Gibt es die perfekte MTB Übersetzung? Ich bin mir unsicher und halte die Diskussion über eine perfekte MTB Übersetzung wie die über den perfekten MTB Reifen für ein Faß ohne Boden. Trotzdem möchte ich diese Diskussion beleben und die Aufmerksamkeit auf ein Detail lenken auf das bisher weniger Bezug genommen wird. Mir kommt es nicht auf die Bandbreite sondern auf die Abstufung an.

Eine perfekte MTB Übersetzung scheint es am Mountainbike Markt gerade nicht zu geben. Zwei verschiedene Mountainbike Antriebssysteme existieren mehr oder weniger parallel, die einfach und zweifach Schaltung. Ja, es soll auch noch Abnehmer einer, für mich veralteten, dreifach Schaltung geben.

Nimmt man doch noch die technischen Entwicklungen der letzten Jahre, dann gibt es derzeit von 3×9 über 2×10, 1/2×11 bis 1×12 ziemlich viel durcheinander auf dem Markt und dank des neuen Sram XD Freilaufs ist auch nicht mehr alles mit allem kompatibel.

Kann es bei soviel Auswahl die perfekte MTB Übersetzung geben? Ganz klar: Nein. Eine allgemeingültige Empfehlung kann es nicht geben, denn es kommt wie so oft auf den Einsatzzweck und das eigene Können an.

Ich habe von 3×9 über 2×10 bis 1×11 bisher alle Systeme gefahren, sowohl von Sram als auch Shimano und kann mir deswegen ein Urteil erlauben und von meinen Erfahrungen berichten.

Einfach, weil einfach einfach ist!

Für mich ist die perfekte MTB Übersetzung eine Einfach Schaltgruppe, weil sie weniger störanfällig ist und Kettenabwürfe der Geschichte angehören.

Einzig die Shimano XTR Di2 2×11 scheint mir noch eine Alternative darzustellen, weil sie in der Steuerung durch den (halb)automatischen Umwerfer fast wie eine einfach Schaltung funktioniert.

Auch im Verschleiss und der Pflege punktet die einfach Schaltung und dank einer breiten Auswahl an Kettenblättern in fast allen Größen kann eine einfach Schaltung auch jeder Vorliebe oder jedem Leistungsstand angepasst werden.

Eventuell bedarf es zwei verschiedener Größen, um auch für hügeliges oder bergiges Gelände gerüstet zu sein.

Abstufung vs. Bandbreite

Die Bandbreite einer Schaltung gibt die maximale Entfaltung wieder, die mit dem kleinsten und größten Ritzel und Kettenblatt zu erreichen ist.

Es ist also absolut klar, dass eine zweifach Schaltung eine höhere Bandbreite als eine einfach Schaltung haben muss, weil die Kassette mit zwei Kettenblättern betrieben wird.

Beim Vergleich meines Zweifach Antriebs (Shimano XTR 38/24 mit 11-36) mit meinem jetzigen Einfach Antrieb bedeutet dies satte 100% mehr. Mit 418% ist die Bandbreite meiner Sunrace MX8 Kassette aber auch ziemlich gering, verglichen mit dem Branchen Primus Sram Eagle (1×12, 10-50, 500%) oder dem Bandbreiten Wunder e*13 (1×11, 9-46, 511%).

Die e-thirteen TRS+ Kassette hat mit ihren 511% fast die gleiche Entfaltung Bandbreite wie mein 2×10 Shimano XTR Antrieb (520%) hatte und das obwohl ein Kettenblatt fehlt.

Ist das jetzt die perfekte MTB Übersetzung? Ich finde nicht, denn die hohen Bandbreiten gehen zu Lasten einer feineren Abstufung.

Die mit 500%/518% Bandbreite ausgestatteten Kassetten von Sram bzw. e*13 haben am Berg genau die gleichen Ressourcen wie die um fast 80% kleineren Kassetten von Shimano und Sunrace.

Umso größer unterscheiden sich die Kassetten mit ihren kleinsten und größten Ritzeln. Die für den XD-Freilauf erstellten Kassetten bieten mit 9 bzw. 10 Zähnen extrem kleine Ritzel, die auch mit einem kleineren Kettenblatt höhere Geschwindigkeiten erlauben. (37,5kmh bei Sunrace MX80 gegen 45,7kmh e*13 bzw. 41kmh bei Sram Eagle) im Vergleich zu 8,9kmh (Sunrace und e*13 jeweils 46Z) zu 8,2 (Sram Eagle 50Z).

Dazwischen bietet meines Erachtens Sunrace den besten Kompromiss in der Abstufung der Ritzel. Die mir wichtiger ist, als die Bandbreite. Letztendlich kann ich durch den Tausch eines Kettenblatts meine Abstufung variieren und den Gegebenheiten anpassen (30-32-34 Zähne), einen Mittelgebirgsmarathon kann man prima mit einem 34er Kettenblatt fahren, ein 24 Stunden Rennen in Finale Ligure sicher nicht. Aber beide Rennen kann man prima mit einer 418% Bandbreite fahren, wenn die Abstufung passend ist.

11/12-fach Kassetten im Vergleich 11-46

11-13-15-17-19-21-24-28-32-37-46Z (418%, Shimano XT, 437gr)
11-13-15-18-21-24-28-32-36-40-46 (418%, Sunrace MX8, 465gr)
11-13-15-18-21-24-28-32-36-42-50 (455%, Sunrace MX80, 519gr)
10-12-14-16-18-21-24-28-32-36-42-50 (500%, Sram XG 1295, 355gr)
09-10-12-14-17-20-24-28-32-38-44 (511%, e*13 TRS+, 320gr)

11-fach Kassetten im Vergleich 11-42

11-13-15-17-19-21-24-28-32-37-42 (382%, Shimano XT, 434gr)
11-13-15-17-19-21-24-28-32-36-42 (382%, Sunrace MX8, 401gr)
10-12-14-16-18-21-24-28-32-36-42 (420%, Sram XG 1150, 394gr)

Die folgenden Abstufungen der einzelnen Kassetten sollen euch das aufzeigen, was ich oben geschrieben habe.

Nehmen wir die Kassetten mit höherer Bandbreite, dann fällt auf, dass sie kleinere Ritzel haben und entsprechend eine höhere Geschwindigkeit in der Ebene (bei gleicher Trittfrequenz) erzielen.

Auf dem Rennrad, wo es auch auf Bergetappen meistens lange Rollpassagen gibt, wäre das sicherlich ein gutes Argument. Aber im Mountainbike fahre ich ehrlich gesagt ziemlich selten über einen längeren Zeitraum in der Ebene über 40kmh.

Mit nur 44 Zähnen hinten müsste ich bei der e*13 definitiv ein 32 statt 34er Kettenblatt fahren und hätte damit nur noch ein Spiel um 2 weitere Zähne (auf ein 30er KB). Fraglich ob mir 32/44 in Finale Ligure reichen würde. 32/46 ist für den Anfang schon besser, letztendlich plane ich ja nachts sogar mit 30/46. Die Vorteile der höheren Bandbreite könnte ich also gar nicht ausnutzen.

Und jetzt kommt der wichtigste Part, der Vergleich der Abstufungen der Kassetten und die Wahl auf die Sunrace MX8 Serie.

Shimano XT M8000 vs. Sunrace MX8 11-46

In der Ebene bietet die Shimano XT Dank feiner Abstufung (11-13-15-17-19-21) eine bessere Abstimmung als die Sunbrace MX8, die mich beim Sprung 15-18-21 manchmal zur Verzweiflung treibt. Denn wenn 15 zu klein ist, ist 18 zu groß. Das bedeutet also entweder niedrigere Kadenz (15) oder weniger Leistung (18).

Harmonischer Geschwindigkeitsabfall bei Shimano XT M8000 15-17-19-21 zu Sunrace MX8 15-18-21. (Screenshot: Ritzelrechner.de)

Dafür spielt die Sunrace Kassette dann am Berg ihre Stärken aus. Beide Kassetten bieten mit 24-28-32 eine gute mittlere Einheit, ehe dann Shimano mit 37-46 extrem große Sprünge hat. Sunrace, die sich ein kleines Ritzel sparen (17-19 wird zu 18) kann hier mit 36-40-46 einen Gang mehr bieten. Auch die 11-42 Kassette mit dem Sprung 32-36-42 finde ich persönlich geschmeidiger als 32-37-42.

Sunrace MX80 11-50 vs. Sunrace MX8 11-46

Vergleich der Entfaltung von Sunrace MX80 zu Subrace MX8. (Screenshot: Ritzelrechner.de)

Noch ist die Sunrace MX80 11-50 nicht auf dem Aftermarket erhältlich, diese wäre aber eine willkommene Alternative. Mit 32-36-42-50 wäre sogar jeweils das nächst größere Kettenblatt fahrbar. Denn mit einer Entfaltung von 1.52 (34/50) zu 1.56 (32/46) verliert man nur minimal auf dem Rettungsanker, während die Entfaltung ab 34/42 zu 32/40 bereits zugunsten der 11-50 Kassette ausfällt.

Fazit

Wer wenig Berge hat, der kann mit einem größeren Kettenblatt und einer gut abgestuften Kassette mit einer einfach Schaltung genauso viel Spaß haben, wie jemand der im hügeligen oder bergigen Gelände wohnt und sein Kettenblatt entsprechend anpasst.

Ob 11-42, 11-46 oder 11-50 liegt ist dann eine Geschmacksfrage, wie wichtig die feine Abstufung bei den kleineren Ritzeln ist bzw. wie groß die maximale Entfaltung auf dem großen Ritzel sein muss.

Eine perfekte MTB Übersetzung gibt es bei all den verschiedenen Möglichkeiten sowieso nicht. Es bleibt ein Kompromiss aus Abstufung, Komfort, Wartung und Verschleiss.