Zwei Wochen sind vergangen seit dem ich bei der wembo 24h Mountainbike Weltmeisterschaft 2017 in Finale Ligure den dritten Platz erreicht habe und auf dem Podium der Siegerehrung bei der Weltmeisterschaft gestanden habe. Gemeinsam mit Weltmeister Elias van Hoeydonck (Belgien) und dem Vize Weltmeister Peter Piazza (Italien) in meiner Altersklasse. Zeit, um dieses bisher einmalige Erlebnis in einen Rennbericht zu fassen.

Nach über 13 Stunden hatte ich bereits 17 Runden auf meinem Konto und damit alle selbstgesteckten Ziele in meiner Hand: Top 10 Ak, Top 50 Gesamt, 30 Runden und 300km. Trotz der Pausen lag meine normalized power noch über 200 Watt und ich mental war ich im Modus Runde für Runde zu denken.

Dabei war die Runde für mich bereits mit dem Erreichen von Toboga Uphill beendet, eingetütet wie ich es im Selbstgespräch nannte. Der folgende Rumpeldownhill mit den Gegenanstiegen zählte nicht und kostete deswegen auch keine Kraft. Keine Ahnung wie ich das mental so steuern konnte aber es funktionierte bis zum Rennende perfekt. Das letzte Drittel des Kurs lag mir am Besten und hier holte ich Runde um Runde mächtig Zeit raus.

Der Kampf ums Podium beginnt

In den Runden 15,16,17 lief das Rennen langsam aber sicher zu seinem Höhepunkt. Im Rennen selbst habe ich gespürt, dass die entscheidende Phase begonnen hat. Für mich galt aber Platz 5 zu verteidigen und mich abzusetzen. Mit mehr beschäftigte ich mich nicht.

Es war kurz vor 1 als ich zur zweiten Pause anhielt, wie wir nach Stint 1 besprochen hatten, veränderten wir die Taktik auf 8-5-3-Ende, um den anspruchsvollen Kurs Tribut zu zollen.

14:28:00 In der 18. Runde lag ich auf Platz 4, wenige Minuten hinter Parutto auf 3 und mit zwei Runden Vorsprung auf unsere Verfolger. Der Franzose Trochon verabschiedete sich aus den Top 5, als er eine Schlafpause einlegte.

Auch für die Crew begannen schwere Stunden. Während ich mich durch die Bewegung wach halten konnte, mussten Chrissie und Co. alle 50-60min voll fitt sein, um die Verpflegung zu meistern und ggf. Informationen aufzunehmen.

Besonders schwierig ist das Erkennen der Fahrer in der Nacht, aufgrund der blendenden Scheinwerfer und absoluter Dunkelheit.

15:19:25 Platz 3 mit sieben Sekunden Vorsprung. Startnummer 119 greift in der 19. Runde das Podium an. Mit einer 51min Zweit (Parutto 1:18h) greife ich an ohne es zu Wissen.

Die Crew feiert in Toboga. Ich genieße die Stimmung dort jede Runde. Gänsehaut und Adrenalin Schub inkl.

16:40:21 Ich bin fix und fertig. Schiebe alle Anstiege und möchte nur noch schlafen. Meine Crew ist froh mich zu sehen, bin ich doch fast 20min langsamer gefahren als gewohnt.

Ich halte kurz an. Während alle in Extase sind und mir erzählen ich liege auf Platz 3 kontere ich auf meine eigene Art:

Setzt mich nicht noch mehr unter Druck. Verdammt. Ich will Platz 5, lasst mich in Ruhe. (Daniel Lambertz, nach 16:30h Renndauer um 03 Uhr in der Nacht.

Während mich in München die Nachrichten über Platz 5 und 3 seinerzeit mächtig pushten und in ein emotionales Hoch brachten, waren die Nachrichten jetzt wirklich nebensächlich.

Ich war leer.

Ich muss irgendwie die Nacht überstehen, noch zwei Runden dann wird es hell sagte Johannes und sollte nicht Recht behalten.

18:57:54 Zwei weitere Runden schleppte ich mich um den Kurs. Während Parutto in meiner Pause seinen Rückstand auf 10′ verkürzen konnte, war ich im folgenden trotz Rundenzeiten über 58:22 und 1:19h jeweils über 10 Minuten schneller und baute den Vorsprung auf 30 Minuten nach 22 Runden aus. Hell war es noch immer nicht und wir hatten es bereits nach 5 Uhr in der Früh.

19:59 Mein Team war mit allen Mitteln gewaschen und wusste sich zu helfen. Von wegen Platz 5, das Team entschied ich muss das Podium verteidigen. Während sie mich kommen saßen, haben sie kurzerhand alle möglichen Sitzplätze belegt und Marko vom Eulenexpress um Hilfe gebeten. Während Marko mir irgendwas von Training erzählte und kämpfen, merkte ich nicht einmal, dass man mich zum Weiterfahren motivieren wollte. Angeblich habe ich Marko mit nem Riegel abgeworfen und bin weiter. Meine Erinnerung ist weg.

Ich war knapp 30min schneller als Parutto, der nach 23 Runden das Rennen aufgab.

21:02 Die Taktik meines Team funktionierte und ich fuhr zwei Runden um eine Stunde und konnte damit den Abstand zu Parutto vergrößern und der hereineilende Pellegrini überholte zwar Parutto kam mir aber nicht mehr gefährlich nahe.

Drei Stunden vor Rennende begannen die Hochrechnungen. Bei fast 90 Minuten Vorsprung und Rundenzeiten um eine Stunde sollten zwei weitere Runden für das Podium ausreichen.

Ich begann mich mit Platz 3 auseinanderzusetzen, auch wenn ich daran (auch wegen meiner Erfahrung aus München) noch nicht glauben wollte.