Das Jahr 2015 bringt in vielerlei Hinsicht Neuheiten mit sich und die Peaks oder persönlichen Rekorde mehren sich gewaltig. Am Sonntag gab es die nächste Premiere; mein erstes Langstrecken Rennen auf dem Mountainbike. 110km auf größtenteils anspruchsvollen und fordernden Singletrails im Osten der Niederlande bei der AIA Hel van Groesbeek. Wir berichteten. Heute folgt mein persönlicher Erfahrungsbericht.

Mein erhöhtes Trainingspensum, das bisher gut verlaufene Trainingsprogramm und die Peaks im Trainingscamp @ home mit vielen Einheiten jenseits der 100km Marke ließen mich keine Sekunde zweifeln, ob ich mein erstes Langstrecken Rennen überstehe. Anders sah die Frage nach dem wie aus, zu Saisonbeginn ist das Einschätzen der Form immer so eine Sache. Aber mit der gezielten Vorbereitung auf das Rennen kamen ganz solide Segment Ergebnisse zu Stande und damit Selbstvertrauen. Voller Vorfreude nutzte ich den Samstag als Ruhepool zu Hause, um dann voll motiviert nach Holland zu reisen. Begleitet von der gesamten Familie (Rennerfahrungen mit 2,5 Monaten werden sich später im Lebenslauf bestimmt gut lesen lassen :-).

Vor Ort war es dann etwas hektischer als geplant, weil alles etwas weiter weg als üblich. Nichtsdestotrotz hielt ich an meinen Abläufen fest. Bike vorbereiten, Frühstück, Startnummer abholen. Einzig das Warmfahren kam zu kurz, bei den eisigen Temperaturen wäre das aber vielleicht für den Start besser gewesen. Um kurz nach 9 Uhr ging es dann mit Teampartner Tim, für ihn ist die Langstrecke längst Routine, in Startblock 2 und es hieß direkt hinten anstellen, denn es standen bereits gut 200 Niederländer im Startblock vor uns. Pünktlichkeit…

Kurz vor dem Start erreichte meine Liebste dann auch den Startbereich, der Parkplatz war gut 1km unterhalb des Startgeländes und wenn das Baby Hunger hat verspätet sich eben auch alles. Nichts neues, daran habe ich mich als erstes gewöhnt. So kam nicht Plan B in Frage, alle Sachen in den großen roten Beutel am Startgatter zu befestigen. Besser so, denn die gute Bioracer Teamwear kam so nicht weg und wir konnten noch einen Übergabeort für die Trinkflaschen ausmachen. Arm- und Beinlinge blieben kurzerhand an, im Hinblick auf die sowieso schon vorhandene Muskelverhärtung auch gut und zu warm war es erst in der dritten Runde. Um 09:25 Uhr – fünf Minuten vor dem Start – habe ich dann den Garmin Edge 1000 erst einmal ein Rennsetup unterzogen, ein bisschen fehlten die gewohnten Mechanismen.


Und dann ging es los. Drei Mal 35km mit knapp 650hm je Runde. Mental gar nicht so einfach, denn mit jeder Zieldurchfahrt ist die Versuchung groß ins Ziel zu biegen, so ein Rennen ist nunmal anstrengend und ich ein fauler Kater. Aber Wille schlägt Schweinehund und Durchhalten war die Parole des Tages. Vom Start weg hatte ich für meine Verhältnisse ziemlich gute Beine, Tim nicht so. Eine neue Erfahrung mal nicht hinterher zu hecheln. Tim gab alles aber seine Grippe steckte zu tief im Körper, zudem konnte ich ihm auf den kurvenreichen, engen und technischen Kurs kaum helfen. Wir entschieden uns, dass ich alleine fahre.

Mit angezogener Handbremse beendete ich die erste Runde, um dann das Tempo zu erhöhen. Das ging relativ gut, wie sich später im Garmin herausstellte. Ich mochte den Kurs gewaltig, soviel tolle und tricky Stellen. Beispiele: Nach einem schnellen Fachstück zwischen den Golffeldern ging es links für wenige hundert Meter stark bergab auf einem sandigen Boden mit Pflastersteinen gespickt. Der Wahnsinn, anschließend ging es ebenso knackig wieder bergauf, zwei Kettenrisse habe ich hier beobachtet. Ebenfalls sehr schön war ein langer Singletrail mit zwei dicken Stufen, eine Sprung und diversen Wurzelteppichen, diesen kannte ich bereits von einem gemeinsamen Training mit Tim im letzten Jahr. Vollgas rockte der Trail aber natürlich noch mehr.

In der dritten Runde schwanden merklich die Kräfte, es fehlte der Punch in den Beinen. Dadurch, dass die Gruppe aus der zweiten Runde mit der ich prima zusammen gefahren bin ins Ziel bog, fehlte mir auf einmal auch die Gesellschaft. Ich verlor viel Zeit (fünf Minuten bestimmt) auf den ersten 10km der Runde und es schlossen zwei große Gruppen auf, die ich dann (um das ganze Abzukürzen, da es bereits im Rennbericht ausführlich geschildert wurde) vorbeiziehen lassen musste. Im letzten Anstieg gab es ein kleines Erwachen und ich konnte die letzten Reste der Gruppe noch einsammeln und mich auf Platz 185. vorarbeiten. Kein überragendes Ergebnis aber für das erste Langstrecken Rennen absolut in Ordnung.

Von der Kurzstrecke zur Langstrecke in drei Jahren ist schon eine völlig neue Dimension. Das Teilnehmerfeld ist geschlossener, die Fahrer stärker und die Leistungsdichte größer. Persönlich liegt der Reiz an der Verausgabung. Nach einem Kurzstrecken Rennen war ich nicht weniger müde, aber es ist schon ein Unterschied 1:30 oder 5:45h im Sattel bei einem Rennen zu verbringen. Ich würde zu gerne meine inneren Monologe und Gedankenspiele während der Fahrt aufschreiben, weil sie blöderweise nach dem Rennen immer vergessen sind. Wäre bestimmt ein spannendes Buch.

Außerdem steht die erbrachte Leistung in einem angenehmeren Verhältnis zum Aufwand. Vier oder manchmal fünf Stunden Autofahrt für zwei Rennstunden passt weniger gut, finde ich. Der Kosten-Nutzen Faktor steigt gewaltig und das Gefühl nach dem Rennen ist famos, egal welche Platzierung dabei raus gekommen ist. Denn man hat sich besiegt. Seinen Schweinehund und alle anderen Steine, die sich einem auf 110km in den Weg stellen wollen. Und das ist es doch, was für uns Hobbysportler zählt.