Wir haben ein Rennen! Daniel ist unterwegs auf der ersten Runde. Jetzt kommt es auf das Team an, wir wollen die bestmögliche Unterstützung bieten. Christina und Johannes werden ihren Job perfekt machen, Maren leistet hervorragende Medienarbeit. Ich als Mechaniker werde nicht komplett versagen, aber reichlich Fehler machen. Als Manager des Teams habe ich keine Arbeit mehr, alle wissen um was es geht und was sie zu tun haben.

Das Team arbeitet routiniert

Ab jetzt beginnt für das Team eine andere Zeitrechnung. Die nächsten 24 Stunden vergehen nicht im Stundentakt, sondern teilen sich in 45 bis 50 Minuten-Segmente auf. Der Ablauf wird bis auf Ausnahmen immer der gleiche sein: warten, versorgen, analysieren, warten. Die ersten drei Runden verlaufen problemlos, das Team versorgt Daniel, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Dabei ist der Ablauf und die Positionen klar festgelegt. Wir können früh sehen, wenn Daniel in das Camp einbiegt. Dort steht ein Späher um Informationen auf zu nehmen. Christina steht am Pavilion und hat die Flasche mit Kohlehydrate/Iso Mix und Gel bereit, cirka 50 Meter weiter steht Johannes mit einer Flasche Wasser. Daniel nimmt aus der Flasche Wasser nur einen Schluck und wirft sie dann weg, Johannes sammlet sie dann auf.

 

Media-Fuzzi auf der Strecke und ein erstes Problem

Maren und ich beobachten alles mit Abstand, Maren um es später der Community zu berichten und ich um zu schauen ob es wie geplant funktioniert. Und es funktioniert perfekt. In der dritten Runde verliert Daniel seine Brille. Er kann mir sagen wo und da das Team gut alleine klar kommt, mache ich mich mit meinem Media-Rad auf, um die Brille zu suchen. Ein bisschen mache ich mir schon Gedanken, ob ich die Teilnehmer behindern oder aufhalten werde. Aber ich bin sehr umsichtig und versuche die schmalen Abschnitte erst zu fahren, wenn eine größere Lücke da ist.

Und eigentlich muss ich mir keine Sorgen machen, ich bin gut dabei und teilweise sogar schneller als die Rennfahrer. Ist ja auch klar, ich muss keine 24 Stunden durchhalten. Überrascht werde ich von der Streckenführung direkt am Anfang. Es geht schön Traillastig durch den Wald, bergauf, bergab, toller Streckenabschnitt. Mit dem Druck niemanden aufhalten zu wollen, jage ich die Downhill-Abschnitte herunter, viel schneller als vorher. Man muss auch einfach mal Vertrauen in das eigene Können haben.

In der Kehre, kurz vor einem felsigen, steilen Anstieg, in der Daniel seine Brille verloren hat, mache ich mich auf die Suche nach ihr. Gerade als ich mich durch Unterholz schlage, klingelt mein Telefon und Maren ist dran. Daniel braucht eine neue Sattelstütze! Mehr kann Maren mir nicht sagen. Ist sie gebrochen? Rein gerutsch? Schnell mache ich mich auf den Rückweg und kürze die Strecke entgegen der Fahrtrichtung ab. Dabei kommt mir erst Marie entgegen, die ich natürlich anfeuere und kurze Zeit später auch Daniel. Er ruft mir auch noch mal zu, dass er die Stütze getauscht haben will. Er sitz noch drauf, also kann es nur ein Problem mit dem Sattel geben.

Erster grober Patzer des Mechanikers

Zurück im Camp mache ich mich an die Demontage der Sattelstütze aus dem Ersatzrad. Insgesamt haben wir zwei Ersatzstützen zur Verfügung. Die im Ersatzrad montierte ist nahezu baugleich mit der im Einsatzrad. Das „nahezu“ wird leider eine negative Rolle spielen. Der Sattel ist von Neigung und Position voreingestellt. Der Tausch der Sattelstütze stellt also keinen großen Zeitaufwand dar.

Kurze Zeit später kommt Daniel auch schon angefahren. Auch spielt das Team wieder perfekt zusammen. Ich nehme das Rad von Daniel an und Maren ist sofort zur Stelle, um es festzuhalten, während ich schraube. Schraube lösen, Sattelstütze raus, neue Sattelstütze rein, Schraube wieder fest. Bei der Einstellung der Höhe orientiere ich mich an der Skala an der Sattelstütze, ein grober Fehler. Ich habe nicht bedacht, dass ich die Skala nicht nutzen kann, da der Rahmen beim Ersatzrad anders ist.

Davon ahne ich aber noch nichts, bis Daniel das nächste Mal vorbei kommt und sich zu Recht beschwert, dass die Sattelhöhe nicht stimmt. Also auf die nächste Runde gewartet und diesmal die Höhe mit Maßband eingestellt. Daniel legt selbst Hand an, da ich leicht überfordert bin. So hab ich mir das nicht vorgestellt! Daniel bestimmt auch nicht! Als Daniel wieder weg ist ärgere ich mich erst Mal über meine Unfähigkeit. Zur Ablenkung begutachte ich die ausgebaute Sattelstütze und stelle fest, dass sich tatsächlich der Sattel gelöst hat. Um das Ersatzrad wieder einsatzfähig zu machen, ziehe ich die Schrauben wieder fest und montiere die Sattelstütze, diesmal stelle ich die Höhe mit Maßband ein.

Die Technik fordert mich erneut

Nach zwei Durchfahrten beim Team ohne weitere Zwischenfälle, mache ich mich erneut auf den Weg auf die Strecke. Diesmal mit Kamera an der Brust. Es fehlte mir noch ein Streckenabschnitt im oberen Teil der Strecke, den ich noch nicht gefahren war. An der Stelle, wo die Brille liegen sollte, halte ich erneut, um nach der Brille zu schauen und auf Daniel zu warten um ein Foto von ihm zu machen. Als er vorbei ist, setze ich mich auf mein Rad und mache mich an die Verfolgung. Relativ bald und zu meiner Verwunderung habe ich ihn bald eingeholt, bleibe aber hinter ihm. Wir hatten vorher schon besprochen, dass ich mich unauffällig verhalte, sollten wir auf der Strecke zusammentreffen.

Auf einem breiten Weg bergauf, bin ich hinter Daniel und bemerke, dass er das größte Ritzel nicht mehr schalten kann. Ich bleibe hinter ihm und versuche zu erkennen, wo das Problem liegt. Das Schaltwerk geht nicht mehr in den linken Endanschlag. Ich fahre neben Daniel und rate ihm die Einstellung am Schalthebel zu verändern, das hat er aber schon versucht, also müssen wir einen erneuten Stop zum Technik-Check einlegen. Wir besprechen, dass ich vorfahre und ihn an der Box erwarte.

Ich verpasse Daniel um Sekunden

Mir passiert der nächste grobe Fehler. Da ich relativ locker an Daniel heran fahren konnte, kürze ich die Strecke nicht direkt ab, wie beim letzten Mal sondern fahre weiter auf der Strecke. Zwei Faktoren lassen meinen Plan nicht aufgehen: erstens werde ich auf einem Trail von einem langsameren Fahrer aufgehalten und zweitens legt Daniel an Leistung zu, da er weiß, dass er durch den Stop Zeit verlieren wird. Logischer Weise ist er erstaunt, als ich wieder vor ihm auftauche und ich eben so! Ich lasse ihn passieren und suche die nächste Abkürzung zum Camp. Leider führt die Abkürzung direkt durch die Expo, so dass ich wertvolle Zeit verliere. Auch der Sprint über die Straße hilft nicht, gerade als ich an der Rückseite des Camps ankomme, sehe ich Daniel am Pavillion vorbei fahren! So ein Mist!

Im Camp angekommen lege ich mir Werkzeug bereit und warte auf den nächsten Stop. 42 Minuten später ist Daniel wieder da und ich übernehme das Rad. Ich versuche die Schaltung einzustellen und das Schaltwerk wieder in die Endposition zu bringen. Nach einem Testlauf auf dem Radständer, bin ich der Meinung, dass es wieder funktioniert und schicke Daniel mit dem Rad wieder auf die Strecke. Der skeptische Blick auf dem Titelfoto zu diesem Beitrag sollte bestätigt werden.

In der Ruhe liegt die Lösung

Eine Runde später ist Daniel wieder da. Ich hatte mich extra direkt an der Einfahrt zum Camp gestellt um frühzeitig ein Feedback bekomen zu können. Das Feedback ist, dass es nicht funktioniert. Also erneuter Stop. Als Daniel anhält, schimpft er über ein loses Hinterrad. Die Steckachse hinten hatte sich gelöst. Alter! Wie schlecht kann ein Mechaniker sein? Also Hinterachse festgezogen und Rad nochmal auf den Ständer, um zu sehen ob jetzt alles funktioniert. Diesmal nehme ich mir mehr Zeit um die Funktion der Schaltung zu prüfen. Irgendwas stimmt da immer noch nicht. Und endlich fällt es mir auf: auf dem größten Ritzel ist ein Zahn verbogen!! Wie konnte das erstens passieren und warum hab ich das zweitens nicht schon beim ersten Stop gesehen. Jetzt macht sich die gute Vorbereitung bezahlt. Schnell das Ersatzlaufrad mit identischem Ritzelpaket geholt und eingebaut. Jetzt läuft die Schaltung wieder einwandfrei.

Was ein Mist, erneut ärgere ich mich über meine Unfähigkeit. Da jedes mal, wenn ich das Camp verlassen hatte ein Defekt auftrat, werde ich ab jetzt bei jedem Stop anwesend sein um sofort reagieren zu können. Da noch ein letztes Problem auftreten sollte, war die Entscheidung absolut richtig. Aber erstmal kommt Daniel beim nächsten Mal ohne weitere Pobleme vorbei. Das sollte sich schon in der nächsten Runde ändern.

Ein weiteres Problem und Vorbereitungen für die erste lange Pause

Während Daniel wieder auf der Strecke war, kümmerte ich mich um das Laufrad vom Einsatzrad. Da das Laufrad vom Ersatzrad auch das identische Ritzelpaket wie die Räder vom Einsatzrad hatte, tauschte ich das Paket der Laufräder. Damit war das Carbonlaufrad wieder einsatzfähig. Und es sollte tatsächlich bald wieder zum Einsatz kommen. Da bald die erste geplante Pause mit Lichtmontage folgte, legte ich mir die Lichtanlage schon mal montagebereit zurecht. Da auch noch der Wechsel auf ein kleineres Kettenblatt geplant war legte ich dafür auch alles bereit.

An dieser Stelle muss ich mal erwähnen, dass ich nur so viel Zeit für die Technik hatte, weil der Rest des Teams perfekt funktionierte. Ich hab mich zwischendurch immer mal wieder bei Christina und Johannes erkundigt ob alles wie geplant läuft und es lief wie geplant. Christina schrieb alles akribisch auf und hatte genau im Blick wieviel Daniel Energie Daniel verbrauchte und viel er zuführte. Und auch die abwechslende Gabe der verschieden Gels hatte sie voll im Blick.

Und auch Maren arbeitete perfekt. Sie sammelte die ganzen Ereignisse um sie dann zum Presseraum zu tragen und dort in schöne Worte zu verpacken und sie dann der Online-Community zu präsentieren. Außerdem strahlte sie immer Ruhe aus und war sofort mit einer helfenden Hand zur Stelle wenn es nötig war.

Pause und ein technisches Problem der besonderen Art

Aus verschiedenen Gründen zogen wir die Pause vor. Vorher hatten wir aber noch mit einem technischen Problem der besonderen Art zu kämpfen: die Lebensmittelwaage versagte ihren Dienst. Und das genau dann, als das Team die Menge Quinoa für die Zwischenmahlzeit abwiegen wollte. Ein Batteriewechsel brachte keine Abhilfe, also mussten wir uns um eine alternative Wiegemethode bemühen. Alle Teams im Umkreis hatten keine Waage am Start und da kam Johannes Idee aus einem Stift und dem Lineal ein provisorische Wagge zu bauen. Als Gegengewicht nutzten wir die Energie-Riegel. Es funktionierte, aber ich würde keine Garantie dafür abgeben, dass die Grammzahl 100% stimmte. Daniel erzählten wir nichts davon, nicht dass er sich noch Gedanken macht, dass er zu wenig oder zu viel gegessen hätte.

Während sich das Team um die Versorgung und Befindlichkeit von Daniel kümmerte, versorgte ich das Rad mit der Montage des Lichts, der Lupine Wilma samt Akku, und des Rücklichts. Die Kette bekam etwas frisches Öl und ich zog nochmal alle Schrauben und Achsen nach. Damit war das Rad wieder in perfektem Zustand. Den geplanten Kettenblattwechsel nahmen wir noch nicht vor, Daniel wollte noch weiter das größere Kettenblatt fahren. Eine Entscheidung, die wir beim nächsten 24 Stunden Rennen nicht mehr in Daniels Hände legen, wie wir nach der Analyse festgelegt haben. Nach 20 Minuten ging Daniel wieder auf die Strecke.

Wechsel des Kettenblatts und Ernährungsumstellung

Nur zwei Runden später kam Daniel rein zum Kettenblattwechsel. Diese Arbeit würde ich nachts mit verbunden Augen und einer Hand machen, so oft habe ich an meinem und Daniels Rädern schon die Übersetzung geändert. Während ich schraubte bekam Christina die Info von Daniel, dass sie Versorgung mit Gels und Kohlehydrate-Getränk nicht mehr funktionierte und er auf Riegel und Wasser umsteigen wollte. Logischer Weise mussten wir uns daran halten, denn das kann wirklich nur Daniel entscheiden. Wir hatten uns schon vorher Sorgen gemacht, denn die Flaschen kamen immer öfter noch halb gefüllt zurück.

Cristina hatte dabei immer die Übersicht und rechnete die nicht zugeführten Kohlehydrate wieder vom Gesamtverbrauch ab. Es zeichnete sich ein Defizit ab, aber wir konnten nicht viel dagegen tun. Bis zu dieser Pause lagen Daniels Rundenzeiten immer bei unter 45 Minuten, nach der Pause stiegen sie langsam. Im Nachhinein betrachtet war es die Kombination aus zu spätem Wechsel auf das kleine Kettenblatt, zuviel investierte Energie mit dem defekten Antrieb und der Probleme mit der Ernährung. Trotzdem waren wir guter Dinge und feuerten Daniel bei jeder Durchfahrt an.

Die Nacht brach herein und ich machte mir Sorgen, wir hatten aber auch Spaß und bekamen Besuch im Teil 5 meines Berichts.