Als Radsportler ist man irgendwie ja Rückschläge gewöhnt. Sie kommen meistens unverhofft und zum falschen Zeitpunkt aber man kann es schlecht verhindern. Nur man kann lernen damit umzugehen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Am Montag war so ein Tag. Sowohl bei Stefan als auch bei mir standen CP20 Tests an. Der neue 4iiii Precision Powermeter ermöglicht mir seit ein paar Wochen Watt-genaues Training, dass allerdings nur durch Testergebnisse in der Praxis wertvoll wird. Auf Facebook gab es dazu heute Morgen bereits eine Frage, deswegen werde ich zum Wochenende das Thema Critical Power und die Anwendungsgebiete eines Powermeters in einem Blogbeitrag verarbeiten, um in diesem Artikel nicht zu weit abzuschweifen.

Der CP20 Test bedeutet, dass über zwanzig Minuten das Maximum an Leistung getreten werden soll. Umso mehr, umso besser. Klar! Mit diesem Wert kommt man recht nah an seine theoretische CP60 Zeit. Also die Leistung, die man theoretisch über eine Stunde aufrecht erhalten kann. Auf dieser Grundlage kann man dann die Wattwerte rückwärts auf die anderen Leistungszonen verteilen, ähnlich wie man das mit den Pulswerten bereits kennt.

In der Theorie liest sich das auch alles sehr einfach. Aufwärmen, danach CP5 und weitere zwanzig Minuten regenerieren und dann startet man seinen CP20 Test. Unzählige Tipps findet man im Internet mit dem Hinweis nicht zu überpacen und die Kraft einzuteilen. Alles richtig und gut. Aber in der Praxis ist das alles gar nicht so einfach umzusetzen.


Während Stefan beim CP5 Test noch einen neuen Rekord aufstellen könnte, lief dieser bei mir bereits recht schwach. Nicht weil ich gerade in einem Leistungstief stecke, sondern aufgrund verschiedener Störfaktoren. Die gleichen Störfaktoren, die dann Stefan dazu nötigten seinen CP20 Test abzubrechen. Hätte ich das auch mal getan aber ich wollte es drauf ankommen lassen und bin in durchgefahren. Aber was lief genau schief?

Die Strecke
Empfohlen wird eine leicht ansteigende Strecke. Prima! Ich wohne im Flachland und hier gibt es keine leicht ansteigenden Strecken über 10-12km Länge, die man für einen 20 Minuten Test benötigt.

Und so entschied ich mich für ein Strava Segment von Erkelenz nach Jacketath, wellig aber meistens eben und mit garantierter freier Fahrt. Stefan hatte eine ähnliche Strecke bei sich und mit den gleichen Folgen zu kämpfen.

Denn durch die leichten Wellen auf der Strecke könnte ich nie wirklich einen Rhymtmus finden. Die Wattzahlen kippten hin (300+) und her (um 200) und soviele Schaltvorgänge für eine konstante Trittfrequenz waren ebenfalls kaum möglich.

Zum Schluß ging mir, trotz der schwachen Leustung, die Strecke aus und ich musste kurzzeitig drei Minuten Strecke anhängen. Blöd, änderte aber am Ergebnis nichts mehr.

Äußerliche Faktoren
Ebenfalls wird empfohlen auf gleichbleibende äußerliche Faktoren zu achten, ausgenommen der Temperatur. Also möglichst immer trocken und windstill.

Und hier harkte es erneut. Zwar war es kein Re-Test und man könnte natürlich jetzt immer bei wechselndem Wind fahren wie am Montag. Besser man macht es anders.

Denn der Wind wechselte auf der Strecke ständig. Vorne, hinten, Seite. Alleine beim Überholen durch Autos bekam ich Schübe (womit die Wattleistung wieder sank), dass war nicht mehr zu kompensieren. Zu dem erschwert das natürlich den Rhythmus und ist eher etwas für die Tempohärte als für einen validen CP20 Test.

Fazit:
Weh getan hat der Test trotzdem, wenn auch eher im gefühlten Bereich 5-6, als 7-8. das ist schon einmal ein Hinweis auf die nicht ganz ausgenutzte Leistung. Ähnlich verhält es sich mit dem Puls. Ein weiterer Faktor mit dessen Hilfe man überprüfen kann, inwiefern die Schwellenleistung abgerufen wurde. Geschätzt fehlen mindestens 10% Leistung, womit ich bei meinem Ergebnis zumindest den letzten Test im Ergebnis bestätigt hätte.

imageScreenshot aus meinem Strava Account

Stefan ist seinen CP5 an einem Hügel gefahren und hat geglänzt. Seinen CP20 hat er aber mangels Strecke ebenfalls versaut. Bei aller Theorie zum CP20 Test wird meiner Meinung nach z wenig Wert auf die Strecke gelegt und es ist schwierig eine gute Strecke zu finden, wenn man keinen Hausberg vor der Tür hat.

Aber es gibt ja Alternativen. Ich frage mich, ob ein Test auf einer Radrennbahn besser läuft? Bestimmt. Die Rolle wäre ebenfalls eine Alternative, wobei ich aus eigener Erfahrung sagen kann, dass CP20 auf der Rolle extrem hart ist und man definitiv nicht an seine Maximalleistung kommt.

In vier Wochen habe ich die nächste Chance bis dahin werde ich eine geeignete Strecke gefunden haben oder aber ichbsetze mich doch auf die Rolle. Frei nach dem Motto CP20 – Try and error.