Nach der WM ist vor der Night on Bike 2017. Das langsam aber stetig gewachsene Mountainbike Event im Bergischen Radevormwald wurde zum ersten Mal als 24 Stunden Event ausgetragen und natürlich waren die Ultralangdistanz Spezialisten alle vor Ort. Gemeinsam mit Marc Gottmanns startete ich erfolgreich im 2er Team, nach 24 Stunden hartem Kampf belegten wir Rang 4.

Die ersten sechs Stunden vergingen wie im Flug. Rennen fahren, trinken, Pause, Rennen fahren repeat. Der mir völlig neue Rhythmus aus Be- und Entlastung war ungewohnt, klappte die ersten sechs Stunden aber gut. Wenn auch der erste Anstieg nach dem Oelfe Downhill meine Beine ordentlich zum Brennen brachte.

30 Minuten Pause, dann mit dem Rad vorbereitet warten auf Marc.

Leider hat es Time and Voice als Zeitnehmer der Veranstaltung noch immer nicht geschafft (fast 2 Wochen hatten sie jetzt Zeit) das Ergebnis der Wertung zu korrigieren. Wir stehen sowohl richtig auf Platz 4, als auch zusätzlich auf Platz 11. Deswegen können wir weder die Urkunde noch die Rundenprotkolle einsehen, weil Platz 11 verlinkt ist. Auf Anfragen unsererseits (inkl. zwei Nachfragen) kam bisher kein Feedback.

Die ersten sechs Runden waren im Sack und langsam tat das Rennen auch physisch weh. Zumal ich aufgrund zu weniger MTB Kilometer auf dem doch sehr technischen Kurs ordentlich ins Wanken geriet. Die Downhill Defizite konnte ich zum Glück über mehr Einsatz im Uphill kompensieren, andersherum wäre es komfortabler gewesen.

Anschlag, Anschlag, Anschlag. 2er Team ist keine Kaffeefahrt.

Der Abend beginnt mit einer Überraschung

In meiner siebten Runde dann mein persönliches Highlight. Made my Day sozusagen. Nach der Minigolf Durchfahrt und der BMX Strecke führte über einen schmalen aber sehr steilen Pfad die Strecke zurück zum Eventgelände. Am Wendehammer begannen die Teamcamps und während ich bei 350 Watt ziemlich am Anschlag die letzten Meter hochkurbelte, sah ich aus dem Augenwinkeln drei Personen weglaufen, nachdem sie irgendwie in meine Richtung zeigten!?

Ich war verwirrt, sah ich so beschissen aus? Hatte ich vergessen mich anzuziehen? Was zum Teufel…? Und dann schwenkte ich den Blick nach rechts und sah meine Gang wie sie sich zu dritt hinter einem schmalen Baum versuchten sich zu verstecken. Altah! Das müsst ihr noch üben :D

Ich fuhr die Runde durch die Expo bis zur Teamarea zu Ende und freute mich über die kurzfristige Anwesenheit von Jan, Maren und Naomi – die Überraschung war perfekt.

Die Runde davor nicht wirklich, denn ich war extrem zittrig und mein Körper signalisierte mehr Kohlenhydrate zu essen. Was ich in der unterhaltsamen Pause auch tat. Zum Glück habe ich für solche Fälle immer Medjoul Datteln dabei.

Es geht nicht ohne…

Die Gang suchte sich am Oelfe Downhill einen schönen Platz, während ich auf Marc wartete. Zuvor waren die 200 Fahrer des 12 Stunden Rennens gestartet, die von 21 – 09 Uhr sich mit uns die Strecken teilen sollten.

Die Runde lief normal gut, immer noch im Bereich sub40min. Kurz vor Rundenende am Wiesendownhill nahm ich die Kurve nicht perfekt und ich überfuhr irgendetwas hartes, der Schlag ging durch den ganzen Körper. Wie ich mir dann im nächsten Stint anschaute, war es ein doch recht großer unübersehbarer Stein.

Nach der Wiese folgte die Minigolf Bahn Durchfahrt und die BMX Strecke, hier merkte ich bereits das typische schmierige Verhalten meines Hinterrads, in diesem Moment nebensächlich denn die Gang stand gut platziert am Sprung Hügel… den ich konservativ und Reifen schonend ausfuhr.

Irgendwie schaffte ich die Runde zu Ende zu fahren und übergab mit 0,3 bar an Marc. Und nun? Wo ist Ansgar? Hilfe! Defekt, Platten, Puls 170, zittrige Hände…

Meine Maxalami Wurst im Dunkeln (Ansgar, deine Lichtanlage fehlte ebenso) traf das Ziel nur halb, in den von mir gesetzten 10min war die aufgeschnittene Seitenflanke nicht zu dichten. Mittlerweile habe ich den Reifen zu Hause repariert und werde euch in Kürze berichten.

Also musste jetzt doch das Canyon Lux herhalten, obwohl ich in diesem „Trainingsrennen“ eigentlich mein Material schonen wollte.

Night on Bike ohne Gang

Das Lux war schnell vorbereitet und die Strecke auch trocken, ich war nach wie vor optimistisch das dies so bleibt.

Die erste Runde mit dem Lux war toll! Keine Schläge in den Rücken, Linienwahl zweitrangig und Dank der mittleren Blockierung auch im Uphill bekannt zuverlässig. Ich liebe mein Canyon Lux.

Als Beleuchtung diente einmal mehr das Lupine Wilma / Piko Set an Lenker und Helm. Auch hier fehlte einmal mehr die Gang, bisher musste ich die Lampen nie selbst befestigen… eine miese Fummelarbeit. Die Gang fehlte an allen Ecken und Enden.

Maren und Co wollten zum Abschluss ihres Besuchs noch der Alm einen Besuch abstatten, die quasi auf dem Gipfel des Schweinebergs erbaut wurde. Leider trafen wir hier nicht mehr zusammen, allerdings ist diese Stelle für Fahrer auch echt abartig.

Langsam aber sicher bereitete ich mich mental doch auf Regen vor, nachdem ich bereits ein paar Tröpfchen zum Ende meiner Runde abbekommen hatte.

Um eine kurze Erholung nach 12 Stunden zu gewährleisten, entschieden wir nach Marcs Runde jeweils einen Doppelstint zu fahren, damit jedem Fahrer 90′ Regeneration am Stück zu stehen.

Und wie es so kommen sollte, übergab Marc mir den Staffelstab und ich bekam in den folgenden 90 Minuten die volle Breitseite Regen und Schlamm ab.

Glücklicherweise und für mich auch positiv überraschend haderte ich weder mit den Verhältnissen noch kühlte ich unangenehm aus. Konstant legte ich zwei 45min Runden hin und übergab an Marc, nachdem der Regen aufhörte.

Eine warme Dusche ist gold wert

Als 2er Fahrer kommt man, anders als als Einzelstarter, in den Genuss nachts eine warme Dusche nehmen zu können. Besonders schön, nach dem Regen Stint. Und durch Marcs Doppelrunde hatte ich danach noch Zeit für weitere 50′ Chillen.

Obendrein stelle ich fest, dass uns meine Doppelrunde von Platz 6 auf 4 vorspülte und wir nach 14 Stunden mehr als im Soll liegen.

2+2+1+1 = es wird wieder hell.

Nach unseren Doppelrunden und jeweils zwei weiteren Einzelrunden sollte es wieder hell werden. Zumindest so meine Theorie, die sich auch bewahrheiten sollte.

Wir fuhren konstant unseren Rhythmus und setzten uns langsam aber stetig von unseren Verfolgern ab. Auf das Podium fehlte uns eine Runde, die aber in unserem Zustand nicht mehr erreichbar war.

Als dann im Morgengrauen der zweite Platzregen über die Strecke zog, waren als Gedanken ans Podium verschwunden. Mit meinen Maxxis Ikon war ich froh überhaupt irgendwie auf der Strecke zu bleiben. Der Oelfe Downhill war glatt wie Schmierseife und irgendwann erwischte es mich dann auch, mein ausbrechendes Vorderrad konnte ich nicht mehr halten und flog über den Lenker. Ich war wieder wach :D

Die Spur war eine Lotterie, der Schlamm extrem tief. Meine Reifen hatten keinen Grip und die Rundenzeiten stiegen weiter an. 10 Minuten langsamer war die Strecke mittlerweile für uns geworden. Glücklicherweise auch für unsere Verfolger.

Rechenspiele am frühen Sonntagmorgen

Am Sonntag morgen verbrachten wir dann in den Pausen die Zeit mit Rechenspielen, wieviele Runden müssen wir noch fahren, um Platz 4 sicher zu haben. 2? 4? Keine Ahnung, fahr einfach.

Die Strecke blieb bis zum Ende anspruchsvoll aufgrund der Nässe. In den Pausen wärmte eine Decke, glücklicherweise war ich mit 4 Bekleidungssets gut aufgestellt und konnte häufig wechseln.

Ab 11 Uhr war uns der vierte Platz nicht mehr zu nehmen, Marc war nicht mehr gewillt richtig weiter zu fahren. So fuhr ich noch zwei und Marc eine Runde ehe wir das Rennen mit 31 Runden gemeinsam beendet haben.

Fazit

Die Night on Bike ist ein klasse Rennen. Die Strecke abwechslungsreich, technisch stimmig mit einer ausgewogenen Charakteristik. Anders als in Finale Ligure gab es in Radevormwald durchaus Streckenabschnitte, bei denen man sich etwas „ausruhen“ konnte. Nach 15, 16 Stunden ist es eben auch mal schön nur über Asphalt zu gleiten, ohne Linienwahl und ohne Schläge auf den Oberkörper.

Ebenfalls herausragend sind die Zuschauer. Was auf der Alm los war (bis zum Gewitter) und in den durchfahrenen Orten (bis tief in die Nacht) sucht seines gleichen. Das deutsche Toboga für die Kenner von 24h Finale.

Mit 31 Runden (16 Runden von mir), erreichten wir 356,5km (185km) und 8100hm (4200hm) haben wir eine gute Leistung abgeliefert. Das Erlebnis ist völlig anders als als Solostarter aber durchaus wiederholungsfähig. Gelitten habe ich jedenfalls nicht minder als bei einem Einzelstart. :-)

Danke Marc für die Einladung und Danke Night on Bike für dieses herrliche Erlebnis. Danke auch an die Eulen, Northwave24, die Gang und alle weiteren Personen fürs Anfeuern auf der Strecke.