Liebe Fahrgäste, hier eine aktuelle Durchsage: Die Linie 18 hält heute nicht in Brühl, sondern fährt durch bis nach Istanbul. Heute fährt die 18 bis nach Istanbul …

Hallo aus Geldrop, nähe Eindhoven, Willkommen bei Gulbergen24. Daniel ist heute Mittag mit der Startnummer 18 ins Rennen gegangen, was das Köln-Düsseldorf-Niederkrüchtener Betreuer-Team gleich mal zum Anlass genommen hat, den entsprechenden Karnevalshit anzustimmen. Passenderweise dauert die Fahrt von Daniels Heimatort bis nach Istanbul mit dem Auto laut Maps genau 23 Stunden und 58 Minuten – hier fügt sich also alles wunderber zusammen. Willkommen zum zweiten Abenteuer 24-Stunden-Rennen für das Team in diesem Jahr!

Während in Finale Ligure ab der ersten Rennminute keine Langeweile aufgekommen ist, startet Gulbergen24 eher entspannt. Jedenfalls für das Team, auf der Strecke geht es gleich zu Beginn zur Sache: Fahrer aus verschiedenen Rennen sind gleichzeitig auf dem Kurs und geben sofort Vollgas. Daniel ist sofort von Beginn an konstant unterwegs und fährt Rundenzeiten knapp unter 30 Minuten. Es gibt keine Defekte, keinen Grund anzuhalten und somit auch nichts mit ihm zu besprechen.

Unsere Rollen sind wieder klar aufgeteilt: Chrissie und Johannes kümmern sich um die Verpflegung, Ansgar steht für sämtliche technischen Geschichten bereit und hält die Fäden zusammen, Jan und ich sind für die allgemeine Bespaßung und Social Media am Start. Während morgens die Strecke komplett im Nebel versunken ist, klart es mittags auf und wird nachmittags sogar richtig warm. So warm, dass ich von den gefütterten Gummistiefeln zurück auf Turnschuhe wechsele, die lange gegen eine kurze Hose tausche und im T-Shirt wärmende Sonnenstrahlen tanke. Lässt sich aushalten hier.

Weil nichts anderes zu tun ist, besteigen wir den Berg. Die Aussicht ist großartig, das Wetter passt, alles fein. Zum Rennen selbst gibt es nicht viel zu berichten – die beiden Führenden rasen dem Feld zusammen in einem Wahnsinnstempo voraus, Daniel fährt unheimlich konstant sein eigenes Rennen. Dass eine Flaschenübergabe scheitert und wenig später am Berg nachgeholt wird, ist tatsächlich das einzig Erwähnenswerte.

Schwer vorstellbar, dass dieses Kaiserwetter heute Nacht auf einstellige Temperaturen umschlagen und uns eine harte Nacht bereiten soll. So lange wir noch können, genießen wir also. Und da wir uns in den Niederlanden befinden, müssen wir natürlich Pommes essen:

Daniel bekommt stattdessen Riegel, Gels, hin und wieder Saft, manchmal Cola und ganz selten Quinoa. Aber das hat er sich ja selbst so ausgesucht. Währenddessen denken wir uns Trinkspiele aus (Schnaps, immer wenn die 111 vorbei kommt), allerdings haben wir keinen Alkohol dabei. Dumm gelaufen. Ansgar trinkt stattdessen Kaffee, wie es sich für gute Coffee & Chainrings Gangmitglieder gehört.

Daniels Ziel ist es, durchzuhalten, bis zum Ende zu fahren und möglicherweise seinen eigenen Kilometerrekord anzugreifen. Seine eigene Ansage, dass wir uns heute nicht um Platzierungen scheren, wirft er bei der ersten Pause kurzerhand über den Haufen und will wissen, wo er steht. Das war anders abgesprochen! Wir weigern uns, etwas Konkretes zu sagen, orakeln mit Top 10 und verraten erst nach ausdrücklicher Aufforderung doch noch, dass er aktuell auf Platz 6 gesamt steht. So früh im Rennen will er auch die Abstände zu den Fahrern vor und hinter ihm wissen und scheint dafür noch aufnahmefähig zu sein. Wieso besprechen wir eigentlich eine Strategie, wenn wir uns dann doch nicht dran halten?

Daniel nutzt die Pause nach etwa sechs Rennstunden außerdem zum Essen (Quinoa-Sojamilch-Schlotze) und zum Wechsel auf wärmere Kleidung. Ansgar montiert währenddessen die Lampe am Rad, so dass die Nacht kommen kann. Das geht dann auch schneller als gedacht: Tschüss Sonne, tschüss behagliche Wärme! Es ist jetzt 21 Uhr, das Rennen läuft seit 8 Stunden und ich tippe diese Zeilen mit eiskalten Fingern. Winter is coming. Aber wir sind vorbereitet. Für diese eine Nacht!