Unsere neue #coffeebooks Serie möchte ich heute mit einem Klassiker Titel starten. Tim Krabbe: Das Rennen gehört zu meinen absoluten Lieblingsromanen mit Radsportbezug.

Bereits 1978 erschien dieses Meisterwerk der Radsport Literatur vom ehemaligen Radamateuer, Schachmeister, studierten Psychologen und Journalist Tim Krabbe in den Niederlanden unter dem Titel De Renner. Erst 2006 wurde der Roman auf Deutsch veröffentlicht.

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Tim Krabbe entdeckte erst mit 30 seine Leidenschaft für den Radsport und nahm trotzdem in den folgenden acht Jahren an über 500 Amateuerrennen teil, unter anderem an der Mont-Aigoual-Rundfahrt über fünf Pässe in den französischen Cevennen. Sein Buch das Rennen ist eine Autobiographie über diese 137km lange Tortour, die literarisch immer wieder andere radsportspezifische Themen aufgreift. Krabbe schreibt u.a. über das Verhältnis von Bild und Erzählung und greift dabei auf Beispiele der Radsportvergangenheit zurück.

Das Krabbe als Psychologe das gesamte Fahrerfeld studiert ist nicht verwunderlich aber sehr unterhaltsam. Ebenso seine Metaphern über das Rennfahrerblut, wie zum Beispiel seine Ausführungen über Sprintduelle mit Autos.

Der Rennfahrer ist bereit. Jede Faser seines Körpers ist gespannt. Die Interessen, die auf dem Spiel stehen, sind groß. Er weiß, dass der Widerstand stark ist und von verschiedener Art, aber er hat keine Angst. In seinem Kopf herrscht absolute Stille, Spannung, Gewissheit.

Dann springt die Ampel auf Grün. Zwei, drei Tritte, und der Rennfahrer befindet sich in vollem Sprint, da schießt er als Erster über die Straßenbahnschienen, was ihm auch schon die übliche Prämie von 100 000 Gulden einbringt. Von seinen Gegner ist ein Volkswagen am gefährlichsten, aber der Rennfahrer holt alles aus sich raus, erreicht als Erster den Anfang des Zebrastreifens, dann das Ende, er ist Erster am Verkehrsschild und Erster beim Abfalleimer: wieder vier fette Prämien von jeweils 100 000 Gulden. Dann zieht der Volkswagen an ihm vorbei. (…)

Der Fahrer rollt aus, langsam kommt er wieder zu Atem, langsam fährt er weiter zur nächsten Ampel. Er bleibt stehen und mustert seine Gegner. Ein BMW-Motorrad sieht unschlagbar aus. Eine Million, wenn er trotzdem den Zebrastreifen als Erster erreicht! (Tim Krabbe: Das Rennen)

Mir gefällt an diesem Buch besonders, dass der Rhytmus zwischen Rennfahren und Erzählung sehr stimmig ist. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass Krabbes Ausschweifungen ein Sinnbild für die Erschöpfung des Rennfahrers Krabbes sind. Jeder Hobbyfahrer kennt die ausschweifenden Gedankengänge in extremen Belastungen.

Das Krabbe aus einer anderen Generation des Sports kommt wird aber auch deutlich, wenn er u.a. schreibt, dass gute Verlierer vom Sport ausgeschlossen werden sollten. Wobei ich hier auch einen Übersetzungsfehler für möglich halte und der Sinn dieser Aussage vielleicht nicht exakt wieder gegeben wurde.

Mit dem Leid, den Qualen und der Erschöpfung, die in diesem Buch verkörpert werden, kann man sich als Radsportler dann schon wieder mehr identifizieren. Krabbe bringt die Motivation für die Teilnahme von Hibbysportlern am Renngeschehen auf den Punkt: „Das ganze Leiden verwandelt sich hinter der Ziellinie in eine Erinnerung an Lust… Deshalb gibt es Rennfahrer.“

Ich kann einem jeden begeisterten Radsportler dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Es ist ein kurzweiliges Lesevergnügen und die Mont-Aigoual-Rundfahrt als Aufhänger bleibt bis zur letzten Seite spannend und erlebt eine ausgezeichnete Dramaturgie.

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