Im zweiten und abschließenden Teil unseres Rückblicks über die Transalp geht es um das Event im Allgemeinen, abseits von der Strecke und der Versuch einer Bewertung des eigenen Rennens.

Im ersten Teil des Craft BIKE Transalp Rückblicks haben wir uns mit der Strecke von Ruhpolding nach Riva Del Garda auseinandergesetzt und versucht zu erklären, warum die Transalp weder die Transasphalt noch die Transschieb ist.

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Etappenorte mit wenig Werbung für den Sport
Beginnen wir mit dem Startort in Ruhpolding, den wir bereits mehrere Tage vor dem Start erreichten. Von Rennfeeling war hier noch nicht wirklich viel zu spüren. Wir wohnten mitten in Ruhplding in einem Gästehaus, dass Europas härtestes Etappenrennen über die Alpen hier in drei Tagen starten soll, war der freundlichen Chefin zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.

Abgesehen von einem Riesen Banner am Ortseingang, unter einer Werbung für ein Ski-Rennen fehlte es auch insgesamt an öffentlichen Hinweisen. Auffällig waren nur die Massen an Mountainbiker, die spätestens ab Donnerstag immer wieder Richtung Lofer aufbrachen und Teile der ersten Etappe inspizierten. Hier haben wir deutlich mehr erwartet.

imageBahnhof Ruhpolding, direkt in der Ortsmitte. Von Transalp Feeling keine Spur.


Bei den Zielorten verhielt es sich etwas anders, zum Teil fanden die Siegerehrungen mitten in den kleinen Städtchen statt. Besonders schön fanden wir die Atmosphäre in Alleghe und Levico Terme, wobei letzter Ort dann auch von dem Event gar nichts mitbekam. Alles spielte sich am See ab. Und wenn ich sage, gar nichts mitbekam, dann meine ich das auch so. Denn selbst die letzten 2km durch die Stadt fielen nicht sonderlich auf, denn wir waren Teil des Verkehrs und abgesehen von den Startnummern am Lenker unterschieden wir uns nicht von den anderen Radfahrern im Ort und mussten genauso vorsichtig im Straßenverkehr handeln.

Was mich aber wieder besonders gefreut hat, war das Engagement und die Freundlichkeit der einheimischen Bevölkerung. Das wiederum zeichnet die Transalp aus, es war einfach in Kontakt zu treten und alle hatten gute Laune.

Pasta Partys von gut bis schlecht
Die Pasta Partys nach dem Rennen waren ebenso ambivalent. An die Pasta Party in Bad Kleinkirchheim kam keiner der Etappenorte heran, hier konnte der BIKE Four Peaks Startort 2015 nachhaltig überzeugen. Generell war es schwierig einen Nachschlag zu bekommen, obwohl mit knapp 800€ Startgeld eigentlich die paar Nudeln drin sein müssten. Begleitungen mussten zum Teil einen hohen Preis für das Essen bezahlen, so dass sich Essen im Restauarant schon eher lohnte und eine bessere Auswahl bot, da leider nicht alle Etappenorte veganen Essen bereitstellten.

Das Nonplusultra im positiven Sinn war hier Levico Terme, die bereits in den Verpflegungszelten unmittelbar nach der Etappe mit frischen Blaubeeren, Wassermelone und diversen weiteren Köstlichkeiten die erschöpften Biker versorgten, während es in Mittersil zwar die schönste Location zur Pasta Party gab, die dafür aber sowohl nur Eiernudeln als auch Soßen mit Käse oder Sahne anbot. Dann eben nicht.

Ein Hoch auf Craft und Jentschura
Was ich persönlich noch total toll fand, war der Einsatz von Craft und Jentschura, die nach jeder Etappe grüne Smoothies bzw. Jentuschuras Tischlein Deck dich anboten. Vegan und vor allem auch gesund. Ihr ward wirklich prima!

Coffee & Chainrings met the alps
Unser Saisonhöhepunkt auf den wir sieben Monate hin gearbeitet haben muss ebenso ambivalent bewertet werden, wie die Veranstaltung selbst.

Mit hohen Zielen gestartet scheiterten wir an uns selbst, obwohl wir dann einzeln und für sich genommen akzeptable Ergebnisse abgeliefert haben.

Nach Tims Verletzung auf der ersten Etappe, Kommunikationsfehlern auf der zweiten Etappe und Tims mentaler Einbruch auf der dritten Etappe haben wir es versäumt eine teaminternen Aussprache durchzuführen und die Erwartungen zu reduzieren. Stattdessen führen wir für uns selbst, hatten dabei auch nicht wenig Spaß aber damit auch die Transalp als Teamrennen nicht erfahren.

Wahrscheinlich wäre es günstiger gewesen im Vorfeld weniger Leistungsanspruch zu formulieren und nicht Platzierungen in die Erwartungshaltung mit aufzunehmen. Dadurch steigerte ich zwar mein Training, aber durch Tims krankheitsbedingte Rückschritte hätten wir viel eher die Ziele korrigieren müssen.

Dazu gesellen sich dann Frust und Gedanken im Rennen, der andere hilft mir nicht oder gibt nicht alles und ganz schnell nimmt ein Teamrennen eine eigene Dynamik an, insbesondere dann wenn zwei Alphatierchen aufeinander treffen und Recht behalten wollen.

Als Tipp für andere sich bildende Teams: Macht es nicht wie wir, sondern bleibt zusammen. Eine Erfahrung, die mehr wiegt als Position 100 oder 200. Auch wenn ein Fahrer dann eben keine Rennbelastung fährt, dafür sammelt er andere Erfahrungen.

Optimismus und gute Laune.Ein Duo auf Abwegen. Saisonhöhepunkt vermasselt, aber am Ende findet man zurück zum Zusammenhalt.

Zum Glück haben wir letztendlich beide das Ziel erreicht, die Transalp gefinisht und (auch das ist nicht zu vernachlässigen) sprechen heute ganz normal miteinander und planen sogar weitere Rennen gemeinsam zu bestreiten. Aus Fehlern lernt man eben.

Fazit Craft BIKE Transalp
Einmal angefixt darf man nicht nie wieder sagen. Auch wenn nicht alles positiv ist, die Strecke bestimmt schöner sein könnte, der Fokus in den Etappenorten mehr auf das weltbekannte Rennen liegen könnte, so bleibt die Transalp die Transalp. Eine Herausforderung, die einem alles abverlangt. Die Panoramen bietet, die einen nachhaltig berühren.

Tim sagt, die Transalp sieht ihn bestimmt wieder. Ich sage, man soll niemals nie sagen.