Häufig fällt in meinen Trainingstagebuch Einträgen das Schlagwort mental. Mentale Fitness, mentale Stärke, mentales Training. Doch so richtig greifbar ist das Schlagwort nicht. Das möchte ich ändern und euch die Bedeutung von mentaler Stärke näher bringen. Mentales Training Teil 2

Heute möchte ich mit euch im Rahmen meiner Artikelserie zum Thema mentale Fitness über die verschiedenen Formen von Motivation sprechen und welchen Einfluss sie auf unsere mentale Stärke ausüben kann.

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Letzte Woche habe ich versucht zu erklären, warum wir unseren Körper und unseren Kopf auch beim Sport als eine Einheit betrachten müssen und unsere mentale Fitness nicht vergessen dürfen. Ein frischer Geist kann so manche Trainingseinheit kompensieren und dafür sorgen, dass ihr eure gewünschten Leistungen übertrefft, während eine schlechte Stimmung trotz bestem Training zu schwächeren Leistungen führen kann.

Motivation – was ist das?

Motivation bezeichnet das auf emotionaler und neuronaler Aktivität (Aktivierung) beruhende Streben des Menschen nach Zielen oder wünschenswerten Zielobjekten. Die Gesamtheit der Beweggründe (Motive), die zur Handlungsbereitschaft führen, nennt man Motivation. – Quelle: Wikipedia

Motivation ist sozusagen das Bindeglied zwischen mentaler und körperlicher Fitness. Habe ich keine ausreichenden Ziele etwas zu erstreben, werde ich auch nicht die Muße haben mich anzustrengen. Habe ich ein Ziel vor Augen, wird meine Breitschaft dafür etwas zutun steigen.

Der Wortstamm ist auf das lateinische Verb „movere“ (= bewegen) zurückzuführen und verdeutlicht die Ganzheitlichkeit unseres körperlichen Systems.

Motivation beeinflussbare Größe der Leistungsfähigkeit
Die Motivation ist die einzige Komponente die man als Sportler selbst beeinflussen kann. Es gibt insgesamt drei Aspekte, die sich auf die Qualität unserer Leistungen auswirken: 1. Die Körperliche Leistungsfähigkeit, die durch genetische Faktoren, Körperbau, Körperfettanteil und kardiovaskulär begrenzt ist. 2. Die Schwierigkeiten, gemeint sind hier äußerliche Rahmenbedingungen wie das Zeitbudget, Topographie-, Wetterbedingungen oder das familiäre Umfeld. 3. Die Motivation, erstklassig motiviert wird man sich in allen Bereichen seiner Sportart verbessern.

Um die Motivation überhaupt steigern zu können, bedarf es einer Selbstreflexion. Warum mache ich den Sport? Ihr werdet externe und interne Faktoren finden, warum ihr euren Sport liebt. Mountainbike ist meine Leidenschaft, ich mag die Herausforderungen, die Anstrengung im Uphill sowie das Adrenalin, was während der Abfahrten durch den Körper jagt. Im 24h Rennen mag ich die Verschiebung meiner körperlichen Grenzen. Genauso toll finde ich die Bekanntschaften, die ich durch den Sport gemacht habe. Aus einigen wurden enge Freundschaften, die mir auch abseits des Sports sehr geholfen haben.

Vor diesem Hintergrund können wir uns immer wieder an Momente erinnern, die für unsere Leidenschaft stehen und damit unsere Motivation stärken.

Wenn Du durch die Hölle gehst, geh weiter! – Winston Churchill

Motivation ist nicht gleich Motivation
Während ich mich mehr mit mentalem Training und dessen Vorteile auf meine Leistung beschäftigt habe, musste ich auch häufig meine eigene Trainingsbereitschaft hinterfragen. Bis dahin bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass ich tipmotiviert bin und immer mit Spaß bei der Sache. Wenn man sich meine Wochenstunden und Trainingsstreaks ansieht, kann man auch auf keinen anderen Schluss kommen. Ohne Motivation wäre das unmöglich.

Aber ist meine Motivation auch erstklassig? Erstklassig meint in diesem Kontext die bestmögliche Leistung im jeweiligen Training abzurufen. Topleistungen erreicht man nur zu besonderen Peaks in der Regel, während eine erstklassige Leistung über einen längeren Zeitraum angestrebt werden kann.

Ich denke nicht, dass ich über eine erstklassige Motivation verfügt habe. Ich bin zum Beispiel in Intervallen nie an meine wirkliche Schmerzgrenze gegangen. Ich habe mich geschont, eine mentale Handbremse angezogen, aus Angst vor Erschöpfung und das ich die nächsten Workouts nicht mehr leisten kann. Mein Training war in der Quantität super aber darunter hat die Qualität gelitten.

Zu dieser Erkenntnis bin ich nur durch eine Selbstreflexion meiner mentalen Bereitschaft zum Training gekommen. Denn mein Kopf steuert das Training, insbesondere die Intervalle mit an und kann hier sehr bremsen.

Motivation

Der Einsatz macht die Motivation
Wenn man sich über seine Entwicklungsrichtung im Training im Klaren ist, die langfristigen Trainingsziele bestimmt sind steht dem richtigen Einsatz der Motivation nichts mehr im Wege.

Es gibt genau genommen drei Entwicklungsrichtungen: 1. aufhören 2. bisheriges Trainingsniveau halten 3. Das Niveau nach unten/oben korrigieren.

Man muss sich für eine Entwicklung entscheiden, dabei gibt es von den drei Richtungen keine gute oder schlechte Option. Es sind Wahlmöglichkeiten auf Grundlage des persönlichen Zeitmangaments, der persönlichen Ziele, der persönlichen Bereitschaft für das Training.

Wenn man sich zu einer Entwicklungsrichtung entschieden hat, dann bestimmt der Einsatz die Motivation. Da ich ich selbst für eine Entwicklungsrichtung entschiede habe wird mein Einsatz dafür auch Priorität haben. Ich hole das Beste aus mir im Rahmen meiner Möglichkeiten heraus, ich engagiere mich für meine Ziele. Mein Einsatz für meine Entwicklungsrichtung bestimmt meinen Leistungswachstum.

Ich habe mich auch hinterfragt. Mehrfach. Aufhören ist keine Option, denn ich liebe den Sport. Ich mag das Training auf verschiedensten Ebenen. Es ist Anforderung und Entspannung zugleich, ich habe Ziele und Träume. Mein Niveau weiter zu erhöhen ist mir nicht möglich, eine Reduzierung ist nicht notwendig und auch im Hinblick für mein Saisonziel nicht vorteilhaft.

Also möchte ich mein bisheriges Trainingsniveau halten. Mit dem Unterschied, dass ich mich mehr auf eine gute Trainingsleistung konzentriere und im Training mich nur auf hier und jetzt konzentriere. Mich nicht schone, sondern die geforderten Trainingsziele so gut es geht umsetze.

Allerdings bedarf es für die Umsetzung dieses Ziels mehr als nur eine erstklassige Motivation. Hier kommt es auch auf die Konzentrationsfähigkeit, das Selbstvertrauen, den Umgang mit Schmerzen und Emotionen an.

Die Motivation ist quasi die Basis für die Umsetzung von Trainingszielen. Wenn ich nicht mit vollem Einsatz meine Entwicklungsrichtung nachgehe, dann wird mir auch mein Selbstvertrauen nicht helfen im Intervalltraining eine höhere Leistung abzurufen.

Motivation entwickeln
Es gibt verschiedene Möglichkeiten Motivation zu entwickeln. Mir hat bisher immer besonders ein langfristiges Ziel geholfen. die BIKE Four Peaks 2015 und die Craft BIKE Transalp 2015 waren Meilensteine meiner sportlichen Entwicklung und ich habe in jedem Training an das langfristige Ziel gedacht. Seit dem ich mich auf mein Hauptziel 2016 festgelegt habe, ist meine Trainingsmotivation auch in diesem Winter wieder hochgeklettert. Und während meiner Problemfelder im Training versuche ich umso mehr an dieses Ziel zu denken, um mit meinem Willen ein besseres Training abzuliefern.

Aber auch soziale Unterstützung hilft bei der Motivation. Ein Grund zum Beispiel, warum ich mein #Trainingstagebuch führe. Meine Familie spendet mir Rückhalt und gibt mir die Möglichkeit mich auf mein Training zu fokussieren.

Ein Lob nach guten Trainings ist ebenso wichtig. Wann ist ein Training gut? Für mich ist ein Training sehr gut, wenn ich zum Ende hin mit Glücksgefühlen um mich schmeißen kann und auf dem Rad am liebsten tanzen würde. Wenn die vergangene Anstrengung sich in pure Lockerheit auflöst und die Erschöpfung in den Hintergrund rückt. Ein episches Training.

Wenn ich mir die Begeisterung für Strava ansehe, dann könnte aber auch der äußerliche Ansporn eine Motivation darstellen, zum Beispiel in bestimmten Segmenten eine bestmögliche Platzierung anzustreben. Persönlich habe ich da eine geringere Motivation und der äußere Ansporn im Training ist bei mir sehr begrenzt und hilft mir bei der Motivationsentwicklung nicht.

Ein abwechselndes Training bringt dagegen auch einen großen Motivationsschub. Man kann sich auf neue Inhalte freuen und ist gespannt. So konnte ich meine Begeisterung für das Fitness Studio wecken, dass ich in den letzten Jahren nur sehr ungern besuchte und in diesem Jahr mit Vorfreude jede Einheit genieße, wenn auch hier mein Umgang mit Schmerzen und die Angst vor Erschöpfung mich stellenweise ausbremsten.

Auf dem Rad oder beim Laufen kann aber auch eine neue Strecke, ein neuer Streckenabschnitt oder eine Veränderung der Intervalle für die Abwechslung sorgen, die eure Motivation stärkt und die Freude auf das Training wachsen lässt. Hier hat mir zuletzt die Tour in Wasserberg einen wahrhaften Kick gegeben, eine Abwechslung die vor allem mental richtig gut tat.

Genauso gut kann ein Training in der Gruppe für Abwechslung und Spaß sorgen. Oder eine RTF/CTF Veranstaltung.

Fazit

Motivation ist die mentale Grundlage für unser Training. Ohne Motivation geht gar nichts. Es ist dann wichtig seine eigene Trainingsmoral zu hinterfragen, warum das Training keine Freude bereitet. Das Entscheiden für eine Entwicklungsrichtung im Training und der daraus resultierende Einsatz für das Entwicklungsziel können helfen.

Motivation ist aber kein Heilsbringer, sondern die Basis im mentalen Prozess. Es ist die Grundlage im Training das Bestmögliche aus sich herausholen zu wollen. Um das auch zu können, müssen auch die anderen mentalen Faktoren wie das Selbstvertrauen, die Konzentration und der Umgang mit Schmerzen und Emotionen stimmen.

In der nächsten Woche möchte ich euch den Einfluss des Selbstvertrauens auf unser Training erklären.

Hinweis
Das Buch wurde mir vom Sportwelt Verlag als kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Es gibt seitens des Verlags keinerlei Vorgaben und oder (in)direkte Einflussnahme auf die Artikelreihe über mentales Training.