Meine kalte Dusche beim P-Weg Ultramarathon vergangenen Sonntag hat mich sehr getroffen. Zweifel machten sich breit und mit jedem Zweifel verfiel ich immer tiefer in eine Negativspirale bis ich das Folgende erkannt habe.

Hochgefühl und tiefer Fall liegen manchmal sehr nah beisammen. Während ich nach dem Vulkanbike Eifel Marathon endlos Endorphine ausschüttete und mit dem Rennen und Platzierung sehr zufrieden war, verfiel ich mit dem Desaster beim P-Weg keine 24 Stunden später in eine mittelschwere Krise.

(Foto: Christian Siedler)

Ich habe nach dem P-Weg so ziemlich alles Gelernte ignoriert und bin durch das schwache Rennen in eine Negativspirale gefallen. Gedanken ans Aufgeben, Fragen nach dem Radsport-Sinn, fehlende Motivation und die Zweifel, wie ich mich erst bei Gulbergen24-uurs in der kommenden Woche fühlen sollte. Ja, ich zweifelte sogar an einer Teilnahme überhaupt. Selbst ein vorzeitiges Saisonende war gedanklich möglich.

Zumal ich nach der Aufgabe beim P-Weg auch immer wieder die Gedanken zur Aufgabe in Gulbergen24-uurs 2016 zurückkamen. Mitsamt den enttäuschten Gesichtern von Ansgar und Co.

Zweifel zerstören fast alle Hoffnungen

Eigentlich war nicht wirklich viel passiert. Das Rennen am P-Weg war vom Start weg katastrophal, wobei in der Analyse das Rennen besser war als ich es gefühlt habe. Außerdem konnte ich beim Vulkanbike einen Tag vorher voll überzeugen.

Obwohl ich alles in Frage gestellt habe, habe ich letzte Woche mit dem Training einfach weitergemacht. Emotionslos bin ich von Dienstag bis Donnerstag meine Trainings abgefahren.

Muss man erst einmal fertig bringen, sich ohne Motivation, Lust und Vorfreude bei Sturmböen über 50km/h aufs Rad zu setzen und (Mittwoch 4×10′, Donnerstag gar 3×20′ Tempointervalle) zu fahren. Der Sturm war mir egal, die Intervalle waren mir egal und der einsetzende Regen ebenso. Ich saß die Zeit einfach ab, leistungstechnisch gab es dabei gar nichts auszusetzen. Gefühlt waren es Desaster.

Heute kann ich viele positive Dinge an meinem Verhalten feststellen. Das Wetter war wirklich katastrophal und ich bin mehr als einmal aufgrund der starken Seitenwinde auf die Mitte der Fahrbahn gerutscht, der einsetzende Hagelregen tat schon ziemlich weh und trotzdem brauchte ich gar keine großen Überlegungen, ob ich draußen trainieren soll. Das war für ich klar.

Es gab Trainingsjahre, da wäre ich trotz bester Motivation in den Keller auf die Rolle gegangen oder hätte das Training aus Gründen verschoben.

Während des Trainings wusste ich es nicht aber heute ist es mir klar: Ich wollte es. Selbst eine mentale Krise konnte mich nicht stoppen.

Jeder Zweifel ist eine Erinnerung

Ich suchte in dieser Phase viele Gespräche mit Ansgar, Coach Lukas und Physio Jarmo. Alle wollten helfen aber letztendlich war der gemeinsame Tenor, dass ich das mit mir selbst ausmachen muss. Meine Zweifel waren nichts anderes als Erinnerungen an die Frage: Wie sehr willst du es?

Und wie sehr will ich es? Eine Woche vor dem dritten und letzten 24 Stunden Rennen der Saison sind solche Zweifel nicht zielführend.

Lukas reduzierte meine Optionen auf zwei Möglichkeiten: 1. Du fährst nicht. 2. Und wenn du fahren willst, dann nur wenn du keine Zweifel über deine Ziele hast. Gleichzeitig machte er mir Mut, konnte mir physiologisch eine vergleichbare Form wie vor Finale Ligure aufzeigen und erste Zweifel auslöschen.

Der P-Weg war nicht gut aber der Vulkanbike umso besser. Meine Trainingsleistungen davor waren nahezu perfekt und natürlich ist nach einer Weltmeisterschaft ein Spannungsabfall normal. Die Saison ist jetzt schon sehr lang und natürlich wird es von Woche zu Woche nun schwerer die Motivation zu behalten, fokussiert zu sein und die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Aber genau das war der Ziel dieser langen Saison. Genau diesen Moment wollte ich erreichen. Diese Situation wollte ich trainieren. Denn nächstes Jahr möchte ich Ende Oktober Bestform haben.

Und kurz nach dem Telefonat keimte ein Feuer auf. Da war sie letztendlich wieder, die alles entscheidende Frage: Wie sehr willst du es?

Wie sehr willst du es?

(Foto: Christian Siedler)

Wenn die Form stimmt, mein Trainer meine Leistung vom Vulkanbike Eifel-Marathon explizit lobt und ich es selbst ohne Motivation und Emotion schaffe, 3×20 Minuten im Tempobereich Leistung zu bringen, dann kann ich mir nur die Frage stellen: Wie sehr will ich es?

Ich kann. Ich will. Und ich werde in Gulbergen24-uurs an den Start gehen und gemeinsam mit meinem grandiosen Team, die sich allesamt auf das kommende Wochenende bereits freuen, ein Feuerwerk an Emotionen abbrennen. Ich werde alles geben und das Fiasko aus 2016 vergessen machen. Für Ansgar. Für Maren. Für Chrissie. Für Johannes. Für Jan. Für mich.

(Foto: Christian Siedler)

Außerdem will ich diese Belastung zum Saisonende, um Erfahrungen für die kommende Planung meiner Saison zu gewinnen. Die Saison 2018 wird mit der 24h MTB Weltmeisterschaft im Oktober noch länger.

Ich wäre fast an meinen eigenen Zielen gescheitert.

Es dauerte am Freitag nachmittag keine zwei Stunden bis ich mir mental über all diese Sachen klar geworden bin und seitdem brennt mein Feuer wieder. Ich bin bereit. Ich will. Und heute konnte ich diese Emotionen genauso in mein Training mitnehmen und neue Leistungspeaks erreichen.

ich bin bereit. Weil ich es will. Für diese eine Nacht voller Unvernunft!