Da habe ich gestern einen rausgehauen und meine geringen Erwartungen völlig übertroffen: Platz 11 (AK) und 49. Gesamt beim schweren 90km langen MTB Giro des Alpe Adria Bike Festivals in Villach und damit zweitbester Fahrer aus Deutschland in dem international sehr gut besetzen Feld aus 250 Startern.

Nach acht Tagen Österreich mit sieben Trainingseinheiten (eine Reggie Fahrt) und knapp 10.000hm in den Beinen stand ich Sonntags morgens um 07:45 Uhr im Startblock des Alpe Adria MTB Giros mit Start am Faaker See und Ziel in Villach. Der Raceday beginnt auch alles andere als optimal, wenn man um 05.30 Uhr aufsteht, um 06:15 Uhr am Auto frühstückt und dann 13km zum Start mit dem Rad fährt. Aber der Aufwand mit dem Auto zum Faaker See zu fahren, wäre noch größer gewesen. Immerhin bin ich auf einer historischen Straße unterwegs gewesen, seinerzeit (ich glaube 1998 stand da) Teil der offiziellen Strecke der Straßen Weltmeisterschaft in Österreich. Die Frische hätte so oder so gefehlt,also mit der ohne Anreise per Rad. Aber daswar letztendlich so gewollt, geht es mir doch in diesem Sommer um das 24h Mountainbike Rennen im Münchener Olympia Park.

Fehlende Frische bedeutet auch nicht zwangsläufig schlechtes Ergebnis, was ich mit meiner Leistung bestätigen sollte und was Simon Stiebjahn eindrucksvoll bestätigte, nachdem er erst alle vier BIKE Four Peaks Etappen gewann und tagsdarauf die Mittelstrecke des renommierten Black Forest MTB Marathon. Rennen gewinne ich keine aber Frische in den Beinen ist nichts zwangsläufig das Hindernis.

Die Strecke des MTB Giros des Bike Festival Villachs war sehr bescheiden, ich muss gestehen das ich etwas enttäuscht war. Während die Rennradler auf adergroßen 165km Runde ziemlich viele Attraktionen bekamen, fristete das Mountainbike Rennen irgendwie ein Schatten da sein, vielleicht auch deswegen die geringe Teilnehmerzahl. Bereits am Start fehlte es an Atmosphäre, am 12,5km entfernten Camping Platz am Faaker See gab es nicht einmal einen richtigen Startbogen, um diese Zeit leisteten uns auch nur eine handvoll Camping Platz Bewohner Gesellschaft. Anders in der Stadt Villach, wo sich das große Starterfeld der Rennrad Fahrer durch die geschmückte und abgegitterte Stadt ins Rennen einrollte.

Alpe Adria MTB Giro

Wir starteten pünktlich um 08 Uhr und wurden durch mehrere Polizei Motorräder und einem Führungsmotorrad um den See neutralisiert begleitet. Ich schaute kurzzeitig mal ganz vorne vorbei aber ordnete mich dann meiner zu erwartenden Leistung im Mittelfeld ein. Nach zügigen vier Kilometer im Verband ging es dann auch in den Berg. Steil aber auf Asphalt, auf nicht enden wollenden Asphalt. Erst nach 8km wechselte der Belag in Schotter und bereits einige hundert Meter weiter sehnte ich mir Asphalt zurück, konnte ich da wesentlich rhythmischer pedalieren.

Es lief verdammt gut im Anstieg, widererwarten. Um 230-240 Watt pendelte sich meine Leistung ein ohne das ich in den roten Bereich musste. Ich konnte Gruppe um Gruppe hinter mir lassen und auf den letzten 2km des Anstiegs dann auch die Leistung auf 260-270 Watt erhöhen. Ziemlich clever so ein Racing, denn wenn die anderen abbauen und man selbst zulegen kann vergrößert sich der Abstand exponentiell.

Hinauf zum Jepza Sattel mit Panorama Ausblick

Der Anstieg gefiel mir immer besser und ich konnte trotz der schmerzenden Beinen die Aussicht auf die Seewelt um Villach genießen. Der Jepza Sattel war eine tolle Kletterpartie und nach 1:15h lag er hinter mir. Die Abfahrt war fahrtechnisch unspektakulär und die Schwierigkeit bestand ausschließlich daraus die hohen Geschwindigkeiten vor den Kehren rechtzeitig abzubremsen. Die Warnung zu großer Vorsicht bei der schweren Abfahrt bei der Fahrer Besprechung machten mir mehr Angst als alles andere und so fuhr ich bergab extrem vorsichtig und wartete vergeblich auf die schwierigeren Stellen. Außerdem gönnte ich mir eine Pinkelpause und genoss die Landschaft, die anders als die Strecke, grandios war. EngeSchluchten, Wasserfälle und diese schöne weiße (und nicht gräuliche) Stein gefällt mir extrem. Ich würde sagen, dass ich hier bestimmt 4-5 Minuten vergeudetet habe und mit besseren Streckenkenntnissen und mehr Selbstvertrauen auch viel schneller hätte fahren müssen. Das war in anderen Rennen schon besser. Aufgrund der Länge und der Geschwindigkeiten sowie der Highlights fürs Auge war die Abfahrt insgesamt noch okay, wenn mir ein Trail lieber gewesen wäre.

Tunnel am Jepza Sattel (Quelle: Alpe Adria Bike Festival)

Tunnel am Jepza Sattel (Quelle: Alpe Adria Bike Festival)

Zäh wie Kaugummi: 16,5km gegen den Wind

Es folgten 16,5km auf einem asphaltierten Radweg nach Kranjska Gora, kurz vor der italienischen Grenze. Alleine gegen den Wind und die mentale Erschöpfung. Nach 7km stellte mich eine 5er Gruppe, der ich nur mit Not folgen konnte und die mich dann 3km vor der Stadt stehen lassen hat. Dieses Tempo in der Ebene walmal eine Stärke aber gerade kam da nicht die aus den Beinen. Mit einem großen Kettenblatt, dass man auch im Wiegenritt hätte benutzen können… nun gut. Ausreden.

Hinauf zum Dreiländereck

In Kranjska Gora folgte der zweite Anstieg, die Ratece hinauf. Knapp 6km (600hm) lagen vor uns. Zu Beginn extrem steil im weiteren Verlauf dann etwas flacher und angenehmer zu fahren. Ich stellte die Gruppe, die mich in der Ebene überholt hatte und überholte einem nach dem anderen. Meine Leistung lag im Schnitt genau dort, wo sie am ersten Berg lag – 236 zu 233 Watt – und stellt mich auch im Racing zufrieden. Natürlich wären 40 Watt mehr drin gewesen, wenn ich am Anschlag gefahren wäre. Aber Leistung und Intensität passen super zusammen.

Die Abfahrt vom Dreiländereck war noch unspektakulärer als die erste Abfahrt. Keine Bodenwellen, keine Steinbrocken oder steinige Kurven sondern fast nur Highspeed bis nach Arnoldstein. Ein kleiner fieser Gegenanstieg kam noch bevor es zum Schlußsprint an die Frau ging. Zur Belohnung gab es am Ende dieses Stichs einen 500m langen Trail an dem auch prompt die Sportgrafen standen. Gute Arbeit, Jungs! Aber damit verfälscht ihr etwas den Charakter des Rennens.

Schlußsprint an der Drau

Ab Arnoldstein kannte ich den Weg bereits von meiner Anreise am Freitag vom Weißensee. 18km Kette rechts entlang der Frau auf Schotter oder Asphalt. An einer Brücke fuhr mein Vordermann an auf die Straße gemalten Pfeile vorbei, ich ebenso. Es fehlte das gelbe Schild mit schwarzen Pfeil.Hätte ich hier geschaltet und wäre rechts abgebogen, dann hätte ich die Gruppe nach uns nicht mehr passieren lassen. So zogen diese 10sek vor uns auf den richtigen Weg, mein Mitverfahrer schaffte den Anschluß und ich jagte 18km hinterher und verlor am Ende eine knappe Minute gegen die fünf vorausfahrenden Fahrer. Schade, den das waren die Platze 10, 9 und 8 der M30 Kategorie. Mit knapp 200 Watt im Schnitt und über 250 Watt auf den letzten 3km konnte ich dann am Ende das Tempo auch gut hochhalten. Im Ziel war ich mit einer Zeit von 4:30h (selbst gestoppt) und 4:22h (Zeitmessung) gewertet.

20160619-AlpeAdriaBikeFestival2016

Strava Aufzeichnung

Fazit

Top Ergebnis, super Leistung am Berg und im Schlußsprint nach Villach. Bergab üben wir noch und das Racing in der Ebene steht ebenfalls auf dem Trainingsplan.

Abgesehen von dem sehr zähen Mittelteil des Rennens war das Alpe Adria Bike Festival insgesamt seinen Besuch mehr als wert. Alleine das All you can eat Buffet im netten Park Café hat sich derbe gelohnt, da wurde man auch als veganer Sportler auf glutunfreier Diet satt. Der Zieleinlauf nach Villach war ebenfalls spektakulär und die Verbindung aus Bergrennen (Freitags) und Rennrad/Mountainbike Giro am Sonntag ist eine tolle Idee, die mit noch attraktiverer Strecke noch mehr Anklang finden wird.