Am Dienstag gab es eine epische Rennrad Runde durch das Bergische ins Ruhrtal. Die fehlenden Höhenmeter der Tour wollte ich am Samstag einfahren, entlang der Rur bis zum Quellort am Signal de Botrange, dem höchsten Punkt Belgiens. Es wurde eine Fahrt zum Verlieben. Die Ardennen sind für mich die neuen Alpen.

Die Rur fließt von der Botrange durch die Rureifel, durch Monschau, Einruhr, Heimbach, Kreuzau und dann immer flacher über Düren, Jülich, Heinsberg nach Roermond. In Roermond (dt. Rurmündung) fließt sie über viele verschiedene Arme in die Maas. Soweit so gut, detaillierter findet ihr die Informationen auf der Seite des RurUferRadweg oder auf Wikipedia.

Wer sich den Verlauf ansieht, merkt schnell, dass ich gegen den Strom gefahren bin. Vom niedrigsten Punkt (100m) in Linnich über 140km hinauf zum Signal de Botrange, auf 693m. Dazwischen gab es aber so manche Herausforderung und allerlei Sehenswürdigkeiten. Und Zeit genug gab es auch sich in die Ardennen zu verlieben.

mein_trainingstagebuch

Los ging es am Samstag um kurz nach halb sieben in Erkelenz. Mit einem kleinen warm up Schlenker über die Feldwegidyllen um Baal stieg ich kurz vor Linnich in den RurUferRadweg ein. Die ersten 40km des Wegs von Roermond kannte ich bereits und ließ ich deswegen aus, um es vorweg zu nehmen, die fehlenden Kilometer entlang der Rur holte ich dann am Sonntag nach :D

RurUferRadweg von Linnich nach Düren

Bis zu den Eifelausläufern bei Kreuzau war der Weg eher unspektakulär. Bis Jülich nett zu fahren, da unmittelbar am Fluß und immer schön grün mit zum Teil kleineren Wegen. Von Jülich bis Düren folgte der unattraktivste Part mit viel Hauptstraße und immer geradeaus. Zum Glück war dieses Stück in den ersten zwei Stunden, im späteren Verlauf wäre hier sicherlich mehr zu kämpfen gewesen.

RurUferRadweg ab Kreuzau mit Eifelfeeling

Ab Kreuzau veränderte sich die Landschaft. Es gab weniger Platte Landschaft mit Rapsfeldern und dafür mehr Hügel im Hintergrund. Gefühlt ging es auch jetzt etwas bergan, allerdings sachte und ohne große Hindernisse. Allerdings fällt es einem mit 0,5-1,5% Steigung einfacher die anvisierte Wattzahl zu treten. In der Ebene war das schwieriger.

Eine Bank, ein Ufer, ein tolles Rad. Kurze Pause in Kreuzau, um die Idylle zu genießen und der Familie eine Videonachricht als Weckruf zu schicken.

Eine Bank, ein Ufer, ein tolles Rad. Kurze Pause in Kreuzau, um die Idylle zu genießen und der Familie eine Videonachricht als Weckruf zu schicken.

Von Kreuzau an wurde die Strecke kurviger und die Richtungswechsel häuften sich, so dass man gefühlt nicht mehr pausenlos gegen den Wind fahren musste. Über Heimbach und Rurberg entlang des Stausees machte ich die ersten 100km voll.

Die ersten Anstiege lagen hinter mir aber auf den letzten 40km sollten sich weitere 1000hm vor mir aufbauen. Immerhin musste ich auf 693m kommen.

Hinauf zum Rurstausee war der Anstieg giftig und eine erste Härteprobe, ein Umweg für Mariawald wäre gar nicht viel anstrengender geworden. Aber der Anstieg in Heimbach ist mir bereits bekannt. Wie mir viele Schnittstellen in der Eifel bereits durch meine Rennrad Runden bekannt waren, häufig hatte ich einen „ah, hier bin ich“ Flashback.

RurUferRadweg Alpenfeeling kommt auf

Von Rurberg über Einruhr bis Monschau veränderte sich vieles. Es folgten schöne Steigungen, die Landschaft hatte hier und da etwas von den Gailtaler Alpen.

Obwohl ich bei besten Wetter und an einem Samstag unterwegs war, war der Weg wenig frequentiert. Entlang des Stausees gab es eine Handvoll Wanderergruppen und kurz vor Monschau war es etwas voller. Einzig die Ortsdurchfahrt von Monschau war extrem unangenehm mit den Menschenmassen an umherschleichenden Touristen. :-)

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Eine Kletterpartie nach 125km

Natürlich war es gewollt, dass ich nach 125km und knapp 6h im Sattel einen Schlußanstieg vor der Brust habe. Eine wirkliche Kletterpartie gab es dann aber nicht, denn die Steigung verlief bis zum Signal Botrange in drei Wellen eher moderat. Von Monschau (u.a. ein Stück über 1km mit 10,5% Steigung) bis zur belgischen Grenze war der anstrengendere Teil, danach zog sich der Weg leicht ansteigend bis zur Rue de Botrange.

Auf dem Hau, kurz vor der belgischen Grenze

Auf dem Hau, kurz vor der belgischen Grenze

Signal de Botrange

Krass wie schnell ich mich in die Ardennen verliebt habe. Unmittelbar hinter der Grenze nämlich. Ein Blick nach links in den Wald und satte Trails öffneten sich, genauso wie auf der rechten Seite. Und dann ein Wald, wie im Traum. Satt grüner Moos, Baum an Baum. Wunderbar.

Links und rechts ein wahres MTB Paradies

Links und rechts ein wahres MTB Paradies

Kurz vor der Quelle verließ ich den RurUferRadweg, um die letzten Kilometer auf der Rue de Botrange hinauf zu fahren. Zahlreiche Schilder begrüßten mich im Hautes Fagnes und kurz darauf am Signal de Botrange. Ich war da, am höchsten Punkt Belgiens.

Das obligatorische Gipfel Bild

Das obligatorische Gipfel Bild

Leider habe ich die Rurquelle nicht gefunden, aber ehrlich gesagt auch nicht gesucht. Ich war mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt :-)

Buchweizen Pancakes nach 06:30h im Sattel. Ein Gaumengenuss.

Buchweizen Pancakes nach 06:30h im Sattel. Ein Gaumengenuss.

Ardennenliebe

Überhaupt möglich machte das Training meine Frau, die von Eupen den langen Anstieg zum Signal de Botrange wählte. Mit dem Auto und mich abholte. Natürlich mit einem Familienausflug in den Ardennen. Und spätestens am Lac de Robertville war ich Feuer und Flamme für die Ardennen, die mit knapp einer Autostunde Entfernung jetzt häufiger von mir besucht werden.

Fazit

Der RurUferRadweg lohnt sich allemal, wenn auch hier und da die Rur für längere Zeit verlassen wird und sich deswegen der Name für mich nicht ganz erschließt.

Die Beschilderung ist sehr gut, meinen GPX Track habe ich nur selten benötigt, war durch das Höhenprofil hilfreich.

Insbesondere das Stück Heimbach-Monschau ist landschaftlich auch sehr eindrucksvoll. Mountainbike Genuss ist allerdings dann abseits des RurUferRadwegs in den Höhenzügen der Rureifel zu suchen oder im hohen Venn oder den Ardennen.

Als langes Training auf dem MTB oder auch Crosser eignet sich der Weg in jedem Fall, fahrtechnsich wird man nicht gefordert. Das wollte ich aber auch gar nicht mit diesem Training.

Wenn man sich auf diesen Weg begibt, muss man aber leider den ein oder anderen Kilometer Straße hinnehmen. Insbesondere zwischen Jülich und Düren aber auch im späteren Verlauf müsste man die Rur immer wieder verlassen, um einige Straßenkilometer zu fahren, ehe man an das Ufer zurückkam.

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