrt Speed aufgenommen, den wir an der roten Ampel wieder verloren haben. Blöd, aber egal. Grün, Sprint und die folgenden 800m verlangten uns noch einmal alles ab und die Belohnung waren Platz 2 für Tim und Platz 3 für mich am Mont de Baal. Nach 142km und knapp 5,5 Stunden Fahrtzeit. Watt schön! Nach 145km und 5:45h waren wir dann endgültig zurück und völlig im Bann der Region um Maastricht. Insgesamt schöner als Flandern und Lüttich, hier spürt man wahrlich den Flair.

Trails soweit das Auge reicht im Gelderland
Heute tauschten wir dann die Räder und nahmen die Trails im Gelderland bei Nijmegen unter die Stollen. Und hier hatte Tim nicht zuviel versprochen. Ein stetiges Auf und Ab über Stock und Stein mit einem flowigen roten Parcours und einem technisch etwas fordernderen grünen Parcours, die man prima verbinden konnte. Nach einem kurzen Einrollen kamen die Beine auch ordentlich in Fahrt.

Stellenweise kam richtig Marathon Stimmung auf, denn es waren mächtig viele Mountainbiker auf der Strecke unterwegs. Viele mit hohem Ehrgeiz, die immer wieder an den Steigungen angriffen und leider von uns im Trail wieder gestellt wurden. Leider, weil wir – wissentlich der Schwäche – extra langsam und verzögernd gefahren sind, um dann in den technischen Sektoren freie Fahrt zu haben. Unsere Taktik ging nicht auf. Aber das wir keine großen Taktiker sind, ist nicht zuletzt schon bei Rund um Köln offensichtlich geworden.


Mir gab die Einheit auf jeden Fall Selbstvertrauen in meine Fahrtechnik und die Einsicht, dass ich kurz vor den Alpen noch meine Übersetzung optimieren werde. 38/24 scheint doch angemessener zu sein, so dass ich mir durch das Training auf 39/26 einen Kraft Vorteil erarbeitet habe, den ich dann mit der niedrigeren Übersetzung bestimmt ausnutzen kann. Zumindest werde ich nicht durch 38/11 viel langsamer sein als mit 39/11 und kleinere Gänge in den Alpen sind eben weniger anstrengend aber bestimmt trotzdem anstrengend genug.

Trotz des starken Gegenwinds am Samstag waren die beiden Tage nicht zuletzt auch wegen des Wetters fantastisch. Und durch die tolle Begleitung auch viel kurzweiliger, als wenn ich mich alleine hätte durch das Programm quälen müssen. Vielen Dank, Tim.

Die kommenden zehn Tage sind jetzt Tapering. Am Dienstag noch eine Kraftausdauer Auffrischung und dann geht es in der Nacht von Freitag auf Samstag auch schon los Richtung Hauptquartier.