Beat the Beast lautet das Motto des Veranstalters und in diesem Jahr sollte das Motto seine Berechtigung erfahren. Der 17. Canyon Rhein Hunsrück Marathon entpuppte sich als wahres Beast und forderte den Athleten alles ab.

Am Start war noch alles wie immer. Immerhin startete ich bereits zum dritten Mal in Rhens und kenne den schönen Ort, die freundlichen Helfer und das prächtige drumherum gut und schätze es jedes Mal aufs Neue. Der TUS Rhens macht da wirklich einen ausgezeichneten Job. Ebenso die Strecke, die auf 80km mit 2200hm landschaftlich sehr viel seitig ist. Von steilen Waldpassagen bishin zu Schiefertrails in den Weinbergen ist alles dabei. Toll!

Nicht so toll war das Unwetter am Tag vor dem Marathon. Denn kurzer Hand verwandelte sich der Wald in ein Matschsurium. Zum Teil ging es in knöcheltiefen Matsch extrem steil bergab. Es war eine Lotterie, ob die eingeschlagene Spur vom Rad so umgesetzt wird oder ob das Hinterrad vorher wieder ausbricht oder das Vorderrad die Traktion verliert.

Ein Start mit Schwächen

Während ich beim Einrollen am Starthügel Intervalle um 450 Watt gefahren bin, versäumte ich es nach dem Start Druck zu machen und rollte im Hauptfeld bei 300 Watt mit. Definitiv keine gute Ideen, denn mit dem Wechsel ins Gelände und schmaleren Weg staute sich der Verkehr. Der zweite Zacken im Höhenprofil ging dann mit 180 Watt und angezogener Handbremse eher schleppend daher.

Allerdings nicht so schlimm, denn in den folgenden Abfahrten würde es noch schlimmer. Quo vadis Fahrtechnik? Ich schlingerte die Berge hinab, jenseits von schnell und gut. Überall lagen Biker im Matsch und versperrten den Weg oder schoben die „Waldautobahn“ hinab. „Waldautobahn“, den eigentlich war es eine Seifenrutsche.

Bereits im ersten Drittel kamen uns viele Biker entgegen, die das Rennen aufgegeben haben.

Starkes zweites Drittel

Bergauf lief es wirklich gut, der neue Maxxis Ikon blieb gut in der Spur und meine Wattzahlen pendelten zwischen 280-330Watt. Für mich gute Werte für eine Langdistanz. So machte ich auch bergauf viel Biden gut und konnte im Verlauf 30-40 Fahrer überholen. Allerdings kamen mir die Downhills immer ungelegen, denn mühsam erfahrene Vorsprünge habe ich mir immer wieder durch Fahrfehler und Schneckentempo zu Nichte gemacht.

Mit der Zeit würde ich aber sicherer und in den technischen Passagen hatte ich meine Sicherheit zurück. Insbesondere der Weinbergtrail mit seinen engen Serpentinen, Stufen und rauen Schieferuntergrund war ein tolles Erlebnis.

Ich wurde mutiger und attackierte mehr, bergauf noch ein bisschen schneller und bergab mehr Risiko. Ein kurzer Moment des Schreckens, als ich die verhängnisvolle Wiese aus dem letzten Jahr erreichte und die Rennsituationen sich glichen. Wieder eine starke Vierergruppe, die auf langsamere Fahrer auffuhr und immer wieder die Spur wechselten. Es ging alles gut.

Ein bißchen zu viel Risiko

Direkt hinter dem besagten Wiesenstück ging es in einen weiteren Trail, zuvor wurden auf der letzten Rille zwei Fahrer überholt. Ich war am Ende der Gruppe und ging gerade noch so durch.

Im Downhill dann aber ein folgenschwerer Fahrfehler, im Matsch verlor ich die Kontrolle von meinem Blitz und zack, lagen wir. Eigentlich nur eine Frage der Zeit, wenn man bedenkt, wie oft ich beinahe schon gelegen war.

Kurz alles abgecheckt (natürlich am Rad) aber abgesehen von einem minimalschrägen Lenker alles ok. Weiter gings… Oh Kette ab. Kette dran. Weiter gings. Oh kein Garmin, gesucht und gefunden. Oh keine Halterung mehr… Ab in die Rückentasche.

Mit angezogener Handbremse ging es den Downhill weiter runter. Danach folgte der vorletzte lange Anstieg (und weitere 4 Berge), den ich nur mit halber Kraft absolvierte. Hauptsache ankommen. Beat the Beast sollte fortan auch mein Motto sein.

Jeder dritte Teilnehmer schied aus

Ich fuhr das Rennen zu Ende, ein weiterer Sturz bei einem Überholvorgang bei dem ich leider unabsichtlich in den Matsch gedrängt wurde, machten den Braten nicht fetter.

Nach 4:55h war ich dann endlich im Ziel. Platz 158 von 350 Startern, 202 davon im Ziel… Ich glaube das sagt alles. Die Platzierung ist völlig unbedeutend, denn alle Finisher waren Sieger. Beat the Beast war das Motto. Kein leichtes Unterfangen.

Tolle Veranstaltung. Tolles Rennen. Tolle Stimmung. Tolle Schwierigkeit. Wäre nicht das Saubermachen und danach so aufwendig und der Verschleiß so extrem. Nach dem Rennen bekommt der Blitz ein neues Innenlager, eine neue Kette, neue Bremsbeläge hinten und eigentlich auch neue Steuersatzlager, die sind durch die Lefty aber sehr zeitintensiv im Tausch. Deswegen wird dies erst vor München geschehen.