Nach der WM ist vor der Night on Bike 2017. Das langsam aber stetig gewachsene Mountainbike Event im Bergischen Radevormwald wurde zum ersten Mal als 24 Stunden Event ausgetragen und natürlich waren die Ultralangdistanz Spezialisten alle vor Ort. Gemeinsam mit Marc Gottmanns startete ich erfolgreich im 2er Team, nach 24 Stunden hartem Kampf belegten wir Rang 4.

Nach dem ersten harten Trainingsblock nach der kurzen Pause im Anschluss an die Weltmeisterschaft stand meine Teilnahme an der Night on Bike 2017 in Radevormwald. Der erste Trainingsblock war fordernd und das 24 Stunden Rennen mit Marc Gottesmanns an meiner Seite sollte ich aus dem Training heraus als Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte fahren.

Mehr als nur Training: Night on Bike 2017

Aus dem Training heraus klingt immer so despektierlich, dröge und abgedroschen. Als würde man bei dem Wettkampf mit angezogener Handbremse fahren, dem ist aber gar nicht so. Ein Wettkampf bleibt ein Wettkampf und das bestmögliche Ergebnis das Ziel, allerdings reiste ich am Samstag morgen eben nicht in Bestform an und schon gar nicht perfekt erholt.

Vergleichen mit der Weltmeisterschaft lag mein CTL Wert um 20 Punkte niedriger als Anfang Juni. CTL 84 statt 104 zeigt eindeutig, dass meine Form ordentlich Platz nach oben hat. In den letzten sieben Wochen fehlten aber auch Einheiten jenseits eines TSS von 200 bzw. eben Trainingseinheiten über vier Stunden. Mit einem ATL Wert von 72 (WM 66) war ich zufrieden, allerdings bedeutet dies einen Formfaktor von 12 statt 38.

Aus diesem Grund sollte die Night on Bike 2017 ein besseres Training werden. Wann hat man schon mal die Möglichkeit Nachts im Renntempo zu fahren oder eben alle 30min zwischen Be- und Entlastung zu wechseln. Die Motivation war mit der Anreise vorhanden und eine Top 5 Platzierung war trotz der Defizite bereits vor dem Rennen meine Ansage an Teamkollege Marc.

Der Aufbau bei der Night on Bike

Keine Gang am Start (erstmal!), dafür nahm Marc seinen Kumpel Sascha mit, der uns die nächsten 30 Stunden bestens versorgen sollte. Im 2er Team war mir meine Gang auch nicht so wichtig, allerdings sollte sich im Rennverlauf das Fehlen der Gang bemerkbar machen.

Unser Fahrerlager wurde in Minimalausführung aufgebaut, 3x3m Zelt mit kurzem Camping Tisch und kleinster Werkstattausführung. Selbst Ersatzlaufräder sparte ich mir, da ich zwei Räder dabei hatte. Alles in allem ein spärliches Programm, mit unter auch ein Grund warum der Kampf ums Podium erst gar nicht aufgenommen werden konnte.

Überlegungen vor dem Start der Night on Bike 2017

Mit Lukas hatte ich das Rennen bereits vorgesprochen und sowohl Renn- als auch Ernährungsstrategie geplant. Mit 250 Watt/ Runde sollte ich das Rennen angehen und gucken wie weit das gut geht.

Ernährungstechnisch wollte ich zumindest die erste Hälfte komplett flüssig fahren und auf Obst zurückgreifen. Eine 0,5L Flasche Sponser Competition Ultra (100gr / Liter) und wahlweise Datteln/Banane/Aprikose standen in der ersten Phase zur Verfügung, so dass ich pro Stunde ca. 80-90gr Kohlenhydrate aufnehmen sollte.

Im Weiteren Verlauf tauschte ich die Flüssignahrung auf Sponser Competition (zuckerbasiert) aus und ergänzte um Energy Gels.

Außerdem hatte ich glutenfreies Brot und Erdnusmus dabei.

Die Night on Bike 2017 beginnt

Marc überließ mir die erste Runde des Rennens. Im Vergleich zu anderen 24 Stunden Rennen fehlte jegliche Nervosität oder Anspannung. Ich verzichtete auf Warmfahren (Fehler!) und machte mich um 13:40 Uhr auf in die Startaufstellung. Aufgrund der geringe Anzahl an Teams (12) verpasste ich die Startaufstellung für 2er Teams und landetet am Ende der Aufstellung bei den Solisten. Vielleicht fühlte ich mich dort auch besser aufgehoben. Dadurch lernte ich kurz vor dem Start noch Thorsten Weber kennen, der das Rennen souverän gewann. Herzlichen Glückwunsch!

Irgendwann fand ich dann doch meine Mitstreiter. Um 5 vor Zwei (haha!) begann es zu regnen. Geil! Und dann erfolgte der Start im Niesel des Bergischen. Mit Puls 180 ging es den ersten Downhill (Oha, nicht ohne!) herunter und der erste Anstieg wollte auch irgendwie nicht enden.

Die Strecke wurde von Kilometer zu Kilometer besser. Fettes Grinsen bei den Abfahrten, noch fetteres Grinsen an den Anstiegen und das fetteste Grinsen bei den Zuschauermassen am Wegesrand.

Beeindruckt war ich von den vielen persönlichen Anfeuerungen aus den Reihen des Eulenexpress, Northwave24 und weiteren Teams – DANKE SCHÖN! Tolles Gefühl.

Nach knapp 35min (NP 275 Watt, 20kmh Schnitt, 11km, 260hm) war die Runde erste Runde bei der Night on Bike 2017 vorbei. Hammerhart. Die Höhenmeter haben mich dann doch überrascht und sollten mich im Verlauf des Rennens auch an meine Grenzen bringen.

Runde für Runde über den Tag

Auf der Recht anspruchsvollen Strecke hatte ich schnell meinen Rhythmus gefunden, obwohl das Zusammenspiel aus Be- und Entlastung im 30 Minuten Wechsel mir nicht wirklich Erfüllung bringen sollte. Die Pause ist zu kurz zum Abschalten.

In gewohnter Konstanz spulte ich meine Runde ab. Die ersten drei Rundenzeiten sprechen für sich; 34:54, 35:15, 35:06. Nicht schnell aber konstant, eben im Rhythmus eines Einzelstarters mit etwas mehr Leistung als gewohnt und vielleicht 1-2 Minuten pro Runde zu schnell, um am Ende des Rennens noch ein paar Körner mehr zu haben.

Von unserer Teamarea ging es Runde für Runde zuerst den Oelfe Downhill hinab. Kein Vergleich zu den Abfahrten von der Weltmeisterschaft in Finale Ligure aber trotzdem technischer als alles andere, was ich an deutschen 24h Rennen bisher erleben durfte.

Die Strecke wechselte immer wieder zwischen schönen Trails, Wiesen, Aspahltanstiegen und kurvenreichen Passagen. Mein persönliches Highlight lag vor dem Fontane Anstieg, es ging eine Wiese hinauf zu einer 180° Grad Kehre, an der bestimmt 30 Zuschauer fast die gesamten 24 Stunden das Fahrerfeld mit Monsterlärm, Loala Wellen und Co. anfeuerten. Ein Traum.

Aber auch die Fahrt durch die Minigolfanlage, über eine BMX Strecke, der Schlussanstieg ins Fahrerlager oder der Wurzelteppich vor dem Schweineberg waren Runde für Runde erfreuliche Highlights.

Meine Verpflegung lief gut, während der Runden trank ich eine halbe Flasche Wasser und in den Pausen gab eine Flasche Sponser Competition Ultra und ein bißchen Obst.

Kampf mit der Sonnenbrille

Die Lichtverhältnisse waren für mich katastrophal und schnell entwickelte ich einen eigenen Kampf mit meiner Sonnenbrille.

Nach sechs Stunden lagen wir auf Platz 6. Die Stimmung war gut und ich war optimistisch, dass das drohende Gewitter ab 22 Uhr aufgrund des Starken Windes an uns vorbeizieht.

Das alles anders gekommen ist, könnt ihr euch denken. Alles über eine Nacht voller Unvernunft, einer Schlammschlacht die seines gleichen sucht und den wunderbaren Überraschungsbesuch meiner Gang könnt ihr in Teil 2 meiner Night on Bike 2017 nachlesen.