Zwei Wochen sind vergangen seit dem ich bei der wembo 24h Mountainbike Weltmeisterschaft 2017 in Finale Ligure den dritten Platz erreicht habe und auf dem Podium der Siegerehrung bei der Weltmeisterschaft gestanden habe. Gemeinsam mit Weltmeister Elias van Hoeydonck (Belgien) und dem Vize Weltmeister Peter Piazza (Italien) in meiner Altersklasse. Zeit, um dieses bisher einmalige Erlebnis in einen Rennbericht zu fassen.

Den Lauf überstanden und keine schweren Beine, kein Puls auf Anschlag und trotzdem relativ gut positioniert. Zumindest war so mein Gefühl. Und endlich ging es aufs Rad und ich war sofort in meinem Element.

Trotz des beschwerlichen Laufs und meinen Umknickern blieb ich im Fokus und ging konzentriert aufs Rad. Ich überholte, wo es notwendig war und agierte ansonsten defensiv.

Nach dem wir an der Expo Bühne und durchs den hinteren Teil des Fahrerlagers gefahren sind kamen wir an der Strecke raus, die ich abgefahren war. Aber hier war der Verlauf anders als angenommen und wir fuhren über einen Umweg zurück zur Expo Area, um dann zur Überraschung vieler, auf die Teamstrecke abzubiegen.

Es folgte ein langer Trail inkl. Stufe, sowie der erste knackige Uphill. Insgesamt waren wir knapp 7:30min unterwegs, bis wir wieder an der Expo Area waren und auf die bekannte Strecke abbogen. Ich wusste, dass ich in dem folgenden Anstieg angreifen musste.

Der erste Anstieg ist nicht steil und lag mir und die folgende knackige Trailpassage war lang und hier konnte man bereits erste Abstände rausfahren. Und so war es auch.

Die folgenden 5km kannte ich und wusste genau, dass es zum Ende beim Toboga Uphill das erste Mal anstrengend wird. Anders als mit dem Grand Canyon hatte ich mit dem Canyon Lux hier auch große Probleme hoch zufahren, weil die Kraftübertragung eines Fullys nicht mit einem Hardtail vergleichbar ist.

Außerdem war die Strecke voll und die Ideallinie vergeben und wenn einer absteigt, dann steigen eben alle ab.

Außerdem hielt sich an zwei Stellen der Zeitverlust in Grenzen und die Kraftersparnis beim Schieben war gewaltig, danach folgte ein weiterer neuer Streckenabschnitt, der mir extrem lag. Ein toller Rummel Downhill mit Felskantenüberfahrung und zwei steilen Rampen. Nach einem 180 Grad Turn ging es dann leicht steigend zu Toboga zurück und im Stadion kam es in den ersten Runden zu packenden Duellen.

Ein Überholvorgang in Serie

Fokus, Ruhe und Rhythmus. Daniel startet gut ins Rennen

48:57min Zum ersten Mal ging es mit dem Rad an der Teamarea vorbei. Altah, ein Gänsehaut Moment.

Beste Gang der Welt.

Die Übergabe funktionierte und das letzte kleine Fragezeichen für mich zur Nebensache geworden. Anders als in Gulbergen wusste ich, dass ich mich jetzt nur noch aufs Radfahren konzentrieren muss.

2:10:35 Erinnerungen an München werden wach, denn wieder war früh im Rennen ein Baum im weg. Allerdings konnte ich diesmal durch den Baum fahren, allerdings auf Kosten meiner Brille. Wie erklärt man das in 15 Sekunden Gesprächszeit seiner Crew, die wiederum auch möglichst viel in knapper Zeit mitteilen will? Einfach reden.

2:52:31 Irgendwas rappelt da komisch, stelle ich beim Schieben hinauf zu Toboga fest. Richtig, mein Sattel lässt sich nach vorne und hinten bewegen. Verdammt. Also Meldung machen an der Box, die wild gestikulierend da steht… Ach ja… die neue Brille. Scheiß auf die neue Brille, ich brauch ne neue Sattelstütze. Aber Ansgar ist nicht da. Also weiter und eine Runde später wechseln.

3:34:00 Maren sagt mir, dass Ansgar bereit steht. Ich springe vom Rad und schneller als ich gucken konnte war die Stütze drin. Brille bekam ich jetzt auch, inkl. der Frage warum ich die nicht vorher genommen habe. Aber der Fokus war doch woanders… Ich nutze die Zeit zum durchatmen und weiter gehts.


Blöderweise war der Sattel in der Grand Canyon Höhe eingestellt, weil nicht die Sitzhöhe sondern Einstecktiefe verwendet wurde… Anfängerfehler und wurde eine Runde später korrigiert.

Im Flow bei der 24h Solo Mountainbike Weltmeisterschaft

4:16:15 Die ersten 6 Runden waren schnell vorbei. Mit 40:28, 41:10, 41:56, 42:07 und 41:37 (trotz 45 Sekunden Stützentauschs) war ich gewohnt konstant unterwegs. Gemeinsam mit Martin Staiger, der am Ende bester Deutscher werden sollte. Diesen Platzierungskampf hatten wir nicht auf der Liste, deswegen habe ich Martin diese Ehre kampflos überlassen.

Unsere Gesprächsthemen beschränkten sich auf seine Karrtoffelspeisen und meinem Quinoa Wahnsinn. :D

Mit Martin Steiger in Toboga.

Ansgar konnte mir kurz die Höhe richtig einstellen und dann hatte ich auch die Schnauze voll von defekt.

05:43:46 Das Rennen ist langsam in der Entfaltung, ich fühle mich gut und ohne eine Platzierung zu wissen fühle ich eine Zielerfüllung. Ich bin mir sicher in den Top10 meiner Altersklasse zu fahren.

Allerdings fällt es mir zunehmend schwerer meine Flasche zu trinken. Es gibt nicht viele Möglichkeiten sich auf der Strecke zu verpflegen und entweder man nimmt etwas raus und trinkt oder man erhöht den Druck und geht als Erster der Gruppe in die technischen Passagen.

Außerdem mag mein Magen nicht mehr so. Ich zwinge mich die Flaschen kurz vor der Verpflegung leer zu trinken. Aber das wird ebenfalls schwerer.

Während Christina das Kohlenhydrat Defizit errechnet, gebe ich auf dem Kurs alles. Mit 45min, 43min und 47min halte ich den Abstand zum Podium konstant, Franseco Parutto ist nicht mehr schneller.

Ein Hinterrad Defekt zermürbt die Beine

6:28:10 Das erste Drittel neigt sich dem Ende und ich fühle mich doch müder als nach dem Rocky Mountain BIKE Marathon. Das Rennen ist extrem hart. Die Strecke, die Downhills, die Anstiege und das Wetter.

Trinken, trinken, trinken…

Die Phase ist rennentscheidend. Es ist konzentrierter auf der Strecke geworden. Die Positionskämpfe werden härter ausgefochten und langsam aber sicher entwickelt sich ein Rennen. Und dann passiert es.

Mein 40er Ritzel hat einen verbogenen Zahn, nach innen. Also kann ich das 46er Ritzel nicht mehr verwenden. Ansgar ist gerade unterwegs, um mit seinem Media Moped Fotos zu machen. Hilfe ist auf der Strecke untersagt, also fährt Ansgar vor, damit er den Schaden beheben kann.

Toboga schiebe ich hoch, danach gebe ich alles. Setze alles auf eine Karte und mache mächtig Tempo und dann? Dann ist Ansgar kurz vor dem Toboga Downhill direkt vor mir. Ich glaube meine Worte waren nicht allzu freundlich, immerhin bin ich seit 8 Stunden am Rennen fahren und fahre eine Lücke gegen Ansgar zu, der zum ersten mal an den´m Tag auf dem Rad saß…

Warum Ansgar nicht die Strecke abgekürzt hat, wusste er selbst nicht. Am Ende sah ich ihn zur Team Area fahren, als ich wieder in den Weingarten Uphill zum Zielbereich abbog. Also eine weitere Runde ohne 46er und 40er Ritzel… meine Beine waren gefordert.

07:11:13 In meiner zehnten Runde konnte ich trotz des Defekts mit 43min ziemlich schnell fahren. Wahrscheinlich war ich für die Gesamtdauer des Rennens zu schnell und habe zuviel riskiert.

Letztendlich war das Team vorbereitet den defekt zu beheben.

Aber so wirklich besser wurde es nicht. Glück im Unglück war die Tatsache, dass sich meine Frau zu diesem Zeitpunkt einen tollen Ort ausgesucht hatte, um uns zuzugucken und im ersten Drittel der Strecke wartete und direkt Weitermelden konnte, dass wir die Pause vorziehen und der Schaden nochmal weiter behoben werden muss.

Mit meiner 47er Runde verlor ich gut 5min auf Parutto und bog in die erste Pause ab.