Wie ich beim NK Strandrace einmal nicht holländischer Meister wurde und auch sonst alles erreichte… Sonne, Flowtrails, atemberaubende Natur und gutes Essen. Was für ein Start in die Saison. Nicht etwa in Spanien auf den Kanaren oder Südafrika, sondern auf der niederländischen Watteninsel Ameland nahm ich die ersten Rennkilometer 2017 unter die Stollen (oder eben nicht) und war begeistert.

Für das MTB Ameland Event hatte ich mich schon gegen Ende vergangenen Jahres entschieden und gleich drei Premieren sollten mich auf der doch so vertrauten Urlaubsinsel fit für die Saison machen.

Am Samstag ein Prolog über 6km, am selben Tag noch die niederländischen Meisterschaften im Strandrace über 41km (inklusive Kombinationswertung) und am nächsten Tag noch eine CTF (Toertocht) über 60km.

Nach einer kurzen Streckenerkundung (wie ich dachte) am Freitag Abend, die mich zu dem Schluss führte, niemand würde jemals an einem Strand Rad fahren können und einer eben so kurzen Nacht stand um 11:30Uhr
der Prolog auf dem Programm.

MTB Ameland proloog

Um 11:43Uhr wurde ich vom gut aufgestellten Organisator auf die Strecke geschickt und musste feststellen, dass die Streckenerkundung am Vorabend alles erkundet hatte aber nicht die Strecke des Prologes.

Zu meiner Entlastung sei gesagt, dass der Veranstalter diese aus Natrurschutzgründen extra bis 60min vor dem Start geheim hielt. Also Vollgas ins Unbekannte. An und über der aeroben Schwelle auf einer unbeschreibliche Dünenachterbahn. Steile Stiche, rasante Abfahrten und natürliche Pumptracks auf toll fahrbarem Untergrund. 95% Singeltrail. Einfach toll! Nach etwas weniger als 18min war der Spaß dann leider vorbei. Zwei Konkurrenten überholt und selber nicht eingeholt worden, für mein erstes Zeitfahren hatte ich ein gutes Gefühl, obwohl ein kleiner Verfahrer eine bessere Zeit verhindert hatte (gut, das ich die Strecke vorher ausgekundschaftet hatte…).

Prolog GK 55./AK 51.

NK Strandrace oder wie Tim nicht niederländischer Meister wurde

Das wir geschafft und hatte wirklich Spaß gemacht doch viel Zeit zur Auf- und Nachbereitung sollte es nicht geben, stand doch keine 2h später der Start zum
Strandrace
an.

Knapp 500 Teilnehmer wollten an diesem Samstag den niederländischen Meister in dieser sehr speziellen Disziplin ausfahren. Also fand ich mich als einer von zwei Deutschen bei insgesamt nur drei nicht niederländischen Startern im letzten Startblock wieder.

41km sollte die Renndistanz sein, die Strecke denkbar einfach. Nach dem Start über zwei kleine Stiche durch die Dünen, dann durch tiefen Sand bis an den Strand und von da aus einmal hin und wieder zurück über die Insel knallen. Das soll Spaß machen. Puh, ich war ganz schön nervös. Aber als der Startschuss bei strahlendem Sonnenschein dann fiel, war ich voll in meinem Element.

Als einer der ersten sprintete ich den knappen Kilometer durch die Dünen bis zum ersten Tiefsand-Hindernis, dem Übergang an den Strand. Hier wurde mir dann leider meine mangelnde Erfahrung „zum Verhängnis“ und ich musste nicht nur wie die meisten vom Rad, sondern kam auch viel zu spät erst wieder in den Sattel. Zwei Gruppen waren schon gegen den Wind unterwegs, als ich mich auf die Verfolgung machte. Mit super Beinen holte ich Fahrer für Fahrer für Fahrer ein und letztendlich auch die Zweite Gruppe. Mit dem Zuruf mich nach Möglichkeit zu begleiten, startete ich direkt durch auf der Jagd nach der Spitze. Leider musste ich bald feststellen, dass niemand mir folgen wollte oder konnte.

Jetzt fuhr ich alleine zwischen der ca. 25 köpfigen Spitzengruppe und den Verfolgern ähnlicher Anzahl. Immer noch Vollgas, ich wollte unbedingt nach vorne. Aber alleine gegen den Wind gegen die kreiselnde Spitze hatte ich keine Chance. Chasse patate. Nach 10min am Maximalpuls richtete ich mich kurz auf, nahm einen Zug aus der Flasche und lies mich von den Verfolgern einholen. Die Gruppe lief nun auch endlich ganz ordentlich doch trotz kontinuierlich wechselnder Führung, wurde der Rückstand zur Spitze viel zu groß. An der Wendemarke, verkleinerte sich meine Gruppe dann noch einmal, durch den tiefen Sand, der viele zum Absteigen zwang. Diesmal hatte ich besser aufgepasst und mit einer 10köpfigen Gruppe ging es gen Ziel, nun mit dem Wind im Rücken.

Den Angriff eines Mitstreiters konterte ich und schaffte es als einer der ersten über den Standwall zurück Richtung Ziel. Im Vollsprint über die letzte Düne und geschafft. Was für ein spektakuläres Rennen, dem ich hier gar nicht genüge Ausdruck verleihen kann. Meine Beine, ein Traum. Habe mich selten so stark gefühlt. Mit etwas mehr Erfahrung und dadurch der richtigen Gruppe wäre sicher mehr drin gewesen. Die Abstände im Ziel waren nicht so groß.

Nicht niederländischer Meister! Aber trotzdem ein zufriedener Tim nach dem Saisonauftakt beim NK Strandrace

Strandrace: GK 176. /AK 25.
Kombinationswertung: 33. – YAY!

MTB Ameland Extreme

Den nächsten Tag mit der Teilnahme an der CTF MTB Ameland Extreme60 wollte ich abhängig von Form und Gefühl für Grundlagentraining oder Fahrtspiel nutzen. Die Beine Waren immer noch gut und so sprintete, beschleunigte und flowte ich wie es mir gerade in den Sinn kam über die wunderschöne Insel.

Ein guter Kaffee vor der letzten Bastion: MTB Ameland Extreme

Da knapp 1800(!!) mit-Biker das gleiche Ziel hatte, machte ich mich bereits 15min vor dem Hauptstart auf den Weg, was eindeutig die richtige Entscheidung war. Ohne übermäßigen Verkehr, hatte ich eine tolle Zeit. Die schon im Prolog beschriebene Dünenachterbahn bildete die Grundlage der vielleicht besten CTF an der ich je teilgenommen hatte. Zu diesem dauernden Auf und ab gesellten sich nun noch einige Wald (!) Trails vom Feinsten und atemberaubende Aussichten auf der Fahrt durch ansonsten gesperrte Naturschutzgebiete. Das ganze bei tollem Wetter, natürlich nie verblockt oder auf alpinem Niveau aber immer mit viel Flow. Übertrieben könnte man sagen 60km Pumptrack auf feinstem XC Niveau und sogar eine in die Dünen gezimmerte Holztreppe stellte sich in den Weg.

Fazit

Nach über 30 Jahren regelmäßigem Urlaub auf dieser Insel bin ich dankbar nochmal eine neue Seite kennengelernt zu haben. Das hätte ich nie für möglich gehalten.
Ganz sicher wir diese Veranstaltung in Zukunft regelmäßig in meinem Rennkalender auftauchen. Professionelle Organisation, attraktive Landschaften, tolle Trainingsreize und die Möglichkeit das Frühjahr anders zu gestalten als auf Waldautobahnen durch das immer gleiche Sauerland zu ballern haben mich in Ihren Bann geschlagen. Absolute Empfehlung!