Der Rocky Mountain BIKE Marathon 2017 sollte das letzte Vorbereitungsrennen für die 24h Mountainbike Weltmeisterschaft 2017 in Finale Ligure werden. Auf einem der Aushängeschilder europäischer Mountainbike Marathons wollte ich auf der 135km Strecke mit knapp 4000hm meine Form beweisen.

Mit dem halben #wemboFinale Team reisten wir bereits einen Tag vor dem Start in unserem Teambus zum Rocky Mountain BIKE Marathon 2017 an.

Um 07:15 Uhr stand ich also im Startblock A mit den wilden Profis wie die späteren Sieger Stiebjohann und Huber sowie einer Menge weiterer Profis und Halbprofis. Mein Gemüt war dafür extrem ruhig, denn vordergründig war der Rocky Mountain BIKE Marathon 2017 für mich ein Leistungstest, das Ergebnis sekundär und in dem 2.000 Teilnehmer starken Feld ging es für mich sowieso um die goldene Ananas. Wenn ich auf der Langstrecke mit 135km und fast 4000hm in meinem 24 Stunden Tempo nicht Letzter werde, wäre es schon gut. Die Gelassenheit half jedenfalls dabei.

07:30 Uhr: Der Startschuss und alles war vergessen?

Mit dem Startschuss war das Adrenalin da. Ich war jetzt wach und mit einem Mal auch aufgeregt, positiv aufgeregt. Ihn freudiger Erwartung was da kommen wird. Die folgenden acht Stunden sollten ereignisreich werden, in vielerlei Hinsicht.

Vom Start weg ging es – anders als in meiner Erinnerung aus 2015 – nicht flach durch Willingen, sondern zuerst eine kleine Rampe hoch am Ettelsberg. Nicht lang, aber lang genug um erst Mal mit 350-400 Watt das Tempo ordentlich zu überziehen. Aber ich fühlte mich gut und ließ es drauf ankommen.

Am hohen Eimberg, nachdem wir dann wirklich flach durch Willingen gefahren sind, habe ich schnell meinen Rhythmus gefunden und gehalten. 2,6km mit durchschnittlich 8% ging es bergauf. Tim schloß ziemlich früh zu mir auf und entschied sich meinem Tempodiktat zu unterwerfen – vorerst um Kraft für die dritte Runde zu sparen. Ich hatte nichts dagegen, konnte ich doch mentale Unterstützung gibt gebrauchen und wenn ich dann noch Hilfe leisten kann… bitte gerne!

Pacing ist alles und Tim vertraute meiner beherrschten Fahrweise, wenn auch auf den Abfahrten zu meckern begann, weil ich gerade auf den ersten 50km in der Linienwahl, Bremspunkt und Geschwindigkeit nicht mein Soll erfüllte. Aber die Streckenbedingungen waren katastrophal, meine Maxxis Icon bestimmt nicht die beste Wahl und sowieso und überhaupt!

Ich war aber auch aufgrund der ersten Downhills (Hoher Eimberg ohne freie Fahrt brauchten wir im ersten anspruchsvollen Downhills mit 4:30min doppelt so lang wie 2015. Meine Bremsen kamen an ihre Grenzen und meine Gelassenheit ebenso, schieben wäre schneller gewesen aber das hätte mein Schuhwerk nicht mitgemacht. Also hieß es schön hinten anstellen…) extrem gefrustet und riskierte im Anschluss in den Abfahrten vielleicht einen Tick zu viel.

Mit den Anstiegen am Dommelberg West und Ost kamen weitere 600hm dazu, die wir perfekt pacten. An beiden Bergen diktierte ich mit 220 Watt das Tempo und war genau da, wo ich in Finale Ligure sein will (und nur 90 Sekunden langsamer als 2015 je Anstieg). Auch den Eichholz, Koppen und Im Grund stellen im gründe keine Herausforderungen dar und so kamen wir nach drei Stunden zum ersten Mal am Ettelsberg Anstieg an, der 70km später sich mir alleine in den Weg stellen sollte.

Auf gehts in die zweite Runde

Etwas verspätet aufgrund der miserablen Strecke ging es in die zweite Runde, also hinauf zum Ettelsberg und dann weiter Richtung Langenberg. Zwei 800er standen uns also auf dem Weg in die dritte Runde im Weg.

Die Verpflegung klappte super, dass Team war gut vorbereitet und die Marschroute klar. Am Ettelsberg riss ich das erste kleine Loch zu Tim, der dann in den den Serpentinen extrem arbeiten musste um den Anschluss wieder herzustellen. Die weiteren 2km konnten wir dann gemeinsam weiter fahren. Mit 210 Watt hatte ich das ganz gut eingeschätzt und so Tim die Möglichkeit gegeben dran zu bleiben.

Nach 4,5 Stunden, nachdem wir den Burbecke Anstieg (1,5km, 11%, 230 Watt) gut hinter uns gebracht hatten und in den Downhills unseren Spaß hatten, fuhr ich in mein erstes Loch. Vorher hatte ich zum Glück meine Abfahrtsform wieder gefunden, gerade rechtzeitig auf dem Ettelsberg vor dem langen, felsigen Downhill mit alpinen Touch. Yeah, das rockte.

Nach 70km bzw. 4,5 Stunden dann aber das erste Loch. Ich schon ordentlich Kohlenhydrate ins Feuer und versuchte am steilen Anstieg hinauf zum Haus Wildenstein (2km, 6%) konstant weiter zu fahren. Wir blieben knapp 200 Watt, dafür war ich danach wieder erholt.

Richtung Langenberg übernahm Tim die ein oder andere Führung und ich ließ die Beine etwas hängen, denn mit 7,7km sollte der Anstieg auf NRWs höchsten Berg mächtig Schmerzen verursachen, immerhin hatten wir schon 80km in den Beinen.

Die ersten 3,5km ging ich den Berg verhalten (215 Watt) an, merkte dann aber schnell das ich noch Reserven habe und zog das Tempo an, um unsere 4er Gruppe etwas auf den Prüfstand zu stellen.

Tim konnte folgen, signalisierte aber nach der Runde ins Ziel zu fahren. Leider war danach auch für Tim der Ofen aus, während ich alleine am Langenberg die Spitze erreichte und sogar 30 Sekunden schneller war als wir 2015 im Marathon Tempo. Das gab mir nochmal einen Push.

Halt stop, dass kann doch nicht wahr sein

Nach knapp 6 Stunden erreichte ich das Festival Gelände aber leider von der falschen Seite! Nach dem Zuschauerparkplatz übersah ich das Schild in den Wiesenanstieg mit dem Stacheldrahtzaun, der so unglaublich Schmerzen bereitet nach 95km. Stattdessen folgte ich einem Fahrer, der sich ausgefahren ist und die Kurzstrecke fuhr bis in den Ortskern. Bei Rewe drehte ich um… 2km mehr und fast 6min Zeitbonus… Warum dort kein Streckenposten steht ist mir genauso unerklärlich wie die Startzeit von 07:30 Uhr…

Die dritte Runde und die fast verkorkste Generalprobe

Kein DNF! Kein DNF! Das war alles, als ich krampfhaft die Strecke suchte und meinen Ärger über die verlorenen Plätze unterdrückte. Nach der Rundendurchfahrt ging es wie in Runde 2 wieder hinauf zum Ettelsberg. Diesmal noch mehr pöbelndes Partyvolks mit haufenweise Bierdosen/flaschen im Bollerwagen, die nicht nur die Strecke versperrten, sondern auch noch mit Armbewegungen Richtung Fahrer für unnötiges Slalom fahren sorgten…

Nach knapp 100km hatte ich den Gipfel erklommen, weiterhin absolut im Soll mit 220-230 Watt in den Anstiegen. In den Abfahrten waren die Wege jetzt auch voller und die Finger pausenlos auf der Bremse. Eine Gruppe Biker machte mir artig platz – so sah es aus. Leider nicht alle, denn der hinterste Fahrer zog nach einem Schulterblick etwa 30m vor mir in meine Spur… Viel weiss ich nicht, ich rief und bremste und merkte aber schnell das ich nicht zum Stehen komme. Frontal muss ich gegen das Rad des Mountainbikers gefahren sein, der zum Glück keinerlei Verletzungen davon trug.

Ich landete nach dem Aufprall, an den ich mich nicht erinnern kann, mit dem Kopf gegen Fahrtrichtung. Überschlag? Drehung im Fallen? Ich weiß es nicht. Mächtig durchgeschüttelt blieb ich eine gefühlte Ewigkeit liegen, war aber ansprechbar und konnte mich bewegen. Tief durchatmen… Ruhe finden… Auch das aufstehen klappte. Mein Rad untersuchten die Kollegen des anderen Mountainbikers. Alles dran, Flaschen wurden aufgehoben und der Garmin wieder auf die Halterung gesetzt.

Meine Beine waren ok, der Rücken tat weh, die Handgelenke und Hände ebenso. Ich lenkte meine Gedanken auf den schmerzenden Handgelenke und fuhr weiter. Bloß kein DNF, du brauchst für Finale das Ergebnis waren meine einzigen Gedanken zu dieser Zeit.

Am Rodelbahn Downhill wird es dann mit dem Handgelenk tricky… aber auch die letzte schwere Abfahrt des Rennens meistere ich nach 110km. Die Kortecke forderte nochmal alles von mir ab (2,5km und 8% Steigung), allerdings war das Ziehen am Lenker nicht möglich und so konnte ich gerade so 200 Watt aufs Pedal bringen. In der folgenden Abfahrt erwischte ich an einer Bachdurchfahrt blöderweise noch die falsche Seite und kippte über den Bach. Der Belgier, den ich gerade überholt hatte, konnte lachend an mir vorbeiziehen und drückte nochmal aufs Tempo.

Im finalen Anstieg am Ettelsberg kam er zurück in mein Sichtfeld. Ich drückte alles was ich nach 8:15h noch in den Beinen hatte und konnte den Schlußanstieg mit 244 Watt im Wiegetritt hochtreten, so kam der Belgier nicht mit und mein Handgelenk musste weniger arbeiten.

Eine jubelnde Crew im Ziel

Mit der Zieldurchfahrt war es geschafft und die jubelnde Crew der Lohn für einen harten Tag im Büro.

Glück im Unglück irgendwie und direkt nach dem Rennen waren die schwere der Verletzungen nicht absehbar. Bestens verpflegt genoss ich kurz etwas Ruhe. Dann nahm Ansgar mein Rad in Beschlag (beide Laufräder hatten durch den Sturz einen Schlag, der Steuersatz hatte Spiel und die Schaltung war fies).

Maren kümmerte sich um mein Essen und ich konnte einfach da sitzen. Hach, das war schon sehr schön.

Fazit

74. Platz (42. AK) und damit nicht letzter. Trotz Sturz, trotz verfahren und im 24h Renntempo. Meine Beine waren nach dem Rennen super, ich war für die Distanz und das Rennen ziemlich fit und wenig müde. Zumindest spiegelte mir das meine Crew und verglichen mit Ansgar nach seinem Rennen in Emmelshausen einen Tag später pflichte ich ihnen bei.

Auch wenn in der Nacht das Schleudertrauma einen Start in Emmelshausen beim Schinder(Hannes) MTB Superbike verhinderte, weiß ich, dass die Beine da gewesen wären und ich das geplante Tempo hätte umsetzen können. Das stimmte mich zuversichtlich und lässt mich am Ende das Wochenende als positiv bewerten.

Mit einem Schleudertrauma, einer Nackenzerrung und Prellungen an Rücken und Schulter ist der Sturz mit knapp 50kmh glimpflich ausgegangen und die Physio Prognose für das 24h Rennen in Finale Ligure ist positiv.

Daten & Fakten:
Strecke: 135km (mit verfahren)
Höhenmeter: 4200hm
Zeit: 8:31h
Leistung: 201 Watt NP
Herzfrequenz: 158pbm Schnitt, 184bpm maximal
TSS: 410
Suffer Score: 777 :D
Intensität: 70%
Kalorien: 5870

Ernährung:
300gr Sponser Competition Ultra (verteilt auf 6 Flaschen)
3x Sponser Liquid Energy Plus Tube
3x Sponser Liquid Energy Plus BCAA
2x Sponser Liquid Energy Plus Beutel
4x Riegel