Gut Ding braucht Weile. Und überhaupt, ein Erlebnis wie die Craft BIKE Transalp benötigt Zeit zum Verarbeiten, um die Eindrücke in ihrer Gedamtheit wiederzugeben. Here we go mit dem ersten Teil.

Die Craft BIKE Transalp ist Europas härtestes Etappenrennen über die Alpen. Über die Alpen mussten wir allerdings unser Rad über fast zwei Stunden Länge tragen oder schieben, weswegen die Transalp auch zur Transschieb umgetauft wurde. Gleichzeitig sorgten aber einige kleinere Layoutanpassungen dafür, dass die Transalp viel weniger Asphalt lastig ist, wie sie dann doch war. Zu guter letzt bleiben aber die visuellen Eindrücke auf imposante Bergmassive ein Leben lang.

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Die Craft BIKE Transalp polarisiert, was alleine durch die beiden diesjährigen Spitznamen Transschieb und Transasphalt deutlich wird. Die einen, sind durch die Strecke über- die anderen unterfordert. Es schwierig ein Etappenrennen über eine derart lange Strecke für alle gerecht zu kreieren. Es bleibt aber ein aber.

Für mich stach die zweite und fünfte Etappe heraus. Die zweite Etappe von Saalfelden nach Mittersil war das beste, was die diesjährige Transalp zu bieten hatte. Zwei extrem lange Anstiege, dazwischen der Panorama Trail und im weiteren Verlauf die Kletterpartie zur Medalscharte.

So hatte ich mir die Transalp vorgestellt. Trails, die einen an seine Grenze bringen und Anstiege, die im hochalpinen Teil dann laufend zu bewerkstelligen sind. Doch gleichzeitig wurde hier eins deutlich, die Strecke ist nicht massenkompatibel.

Denn bereits beim Panoramatrail wurde eins deutlich, dass selbst im Mittelfeld um jede Position gebissen wird und man lieber schiebend auf der Ideallinie läuft, anstatt für die wenigen Fahrer, die immer noch fahren können Platz zu machen. Ähnliches beobachtete ich auf den übrigen Etappen ebenso. Wenn alle schieben, schiebt man auch. Ist leider so und hat mir zwei tolle Trails gekostet aber zeigte eben auch deutlich das Potential der Transalp.


Die fünfte Etappe war dann das persönliche Highlight mit einem stetigen Auf und Ab, mit vielen Trails und technischen Finessen. Vielleicht lag es daran, dass ich hier viel weiter vorne gefahren bin, jedenfalls war die Atmosphäre untereinander ein wenig lockerer und weniger verbissen. Geschoben wurde immer mal wieder an steilen Rampen aber der Fluss war mehr gegeben. Und wenn alle fahren, fährt man auch. Dazu dann noch die Dolomiten im Blick. Schöööö wars.

Die Dolomiten, ein landschaftlicher Traum

Aber auch die anderen Etappen hatten ihre Highlights. Auf der dritten Etappe war das Ende von Lienz nach Sillian wunderbar, die 100km vorher hätte man aber durchaus weglassen können. Ja, richtig: Die Alpenhauptkammüberquerung war für’n Arsch. Eine tolle hochalpine Wanderung ja, kostete mich ein paar Rennschuhe (schon mal 6km mit einem Stollenschuh über Felsen geklettert?) und jede Menge nerven. Es ging an die Substanz aber eben nicht beim Radfahren. Mitnehmen kann man aus der Wanderung aber zahlreiche traumhafte Panoramen, allerdings möchte man viel lieber Rennen fahren. Das ging an diesem Tag nicht.

In Italien wendete sich das Blatt. Die Laufpassagen wurden geringer und die Strecke toller? Denkste! Man hat ja im Roadbook nicht umsonst zwischen Asphalt und asphaltierter Radweg unterschieden, damit nicht auf dem ersten Blick ersichtlich ist wie Straßenlastig der MTB-Sport sein kann. Zum Beispiel auf der Überführungsetappe von Sillian nach Alleghe, Jenni begleitete mich hier auf der parallel verlaufenden Straße. Richtig gefährlich wird es zu dem, wenn man die Straße als asphaltierten Radweg im Roadbook markiert und einem dann bei 75kmh Autos entgegenkommen.

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Transasphalt? Neben der Straße ging es oftmals die Pässe hinauf. Eindrucksvoll bleibt die Bergkulisse.

Aber auch bergauf störten die Autos und es kam immer wieder zu gewagten Überholmannövern, auch wenn die Anfeuerungen aus den Autos überwogen.

Die letzte Etappe nach Riva sollte es dann nochmal in sich haben. Dachte man. Nun gut, dass einer der schönsten Trails der Transalp nicht fahrbar war. Die engen Serpentinen mit sovielen Bikern passen einfach nicht zusammen, jeder Fahrfehler führt zu einem Stau. Leider, denn das was ich davon fahren konnte, war ein Spaß.

Im weiteren Verlauf folgte dann der Bocca Vaiona, der letzte Anstieg. Mit über 20% Steigung begann die Steigung auf Asphalt sehr schmerzhaft und führte dann bei gleichbleibender Steigung in einen ausgesetzten Karrenweg, also schoben wir große Teile des über 10km langen Anstiegs. Ich war nur froh, dass es nicht regnete und die Pflastersteine dadurch Grip boten.

Das Trailfinale am Gardasee war eine Mischung aus Flowtrails und netten Stufen, die allerdings in meiner Gruppe laufend überwunden wurden. Hier wurde einmal mehr auch einfach kein Platz gemacht, damit man vorbeifahren kann. Stattdessen müsste man selbst auch absteigen. Sportlich ist anders. Die letzten Kilometer nach Riva waren dann geprägt durch Gegenwind, der – so weiß ich es heute – zu Riva dazugehört.

Was soll man für ein Fazit ziehen? Schwierig. Ich kann jedem nur eine Teilnahme empfehlen, um sich selbst ein Bild zu machen. Man wird auf seine Kosten kommen, allerdings wird es auch Momente der Enttäuschung geben. Alles in allem ist die Tralsalp mehr ein Mhythos geworden und lebt vom Namen als von der Herausforderung, da sind andere Veranstaltungen bestimmt reizvoller hinterlassen aber nicht diese Bilder im Kopf, die man nie vergessen wird.