Zwei Wochen sind vergangen seit dem ich bei der wembo 24h Mountainbike Weltmeisterschaft 2017 in Finale Ligure den dritten Platz erreicht habe und auf dem Podium der Siegerehrung bei der Weltmeisterschaft gestanden habe. Gemeinsam mit Weltmeister Elias van Hoeydonck (Belgien) und dem Vize Weltmeister Peter Piazza (Italien) in meiner Altersklasse. Zeit, um dieses bisher einmalige Erlebnis in einen Rennbericht zu fassen.

Dank meiner Frau, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort wichtige Informationen vom Streckenrand aufnehmen konnte, konnten wir den Stint 1 verkürzen und meine Beine von den Qualen des dicken Gangs erlösen.

Der Hinterrad Defekt zum Ende des ersten Stints hat mir drei Runden lang verdammt viel Energie aus den Beinen gezogen, denn mit 32/36 ließ es sich wirklich nur sehr schwer die über 20% steilen Rampen hinauf kriechen.

Im Nachgang betrachtet wäre sicherlich schieben schonender gewesen. Aber nun gut. Die Pause zogen wir eine Runde vor, nachdem das erste Anhalten zum Beheben des Defekts nichts nutzte. Letztendlich war ein Stein schuld, der einen Zahn des 40er Ritzel verbog.

Die erste Pause oder einfach mal Abschalten

Alles war angerichtet als ich angehalten bin. Mir wurde vom Rad geholfen, mein Stuhl stand parat und alle wollten mir alles gleichzeitig geben. So lieb aber ich brauchte nur eins: Ruhe :D

Mein Team verstand und gab mir ein paar Minuten zum durchatmen. Im folgenden erklärte ich, dass ich nicht mehr die Kohlenhydrate so einfach aufnehmen kann und extreme Schwierigkeiten habe meinen Magen aufrecht zu erhalten. Wir änderten die Ernährungsstrategie auf Wasser und Riegel, also 40gr KH statt 100gr mit dem Risiko, dass ich mich leer fahre.

Während ich Wassermelone, Datteln und Wasser in mich hinein stopfte, bereitete Ansgar das Rad für die Nacht vor. Außerdem wechselte er das Hinterrad, da die Schaltungsprobleme anhielten. Leider vergas Ansgar Regel Nummer 2 „Stelle keine Entscheidungsfragen im Rennen“ und wechselte aufgrund meiner Antwort nicht auf das kleinere Kettenblatt, obwohl dies nach den vielen Runden mit extremer Kraftbelastung sehr sinnvoll gewesen wäre. Ich wollte das nicht. Warum? Das kann ich mir im Nachgang auch nicht erklären.

Das neue Hinterrad sollte am frühen Morgen dann mit 28 lockeren Speichen gegen mein Carbon Race LRS zurückgetauscht werden, Aluminium ist den Bedingungen des Kurs nur bedingt gewachsen gewesen.

09:49:21 Nach der Pause ist mein oberstes Ziel wieder in den Rhythmus zurück zu finden. In der 13. Runde war dies wirklich schwer. Meine Beine haben mehr unter den technischen Defekt gelitten als ich wahr haben wollte. Also teilte ich der Crew mit, dass wir eine Runde später auf das 30er Blatt wechseln werden.

Zudem wollte ich keinerlei Kohlenhydrate mehr über meine Flasche aufnehmen, sondern stattdessen erstmal Wasser trinken. Mein Bauch rebellierte immer weiter. Anstatt Gels stellten wir auf feste Nahrung um, Riegel gingen relativ gut.

10:45:42 Kurz vor der Halbzeit also der Boxenstop auf das kleine Kettenblatt. Mit 56:21 war der Stopp im Rahmen und ich verlor nicht viel Zeit, trotzdem wuchs der Rückstand auf Platz 3 auf über 35 Minuten an. Der Franzose Trochon war ebenfalls auf Platz 4 liegend noch vor mir.

Allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt mehr damit beschäftigt den Abstand nach hinten auf die Plätze 6-7 zu halten, die ebenfalls 14 Runden gefahren sind und nur wenige Minuten hinter mir lagen.

11:33:50 Mit dem kleinen 30er Kettenblatt lief alles etwas flüssiger und ich war nochmal in der Lage Rundenzeiten unter 50min zu fahren, während Pellegrini Runde um Runde zehn Minuten langsamer fuhr. Ich holte also auf Platz 4 und 3 auf ohne es zu Wissen.

Ich wusste, dass ich nicht ganz schlecht auf dem Kurs liegen kann. Zwar war bergauf das Tempo futsch aber ich wurde nicht häufig von meinen AK Kollegen überholt, einzig die Profis und 2er Teams überholten mit ordentlich Tempoüberschuss.

Aber es war nicht einfach und schier ein unglaublicher Kraftakt Runde um Runde die Kraft am Berg aufzubringen.

Dafür war ich bergab weiterhin schnell, sehr schnell. Immer wieder stellte ich die Fahrer, die mich zuvor am Berg überholt haben. Hier galt für mich die Devise, wenn du schneller unten bist, tut es weniger lang weh :D

12:25:23 Besonderen Spaß hatte ich mit der Lupine Beleuchtung, die mir das ein und andere Mal ein Lächeln ins Gesicht zauberte: Daniel führt die Gruppe an, alle machen ihre Lampe aus. Daniel nimmt Lupine auf Stufe 1 und sieht ausreichend, alle müssen aber ihre Lampe wieder anmachen. Daniel fährt auf Gruppe auf und stellt Lupine auf Stufe 4, die langsamen Fahrer machen sofort Platz.

Das ganze ganz bequem mit beiden Händen am Lenker, da die Fernbedienung das ultimative Gadget ist.

Meine Rundenzeiten lagen zur Rennhälfte weiterhin um 50min und ich konnte langsam aber stetig auf meine Vordermänner aufholen, während der Abstand nach hinten wuchs.

13:20 Ich hatte im Rennen ein gutes Gespür für die Lagesituation. Gegen Mitternacht brach eine entscheidende Phase an, viele Fahrer waren deutlich von den Strapazen gekennzeichnet. Ich auch. Trotzdem konnte ich bis auf wenige Ausnahmen am Berg ganz gut hochfahren, dass sparte Zeit zum Schieben und ich blieb im Rhythmus.

In den letzten drei Runden konnte ich mich auf Platz 4 vorarbeiten und den Absatz auf den dritten, Francesco Parutto, Runde um Runde verkleinern, während der Abstand auf Rang 5 bereits 2 Runden betrug.